Neue Pläne für ehemalige Poliklinik

Nach Kritik keine gemeinsame Suchtambulanz in Bonn

Das Luftbild zeigt das bestehende Areal der ehemaligen Poliklinik zwischen Wilhelmstraße (oben), Wilhelmsplatz (oben links) und Annagraben (unten).

Das Luftbild zeigt das bestehende Areal der ehemaligen Poliklinik zwischen Wilhelmstraße (oben), Wilhelmsplatz (oben links) und Annagraben (unten).

Bonn. Die Stadt Bonn präsentiert eine neue Vorlage für das Gelände der einstigen Poliklinik an der Wilhelmstraße. Eine Zusammenlegung der Suchtambulanzen wird es nicht geben. Kritik der Anwohner gibt es trotzdem.

Nachdem die politischen Gremien die Pläne für das Gelände der ehemaligen Poliklinik an der Wilhelmstraße seit Monaten immer wieder vertagt haben, kommt offensichtlich Bewegung in die Planung: Sie sieht unter anderem den Bau von 125 geförderten neuen Wohnungen vor. Wie die Verwaltung am Mittwoch mitteilte, soll jetzt auf die umstrittene Zusammenlegung der Diamorphinambulanz mit der zurzeit noch an der Heerstraße angesiedelten Methadonambulanz auf dem Gelände verzichtet werden.

Ein Erfolg für die Bürgerinitiative, die sich in dem Quartier gebildet hat. Sie wehrt sich seither gegen die Zusammenlegung einer kombinierten Suchtambulanz, aber auch gegen die vorgesehene Bebauung des Areals mit 100 Prozent öffentlich geförderten Wohnungen. „Nach Abwägungen aller Interessenlagen werden die Ambulanzen an ihren jetzigen Standorten separat weitergeführt“, heißt es nun seitens der Stadtverwaltung. Der Entscheidung sei ein intensiver Austausch aller Beteiligten, wie den Betreibern der Ambulanzen und zahlreichen Ämtern der Stadtverwaltung sowie den Bürgern, vorausgegangen. „Bei den vielfältigen Gesprächen ging es unter anderem um die rechtlichen Rahmenbedingungen für die geplante kombinierte Suchthilfeambulanz, die städtebauliche und ordnungsbehördliche Bewertung des Umfeldes auf Konfliktpotenzial, detaillierte Beschreibungen der Ambulanzen und das Bebauungsplanverfahren“, geht aus der Presseerklärung weiter hervor. Im Klartext: Offensichtlich besteht durchaus die Möglichkeit, dass Bürger gegen die Zusammenlegung der Ambulanz mit Erfolg klagen könnten.

Keine Akzeptanz für Zusammenlegung

„Wir haben alle Aspekte abgewogen und kommen zum Schluss, auf die Zusammenlegung der beiden Ambulanzen zu verzichten“, erläuterte Sozialdezernentin Carolin Krause. Sie sei nach wie vor vom Konzept der Zusammenlegung von Methadon- und Diamorphin-Vergabe überzeugt. „Die Umsetzung dieses Konzepts erfordert jedoch eine breite Mehrheit aller Beteiligter, die für den Standort nicht herzustellen war“, bedauerte Krause.

Hannelore Pesch von der Bürgerinitiative zeigte sich dagegen erleichtert über diese Entscheidung. „Wir haben ohnehin in dieser Gegend, vor allem rund um das Johanneskreuz, genügend Probleme mit Drogensüchtigen und Alkoholkranken“, sagte sie. Bei einer Zusammenlegung der Ambulanzen wäre das Problem nur noch weiter verschärft worden, ist Pesch überzeugt. Sie betonte, dass die Arbeit der Bürgerinitiative damit nicht erledigt sei. „Wir wehren uns nach wie vor auch dagegen, dass dieses Gelände zu 100 Prozent mit geförderten Wohnungen bebaut wird“, sagte sie und forderte eine Gleichbehandlung mit anderen Bauvorhaben, wo in der Regel die Förderquote bei 30 Prozent liege.

Anders als in der bisherigen Vorlage zum Vorentwurf des Bebauungsplans für die Poliklinik hat der Eigentümer des Geländes, der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB), inzwischen kein Interesse mehr, den Altbau der einstigen Poliklinik für Universitätszwecke zu nutzen, erklärte BLB-Sprecherin Silke Schenck am Mittwoch dem GA auf Anfrage. Der BLB beabsichtige stattdessen, den Verkauf des Areals einzuleiten.

Wie berichtet, soll die Stadt Bonn auf Ratsbeschluss mit dem BLB Verkaufsverhandlungen führen, um dort sozialen Wohnungsbau zu realisieren.