Tragödie in Duisdorf

Mitschüler trauern um Mordopfer

Die Trauer geht weiter: Anwohner und Freunde haben weitere Kerzen, Blumen und Spielzeug vor dem Wohnhaus niedergelegt.

Die Trauer geht weiter: Anwohner und Freunde haben weitere Kerzen, Blumen und Spielzeug vor dem Wohnhaus niedergelegt.

Duisdorf. Entsetzen und große Trauer in der Realschule in Medinghoven: In der kommenden Woche plant die Schulleitung einen Gottesdienst für den elfjährigen Jungen, der am Sonntag mit seiner 48-jährigen Mutter tot in der gemeinsamen Wohnung gefunden wurde.

Der Vater soll die beiden aus Habgier ermordet haben. Wie Oberstaatsanwalt Robin Faßbender am Mittwoch sagte, gebe es keinen neuen Sachstand zu den Ermittlungen. Unklar sei weiterhin, warum die Mutter 15.000 Euro in der Wohnung deponiert hatte, die Grund für den mutmaßlichen Doppelmord gewesen sein sollen. Seit dem Sommer besuchte der schwerbehinderte Junge die Margot-Barnard-Realschule. „Er war trotz seines schweren Schicksals ein fröhlicher Junge“, sagte Schulleiterin Ingrid Schnickers-Both, die im November vergangenen Jahres das Aufnahmegespräch mit ihm geführt hatte. Sein Tod und der der Mutter habe in der Schulgemeinschaft „eine enorme Krise“ ausgelöst. „Wir sind alle tief getroffen und schockiert.“

Neben den Lehrern stünden Notfallseelsorger den Schülern für Gespräche zur Verfügung. Der schulpsychologische Dienst wurde ebenfalls eingeschaltet. Die Schule habe ein Zimmer zum „Raum der Stille“ umgestaltet, in dem Schüler, aber auch Lehrer unter Obhut trauern könnten. Auch über den Gottesdienst hinaus dienten die Lehrer den Schülern als Ansprechpartner, wenn es Fragen gebe, sagte Schnickers-Both.

Dabei soll ein Artikel verlesen werden, den der Junge im März für den General-Anzeiger verfasst hatte, als er Anfang des Jahres noch auf die vierte Klasse der Rochusschule ging. Er schilderte darin sein Leben. Kurz nach der Geburt wurde ihm ein Großteil des Darmes entfernt. Medikamente und Nahrung erhielt er über einen Katheter. Oft wünsche er sich, gesund zu sein, um ins Schwimmbad zu können, schrieb der Junge, der auf eine ständige Begleitperson angewiesen war.

Sein Vater Marc S. sitzt als Tatverdächtiger in U-Haft. Seitdem der 46-Jährige nach einer öffentlichen Fahndung gefasst ist, nennt ihn der GA – den Richtlinien des Presserats entsprechend – nicht mehr mit vollem Namen und macht sein Bild in Zukunft unkenntlich.