Bürgerentscheid in Bonn

"Nein" zum Erhalt des Kurfürstenbads

Bonn. Die Entscheidung ist gefallen: Das Kurfürstenbad in Bad Godesberg soll nicht saniert werden. Eine knappe Mehrheit der Bonner, die sich am ersten Bürgerentscheid in der Geschichte der Stadt Bonn beteiligt haben, sprachen sich mit rund 52 Prozent gegen den Erhalt des Hallenbads aus.

Die Bonner Stadtverwaltung kann mit der Planung für ein neues Schwimmbad in Dottendorf starten. Mehr als acht Stunden benötigten die 350 ehrenamtlichen Stimmzähler im Stadthaus, bis gegen 16.45 Uhr die letzten Abstimmungsunterlagen ausgezählt waren. Oberbürgermeister Ashok Sridharan gab offiziell das Ergebnis kurz vor 17 Uhr bekannt.

"Ich hätte nicht gedacht, dass das Ergebnis so knapp ausfallen würde", sagte er. Er habe mit deutlich mehr Nein-Stimmen gerechnet. Trotzdem freue ihn das Ergebnis, das "trotz vieler falscher Behauptungen, die in den vergangenen Wochen aufgestellt worden sind" nun den Weg für den Neubau eines Schwimmbads frei mache.

"Die Mehrheit hat sich von Sachargumenten überzeugen lassen", sagte der OB. Jetzt gehe es darum, auch die bisherigen Gegner davon zu überzeugen, dass ein neues Schwimmbad gut für die Stadt sei.

Peter Weckenbrock, Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Bonn, kündigte an, nächste Woche Donnerstag werde eine Jury aus zehn eingereichten Architektenentwürfen drei "Spitzenreiter" auswählen. Die SWB sollen das neue Schwimmbad bauen und betreiben. Nach der Jurysitzung solle zeitnah die erste Kostenschätzung auf den Tisch kommen. Bereits Anfang Mai sollen die Siegerentwürfe der Öffentlichkeit im Stadthaus präsentiert werden. Mit dem Baubeginn rechnet Weckenbrock Anfang 2018.

"Die besseren Argumente haben überzeugt", kommentierten Michael Scharf vom Stadtsportbund (SSB) und Ute Pilger, Vorsitzende des Stadt-Schwimmverbands (SSV), das Ergebnis. Die Bonner hätten mehrheitlich erkannt, welche Chancen ein neues Schwimmbad im Vergleich zum sanierungsbedürftigen Kurfürstenbad biete und entsprechend abgestimmt. Beide sprachen von einem "Tag der Freude für den Bonner Sport" und forderten jetzt auch die schnelle Sanierung des Hardtbergbads und der Beueler Bütt.

Bärbel Richter, Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion, zeigte sich enttäuscht. Ihre Fraktion hatte sich wie die Linken und der Bürger Bund Bonn für die Sanierung und damit für den Erhalt des Godesberger Bads ausgesprochen. "Jetzt müssen wir klug überlegen, wie es mit der kurfürstlichen Zeile weitergeht", sagte sie.

Erleichterung herrscht dagegen bei der Jamaika-Koalition: "Wir freuen uns, dass es nun beim Thema Bäder endlich weiter gehen kann. 2020 muss das neue Schwimmbad in Dottendorf fertig sein", sagte Georg Fenninger (CDU). Auch Joachim Stamp (FDP) ist froh über das Ergebnis, fordert aber im gleichen Atemzug eine "Kompensation für Bad Godesberg". In der Kurfürstlichen Zeile könnte ein Standort für die Universität entstehen, schlägt er vor.

Grünen-Fraktionssprecherin Brigitta Poppe, deren Fraktion sich ebenfalls für den Neubau des Schwimmbads in Dottendorf stark macht, zeigte sich vor allem begeistert über die recht hohe Beteiligung der Bürger, die sie als gutes Zeichen für die Demokratie wertete.

Jürgen Repschläger von der Linksfraktion meinte: "Nicht immer gewinnt David, aber das Ja-Ergebnis für das Kurfürstenbad ist angesichts der institutionellen Übermacht der Nein-Sager überraschend gut". Johannes Schott (Bürger Bund Bonn) sprach von einem "erstaunlich knappen Ergebnis" und pocht nun auf "belastbare Zahlen für den Neubau, die der Oberbürgermeister jetzt endlich auf den Tisch legen muss".

Für Sven Stumpf von der Initiative "Frankenbad bleibt Schwimmbad" ist mit der Entscheidung gegen das Kurfürstenbad das von der Stadt Bonn ebenfalls verfolgte Aus für das Frankenbad noch lange nicht besiegelt. "Wir sind als Initiative erst im Januar gestartet, da kommt noch was von uns", kündigte er an.

"Wir alle sind erleichtert und glücklich über das Ergebnis", sagte Axel Bergfeld von der Bürgerinitiative "Kurfürstenbad bleibt!". Obwohl die Initiative nur knapp unterlag, sei der Tag ein Erfolg. "Es wäre vermessen zu glauben, dass sich die Leute in Hardtberg oder Beuel für das Bad Godesberger Bad interessieren", so Bergfeld.

Für ihn sei das Ergebnis "50/50 – mit wenigen Prozentpunkten Unterschied". "Man muss jetzt gemeinsam eine Lösung für Bonn finden", so Bergfeld. Zunächst brauche es Gespräche zwischen Bürgern, Schwimmsportlern, Stadt und Parteien. "Es gibt eine Lösung – nur die kennen wir nicht, weil wir nicht richtig diskutiert haben." Der Bürgerentscheid sei eine Möglichkeit gewesen, das Kurfürstenbad zu erhalten. "Jetzt suchen wir eben einen anderen Weg", sagte Bergfeld.

Die Bürgerinitiative hatte sich am Samstagnachmittag im Trinkpavillon hinter der Bad Godesberger Stadthalle getroffen. Immer, wenn ein "Ja"-Ergebnis eintraf, brach bei den Anhängern des Kurfürstenbads Jubel aus. Etwa 60 Mitstreiter waren gekommen, um gemeinsam auf das Ergebnis zu warten.