Klassik-CD

Musik über das Wandern

Die CD "Wanderer" der Bonner Pianistin Jamina Gerl.

Die CD "Wanderer" der Bonner Pianistin Jamina Gerl.

Bonn. Die Bonner Pianistin Jamina Gerl zeigt in Werken von Felix Mendelssohn Bartholdy bis Franz Schubert, Franz Liszt und Dmitri Schostakowitsch musikalische Klasse.

Es gibt Sätze, die haben das Potenzial, den Menschen in eine tiefe Niedergeschlagenheit zu entlassen. Zum Beispiel: "Da, wo du nicht bist, ist das Glück!" Es handelt sich hierbei um die letzte Zeile aus einem Gedicht von Georg Philipp Schmidt von Lübeck, das durch Franz Schuberts Lied "Der Wanderer" unsterblich geworden ist. Wenn die Bonner Pianistin Jamina Gerl für ihre Debüt-CD den Titel "Wanderer" wählt, geht es ihr weniger um die musikalische Umsetzung beeindruckender Landschaftspanoramen, sondern um das Wandern als romantisches Motiv, das die Sehnsucht ebenso in sich trägt wie die Trauer um eine verlorene Liebe, die Einsamkeit oder die Fremde.

Franz Liszts Klavierfassung des Schubert-Liedes steht übrigens an vorletzter Stelle des wunderbar durchkomponierten Konzept-Albums. Als beeindruckendes Finale schließt sich dem Schuberts Wanderer-Fantasie an, die sich motivisch auf das Lied bezieht. Hier zeigt sich Jamina Gerl als Virtuosin ersten Ranges, deren kraftvolles und dennoch fein artikuliertes Spiel die technischen Schwierigkeiten des Stückes vergessen lässt.

Jamina Gerls Wanderung beginnt jedoch in Schottland, einem Sehnsuchtsort Felix Mendelssohn Bartholdys, dessen Fantasie op. 28 in fis-Moll davon durchtränkt ist. Sie spielt das Werk mit großer Klarheit und Brillanz, hat einen schön ausgebildeten Sinn dafür, Melodielinien sehr gesanglich zu phrasieren. Das setzt sie auch in den drei Venezianischen Gondelliedern Mendelssohn Bartholdys und den beiden reinen Liszt-Stücken des Albums, "Waldesrauschen" und "Gnomenreigen", fort. Auch hier beeindrucken Technik und Musikalität der 1986 geborenen Pianistin gleichermaßen.

Mit Dmitri Schostakowitschs drei Phantastischen Tänzen op. 5, der Bourrée Fantastique von Emmanuel Chabrier und Claude Debussys "L'Isle joyeuse" löst sie sich stilistisch zwar aus der romantischen Sphäre, beschreibt damit aber doch immer noch so etwas wie eine musikalische Reise in entfernte Regionen der Fantasie.

Wanderer: Jamina Gerl, Klavier, TyxArt.