Bonn-Krimi

Mit Mord gibt sie sich nicht zufrieden

Neues Buch Alexa Thiesmeyer: Der Weg von Ückesdorf nach Ippendorf ist ein Ort in Alexa Thiesmeyers neuem Buch...

Neues Buch Alexa Thiesmeyer: Der Weg von Ückesdorf nach Ippendorf ist ein Ort in Alexa Thiesmeyers neuem Buch...

Ückesdorf. Im Krimi der Autorin Alexa Thiesmeyers geht es auch um Meineid und Erpressung. Der Tote liegt in einem Sonnenblumenfeld, das die Ückesdorferin gut kennt.

Es brodelt zwischen Marie und Randolf. Schon seit einiger Zeit herrscht eine gereizte Stimmung unter den Eheleuten. Auch die Abendeinladung eines befreundeten Richters nach Röttgen ändert daran nichts. Auf dem Hinweg vom Wohnhaus am Poppelsdorfer Weiher steuert Marie den Wagen auf einen kleinen Feldweg direkt neben der Landstraße zwischen Lengsdorf und Ückesdorf. Für die Gastgeberin will sie noch schnell ein paar Sonnenblumen schneiden. Prächtige Exemplare wachsen dort in diesem Sommer: Viele sind fast zwei Meter hoch und zaubern ein wenig südfranzösisches Flair in die Landschaft unterhalb des Kreuzbergs.

Auf dem Weg zurück in die Südstadt lenkt Marie ihren Wagen erneut auf den matschigen Pfad. Auch für die eigene Wohnung will sie ein paar Sonnenblumen haben. Während sie im Auto sitzt, bahnt sich Randolf in stockfinsterer Nacht den Weg durchs Feld. Er wird jedoch nie wieder zurückkehren: Blutüberströmt findet Marie ihn schließlich auf dem Acker – erstochen mit einem alten Küchenmesser.

Das Sonnenblumenfeld an der L 261 kennt Alexa Thiesmeyer ganz genau. „Hier bin ich gerne mit unserem Hund unterwegs“, erzählt die Krimiautorin, die in Bonn aufwuchs und heute mit ihrer Familie in Ückesdorf lebt. „Ist das nicht eine herrliche Landschaft?“, fragt sie und blickt sich um. Zwar wachsen jetzt längst keine Blumen mehr. Doch die faszinierende Färbung der Laubbäume am Ippendorfer Hang in Rot-, Braun- oder Rosttönen, die kleine Turmspitze der Kreuzbergkirche über den Wipfeln oder die Pferde auf den Wiesen fügen sich zu einer einzigartigen Landschaft zusammen. „So friedlich, wie es scheint, geht es hier nicht zu“, sagt die Autorin, die bereits drei Bonn-Krimis veröffentlich hat, und lacht.

Mit „Sonnenblumen zum Selberschneiden“ hat sie jetzt zusätzlich eine Neuauflage ihres ersten Buchs auf den Markt gebracht. „Ich habe es nicht nur überarbeitet, sondern die Handlungen spielen jetzt an Schauplätzen, die jeder kennt.“ So werden der Hohlweg unterhalb des Kreuzbergs sowie die Mordkaule zum Schauplätzen unheimlicher Begegnungen, Poppelsdorfer Weiher und Clemens-August-Straße spielen eine Rolle, im „Südbahnhof“ in der Ermekeilstraße werden unangenehme Wahrheiten angesprochen, im Königshof findet eine Rheumatologentagung statt.

Alexa Thiesmeyer gibt sich allerdings nicht nur mit einem Mord zufrieden. Gleichzeitig erzählt sie, wie sich der Neffe von Marie in ein Lügengebilde aus Meineid, falschem Alibi und Erpressung hineinmanövriert. Denn Björn kann seiner Tante nun einmal keinen Wunsch abschlagen – auch wenn er damit die eigene Familie gefährdet. „Es dreht sich um die ganze Problematik, die eine Falschaussage mit sich bringen kann“, erzählt Thiesmeyer, die als Juristin natürlich weiß, dass Meineid kein Kavaliersdelikt ist. Allerdings endet der Fall längst nicht so, wie man erwartet.

Verraten wird natürlich nichts, aber „mit dem Ausgang hat wohl niemand gerechnet“, schmunzelt die Autorin. Mittlerweile hat Thiesmayer, die als freie Journalistin, Dozentin und Bühnenschreiberin arbeitete, ihr fünftes Buch – die vierte Folge ihrer Bonn-Krimis – fertig. 2017 erscheint ihr neuestes Werk, dessen Handlung auf dem Venusberg spielt. Und das nächste Projekt schwirrt bereits in ihrem Kopf. Denn selbst im beschaulichen Rheinbach und in den kleinen Dörfern der Umgebung existiert längst nicht nur eine heile Welt. „Ich wage mich an einen Eifelkrimi“, erzählt sie von ihren Zukunftsplänen.

Übrigens gibt es durchaus eine Gemeinsamkeit zwischen dem ermordeten Randolf und Alexa Thiesmeyer. „Man glaubt es nicht. Aber ich bin mit meinem Auto einmal von der Landstraße abgekommen und genau in dem Sonnenblumenfeld gelandet, in dem der Ermordete gefunden wird.“ Damals hatte sie allerdings mehr Glück als das Opfer. Denn bei ihr gab es nur Sachschaden zu beklagen, passiert ist niemandem etwas.

Aus ihrem Buch „Sonnenblumen zum Selberschneiden“ (CMZ-Verlag, ISBN 978-3-87062-179-7, 362 Seiten, 14,95 Euro) liest Thiesmeyer am Freitag, 2. Dezember, um 19 Uhr in der Röttgener Buchhandlung, Reichstraße 53.