Schützen krönen Majestäten

Mit einem Schuss Glück auf den Thron

Duisdorf/Poppelsdorf. Die Duisdorfer und die Poppelsdorfer Schützen haben am Wochenende ihre neuen Majestäten gekrönt. Doch dieses Mal ist die Amtszeit kürzer als sonst.

Er hatte nur einen Streifschuss auf den Rumpf des Königsvogels abgeben wollen – stattdessen schoss Jürgen Rödelsperger ihn damit ab. Seitdem ist er um eine Erkenntnis reicher: „Wer mitschießt, muss auch damit rechnen, dass er König wird.“ Am Samstag wurden der 73-Jährige und seine Frau Marie im Schützenheim im Derletal gekrönt. Sie haben allerdings eine kurze Amtszeit von nur sieben Monaten: Brudermeister Volker Stahl kündigte an, dass die Krönung ab 2019 mit dem Königsschießen zusammenfällt und nicht mehr, wie bisher, am Patronatsfest vorgenommen wird.

Der Grund: Es gebe nach dem Schießen immer wieder Irritationen darüber, wer der Schützenkönig bei den Duisdorfern sei. Dementsprechend tragen auch Petra Vogt – bereits zum vierten Mal seit 2007 Schützenliesel – und Jugendprinz Tim Schmitz ihre Majestäten-Insignien nur bis Juni. Zuvor wurden das Kaiserpaar Dieter und Beate Augustintschitsch sowie ihre Tochter Sandra Althaus als Schützenliesel entmachtet. Der frühere Brudermeister bedankte sich bei den Unterstützern in diesem Amtsjahr und erinnerte an das Highlight, das Bundesfest in Xanten mit mehreren Tausend Schützen aus ganz Deutschland.

Für die Rödelspergers ist es die zweite Amtszeit nach 2015, sie kennen also das Prozedere schon. Der neue König bedauerte, dass das Schützenwesen in Deutschland so wenig Rückhalt bei der Bevölkerung habe und vom Staat sehr restriktiv behandelt werde. Das sei in der Schweiz ganz anders. „Da wird der Schießsport mehr gefördert.“ Dort hat er ein Ferienhaus, in dem er seine Waffensammlung aufbewahrt.

Hier in Deutschland müsse man erst 300 Kilometer fahren, um einen Schießstand für 300-Meter-Zielschießen zu finden. Bei den Eidgenossen habe jedes Dorf so etwas. Denn dort dürfe zwar jeder nach geleistetem Grundwehrdienst seine Waffe behalten, müsse aber jährlich am Schießstand beweisen, dass er damit auch umgehen kann. Und es würden regelmäßig Feldschießen veranstaltet, zu denen jeder kommen könne. Dadurch hätten auch Schützenvereine in der Schweiz einen anderen Status. In Deutschland wäre eine solche Regelung wohl nicht denkbar.

Rainer Gerd Spilles macht in der Schweiz nicht nur Urlaub, sondern er lebt und arbeitet auch dort. Das hielt den gebürtigen Poppelsdorfer aber nicht davon ab, in seiner Heimat beim Bürgerkönigschießen der Sebastianusschützen mitzumachen. Am Samstag wurde er im Pfarrsaal von Sankt Sebastianus zum Bürgerkönig gekrönt. An seiner Seite stehen Schützenliesel Martina Spilles und die Schülerprinzessin Sarah Schönseseiffen.

Ein Königspaar hat die Poppelsdorfer Bruderschaft nicht – zum ersten Mal überhaupt hatte sich dafür niemand gemeldet, was Brudermeister Dieter Spilles sehr bedauert.

Immerhin stelle man das Bezirkskönigspaar, und das immerhin schon zum dritten Mal in Folge. „Da bin ich schon stolz drauf“, sagte Spilles. Der Bürgerkönig dankte den Gästen, die zum Krönungsball gekommen waren – es kamen mehr als eigentlich angemeldet waren. Vor allem freute er sich aber über Besuch von der Mosel: „Wir haben eine Freundschaft mit der Schützenbruderschaft Zell wieder aufleben lassen.“

Einige Zeller begleiteten den Abend, der neben der Krönung eine Tombola und den Auftritt der Poppelsdorfer Schlossmadämchen zu bieten hatte, musikalisch auf der Bühne.