Begegnungscafé für Flüchtlinge

Mit Torte auf gute Nachbarschaft

Amani Abu Naser und Bernhard Hoëcker schneiden die Torte an.

Amani Abu Naser und Bernhard Hoëcker schneiden die Torte an.

Bonn. Kabarettist Bernhard Hoëcker kommt zur Eröffnung des Bonner Cafés, einem Begegnungscafé für Flüchtlinge, an der Adenauerallee. Es gibt 36 ehrenamtliche Helfer.

Amani Abu Naser ist in ihrem Element. In kaum fünf Minuten schneidet und schaufelt die junge Frau aus Syrien, die vor 18 Monaten aus Jordanien nach Deutschland kam, bestimmt 100 Stücke Marzipansahnetorte auf frische Teller. Kabarettist Bernhard Hoëcker assistiert dabei hochkonzentriert mit Tellernachschub und Kuchengabeln. Schließlich gibt es Grund zum Feiern: Nach drei Monaten Testbetrieb wird am Dienstagnachmittag das „Begegnungscafé für Geflüchtete“ in der Adenauerallee 127 offiziell eröffnet.

„Wir sind sehr froh, dass wir hier sein dürfen“, sagt Konstanze Nolte. Gemeinsam mit Helfern der evangelischen Luther- und Friedenskirche hat die Koordinatorin für die Flüchtlingshilfe in den katholischen Gemeinden Bonn-Süd an verkehrsgünstiger Stelle einen zentralen Ort der Begegnung und schnellen Hilfe geschaffen.

Die Förderstiftung der Montag-Stiftungen stellte dazu großzügig Räume in ihrem Hofgebäude zur Verfügung. Die Bürgerstiftung Bonn gab 2000 Euro für die Einrichtung. Und Bäcker Zimmermann liefert jeden Dienstag kostenlos frisches Backwerk.

Dienstags ab 16 Uhr

Immer dienstags ab 16 Uhr stehen die Räume seit Ende Oktober Flüchtlingen, aber auch interessierten Nachbarn und hilfsbereiten Bonnern offen. Bernhard Hoëcker ist einer von ihnen. Er sagt: „Es ist furchtbar einfach, montags irgendwelchen Müll zu brüllen. Hilfe zu leisten, verdient viel mehr Respekt.“

Hilfe wird hier reichlich geleistet. 36 ehrenamtliche Helfer vom Schüler bis zum Pensionär engagieren sich im Café. 120 weitere Personen hat Nolte in ihrer Telefonliste. Gemeinsam werden Umzüge gestemmt, Ärzte gesucht, Behördenvordrucke ausgefüllt. „Viele nutzen auch ihr ganz privates Netzwerk, um zu helfen“, berichtet Nolte. Oft kommen die Helfer zuerst nur mit Hilfe von Bildwörterbüchern mit Flüchtlingen ins Gespräch.

Schnell entschieden sich dann viele, einer Familie oder einer Einzelperson beim Neuanfang in Deutschland beizustehen. Die Flüchtlinge selbst greifen wie Amani nicht nur zum Tortenheber. Sie haben zur Eröffnungsfeier Baklava gebacken und helfen sich gegenseitig. Wenn im Frühsommer die Container-Unterkünfte im Reuterpark und am Rheinweg bezogen werden, könnte das Café eine zentrale Anlaufstelle werden.

Auch zur Eröffnung wird nicht nur geredet. Die Gäste aller Couleur versuchen sich gemeinsam an dem Black Fööss-Song „Unsere Stammbaum“, wobei keineswegs vordringlich die Neu-Bonner aus Syrien und Afghanistan Textschwächen aufweisen. Die haben nämlich im Integrationskurs gerade Karnevalslieder geübt. Zum einjährigen Bestehen des Begegnungscafés klappt es mit der Hymne auf die Vielfalt am Rhein dann sicher besser. „Für das ganze Engagement sind wir jedenfalls sehr dankbar“, sagt Amani. Und übrigens: „Wie wäre es mit einem Stück Torte?“