Rücktritt von Kardinal Meisner

Nachfolger soll Dialogpartner sein

In der St. Maria Magdalena Kirche segnet Kardinal Meisner 2013 einen Firmling.

BONN. Mit Respekt vor der Lebensleistung Joachim Kardinal Meisners, aber auch mit Kritik reagierten Bonner Katholiken gestern auf dessen Abschied. "Er war ein Bischof, der deutlich Position beziehen konnte und kein Blatt vor den Mund nahm. Dadurch wurden Diskussionen eröffnet, die weit über das Erzbistum hinaus reichten", sagte Johannes Sabel, Leiter des Katholischen Bildungswerks.

Meisner habe viel Bildungsarbeit ermöglicht. "Wir konnten hier, soweit ich es beurteilen kann, auch in einer sehr freien und offenen Weise arbeiten." Der neue Bischof werde mit einer wichtigen Frage umgehen müssen: "Wird Kirche als Ort des Evangeliums erfahren, der keinen Menschen ausgrenzt, ungeachtet seiner Lebenswege und Lebenssituationen, an dem Achtsamkeit, Aufmerksamkeit und Wertschätzung erfahrbar werden?"

"Das Bistum und wir in Bonn haben mit Kardinal Meisner große Kirchenereignisse erlebt", sagte Jean-Pierre Schneider, Direktor der Caritas. Man werde ihn als einen Mann in Erinnerung behalten, der stets unerschrocken um eine katholische Position gerungen habe. "Dabei war er immer konfliktbereit. Die Katholiken waren nicht immer seiner Meinung, aber haben sein großes Engagement wahrgenommen." Man sei ihm für die guten Impulse dankbar.

Schneider wünscht sich einen Nachfolger, der in Bonn und im Erzbistum die vielen Katholiken und Strömungen in der Kirche als Gemeinschaft stärkt. "Es wäre wichtig, einen Bischof zu finden, der sich als Zuhörender und Dialogpartner der Ortskirchen versteht. Und als einer, der kirchliche, soziale und gesellschaftliche Fragen offen und entschlossen angeht." Das betreffe etwa die Fragen nach künftigem kirchlichen Leben und Gemeindemodellen, aber auch die drängenden Fragen nach Armut und Reichtum.

In Meisners Amtszeit seien Sparmaßnahmen nötig gewesen, sagte Christoph Bauerle für die Basisinitiative "Katholiken im Burgviertel". Aber der Kardinal habe es nicht verstanden, dabei die Menschen zu erreichen. "Er blieb mit seinen Ansichten isoliert, wie die Befragung der Katholiken im Auftrag des Papstes gezeigt hat." Laut Bauerle würden Kölner Insider berichten, dass Meisners Weg gepflastert gewesen sei von zerstörten Karrieren, wenn Mitarbeiter es gewagt hätten, ihm zu widersprechen. "Es bleiben also aus unserer Sicht Rückschritt und Zwang, Angst und Unehrlichkeit." Vom neuen Kardinal erwartet Bauerle Mitmenschlichkeit, Wärme, Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit.

Kardinal Meisner habe versucht, die Belange der Stadt und der Menschen in den Blick zu nehmen, kommentiert dagegen Pfarrer Michael Dörr aus dem Beueler Dekanat. "Ich habe Achtung vor seiner Leistung, auch als 80-Jähriger noch diese verantwortungsvolle Arbeit getan zu haben." Es sei schwierig, eine so große Diözese zu leiten, ohne anzuecken, besonders wenn man selbst nicht Rheinländer sei. Vielleicht habe der Kardinal da manchmal unglücklich agiert. "Villich, Pützchen, ja ganz Bonn hat Kardinal Meisner zu verdanken, dass die Heilige Adelheid 2008 mit zur Stadtpatronin erhoben wurde."

Bernd Kemmerling, Dechant in Bonn Mitte-Süd, ist Meisner dankbar. "Und zwar deshalb, weil er in unserem Erzbistum Räume eröffnet hat, in denen freimütig und visionär darüber nachgedacht werden kann, wie es mit der Kirche der Zukunft aussehen könnte, welche Herausforderungen die gesellschaftlichen Veränderungen mit sich bringen, auf die wir reagieren und antworten müssen."

Ebenfalls positiv blickt Margret von Haehling, Vorsitzende des Bonner Katholikenrates, zurück: "Ich danke dem Kardinal für den nicht immer leichten Dienst während in unserem Bistum. Ich wünsche mir als Nachfolger einen Bischof, der dialogfähig ist, offen für die Lebenssituationen und Realitäten der Menschen, und der den Menschen mit Respekt und Wertschätzung begegnet."