Sonnige Tage

Mit dem warmen Wetter füllen sich Bonns Biergärten

Bonn. Sobald das Thermometer die 20-Grad-Marke knackt, sind kaum noch Plätze in den Bonner Biergärten frei. Doch nicht nur an beiden Rheinufern ist die Außengastronomie belebt, auch in der Alt- und der Innenstadt haben Kneipiers viel zu tun.

Das gute Geschäft kostet: Für jeden Quadratmeter müssen die Gewerbetreibenden eine Gebühr an die Stadt Bonn abdrücken. 28 Stühle samt Tischen stehen auf den Parktaschen an der Kreuzung von Heer- und Dorotheenstraße. „Jetzt, wenn die Kirschblüte blüht, wollen alle draußen sitzen“, sagt Düler Ogloo, Betreiberin des italienischen Restaurants Borsalino. Schon zur Mittagszeit ist der Publikumsverkehr stark, weshalb sie die Öffnungszeit kurzerhand von 18 auf 12 Uhr verschoben hat.

Dafür muss Ogloo aber auch investieren: 81,30 Euro pro Quadratmeter und Jahr kostet die Sondernutzungsgebühr für die Außengastronomie auf öffentlichen Flächen, die sie an die Stadtverwaltung entrichtet. Die Jahrespauschale ist laut Presseamt beliebter bei den Gastronomen als die monatliche Pauschale, die bei 14,50 Euro liegt. Kein Wunder: Wer das ganze Jahr bucht, liegt gerundet bei 6,78 Euro pro Monat. Im Vergleich zu anderen Städten nimmt Bonn einen Platz im Mittelfeld ein: Düsseldorf hat eine Jahrespauschale von 74,20, Leverkusen 99,60 Euro und Wuppertal 116,40 Euro.

In der Altstadt ist es Sabine Schönl zu voll, wenn die Kirschblüte ihre Pracht zeigt. „Vor zehn Jahren war das noch nicht so, aber es gibt auch genug andere schöne Ecken in Bonn.“ Zum Beispiel in der Innenstadt und vor allem rund um den Friedensplatz, wo die Kneipiers fast das ganze Jahr Tische und Stühle rausstellen. Dort ist Zappes Sascha, der das Bönnsch in der gleichnamigen Gaststätte in die Gläser füllt, bei gutem Wetter auch unter der Woche im Dauerstress. Der Ansturm beginne aber nicht mit den ersten Sonnenstrahlen. „Der Bonner braucht zwei Tage, um für die Biergartensaison warm zu werden“, erzählt er. Seit dem vergangenen Wochenende komme die Kundschaft bis in die späten Abendstunden. „Wenn es nicht regnet, geht das hoffentlich den ganzen Sommer so weiter. “

Maritimes Flair am Alten Zoll

Wasser schadet dem Umsatz nicht, sofern es im Rheinbett bleibt. Im Biergarten am Alten Zoll kommt maritimes Flair auf, wenn die Möwen am Ufer ihre Runden fliegen. Bei praller Sonne spendet ein großer Baum Schatten, aktuell sind die Blätter aber noch in den Knospen versteckt. Wer Geld sparen will, kann ein paar Meter weitergehen. „Deswegen sitzen hier auf der Wiese so viele Studenten“, erzählt eine junge Bonnerin. Hier darf man auch mit Erlaubnis der Stadt grillen, sofern man den Rasen nicht beschädigt, niemanden mit Rauch belästigt und keinen Müll hinterlässt.

Abwechslung gibt es auf beiden Seiten des Rheinufers genug. Auf der Beueler Seite hat seit vergangenem Wochenende die Strandbar in Oberkassel geöffnet, die wie jedes Jahr mehrere Tonnen Sand angekarrt hat. Auch die Rheinlust hat zum 30-jährigen Bestehen in einem kleinen Bereich Sand angeschüttet und Liegestühle aufgestellt. Das Bundeshäuschen in Oberkassel hat zwar keinen Strand, dafür kann man aber nirgendwo näher auf einer Terrasse am Rhein sitzen.

Direkt gegenüber strahlt das „Weiße Haus am Rhein“, wie das Rheinhotel Dreesen mit seinem Biergarten auch genannt wird. Seit über 250 Jahren empfängt der Schaumburger Hof in Bad Godesberg seine Gäste. Zu denen zählte unter anderem Denker Friedrich Nietzsche – der sich zu Lebzeiten aber auch über die biertrinkende „gelehrte Jugend“ beschwerte.