Festspielhaus in Bonn

Muntere Diskussion beim Bund Deutscher Architekten

David Chipperfields Entwurf für ein Festspielhaus neben der Beethovenhalle.

03.12.2014 BONN. Gutes Thema, überraschende Besetzung: Der Bund Deutscher Architekten Bonn-Rhein-Sieg hatte zu einer Podiumsdiskussion in den großen Hörsaal des Geografischen Instituts der Universität eingeladen. Thema am Dienstagabend: "Das Festspielhaus Bonn - ein Projekt der Bonner Stadtgesellschaft".

Auf dem Podium saßen ausschließlich Festspielhaus-Befürworter: Stephan Eisel (Bürger für Beethoven), Wolfgang Grießl (Förderverein Beethoven Festspielhaus), Sigurd Trommer (Mitglied der Jury des Festspielhaus-Wettbewerbs) und Heiner Küpper (Deutsche Post DHL).

Die Diskussion sollte nun aber "keine Propagandaveranstaltung" werden, wie der souveräne Moderator Michael Lobeck gleich zu Beginn klarstellte. Wie auch? Aus dem zahlreich versammelten Publikum erhoben sich kritische und von Skepsis genährte Fragen und Anmerkungen, mit denen die Diskutanten sich auseinandersetzen mussten. Es entwickelte sich so eine muntere, temperamentvolle und fundierte Debatte.

Heiner Küpper skizzierte prägnant und anschaulich die bisherige Festspielhaus-Geschichte, blickte voraus ins Jahr 2020, wenn die Welt Beethovens 250. Geburtstag feiern wird, und schloss mit einem Appell an die Bonner: "Schwingt die Hufe." Das Haus sei "eine dicke Chance für Bonn". Der Konzern Deutsche Post DHL verstehe sich als Unterstützer einer bürgerschaftlichen Initiative. Gleichzeitig wolle man der internationalen Ikone Beethoven dienen.

Die Bausumme von 70 Millionen Euro - dazu kommen rund 15 Millionen Euro für Betriebseinrichtungen - stehe fest: "Dieses Geld darf nicht überschritten werden." Nun fehlten ja noch geschätzt rund 35 bis 40 Millionen, Euro, um den Bau zu stemmen, kam ein naheliegender Einwand aus dem Publikum. Stephan Eisel sprach für das gesamte Podium, als er feststellte: "Wenn's nicht reicht, wird nicht gebaut." Echo von Grießl: "Dann stoppen wir das." Eisel zeigte sich optimistisch, Namen von möglichen Spendern und Sponsoren wurden im Hörsaal aber nicht genannt.

Auch der Festspielhaus-Businessplan, von dem ein "verkürzter Entwurf" (Grießl) bereits öffentlich und im General-Anzeiger dargestellt wurde, müsse belastbar sein, war man sich einig. "Das sind nicht die letzten Zahlen", ordnete Grießl den Entwurf ein, der Businessplan werde derzeit bearbeitet und im Januar 2015 veröffentlicht: "Alle Zahlen werden öffentlich zur Verfügung gestellt."

Ebenfalls umstritten: die Entwicklung bei den Besucherzahlen klassischer Konzerte. Es gab Warnungen aus dem Publikum sowie Skepsis, eine Auslastung von 80 Prozent im Beethoven Festspielhaus zu erreichen. Grießl & Friends hingegen verbreiteten auch hier Optimismus. Der Abend beim Bund Deutscher Architekten war auch ein Anlass für persönliche Bekenntnisse. Moderator Michael Lobeck machte sich auf Motivationssuche und wurde fündig. Stephan Eisel beschwor ein "echtes Bürgerprojekt" und unterstrich: "Ich bin es leid als Bonner Bürger, dass in dieser Stadt nichts vorangeht."

Wolfgang Grießl, Unternehmer und Präsident der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg zeigte die potenzielle wirtschaftliche Bedeutung eines Festspielhauses auf, verwies auf Salzburg (Umwegrendite 270 Millionen Euro) und Baden-Baden (48 Millionen). Für Baden-Baden hätte er noch ein paar Millionen drauflegen können. Eine jüngst erschienene Studie der Universität St. Gallen stellt fest: In Baden-Baden "beläuft sich der regionale Kaufkraftzufluss durch das Festspielhaus für das Jahr 2013 auf gut 52 Millionen Euro". Bonn könnte, konservativ geschätzt, mit einem Umsatz von 16 Millionen Euro rechnen, sagte Grießl.

Sigurd Trommer brachte viel Emotion in die Diskussion ein - und ökonomisches Bewusstsein. Er sei wie elektrisiert und vom Projekt Festspielhaus ergriffen, seit er 2002 einen Appell von Karin Hempel-Soos habe miterleben können. Die 2009 verstorbene Bonner Autorin und Festspielhaus-Initiatorin hatte diese Wirkung.

Genau wie Wolfsburg, wo massiv in Kulturbauten investiert worden sei, müsse man sich auch in Bonn engagieren, um die Dax-Konzerne in der Stadt zu halten, argumentierte Trommer. "Zukunft muss man auch wagen", intonierte er. Heiner Küpper charakterisierte Beethoven als essenziellen Bestandteil - "fünfte Säule" - der Identität der Stadt Bonn. Das Festspielhaus sei aber auch, ganz nüchtern betrachtet, eine "Wirtschaftsförderungsmaßnahme". (Dietmar Kanthak)