Bonner Scouts

Mit 900 Kilo Gepäck nach Nepal

BONN. Endlich geht's los. Mit 30 Reiserucksäcken und 15 Alukisten voll mit Werkzeug, Medikamenten, Zelten und Isomatten starten 30 Jugendliche aus Bonn am Samstag nach Nepal. Und ich bin dabei.

Bisher habe ich eher mit Abstand über die Gruppe berichtet, nun bin ich Teil der Scouts und packe mit an. Für drei Wochen, bis zum 18. Oktober, helfen wir unter anderem beim Wiederaufbau einer von Erdrutschen im Frühjahr zerstörten Schule und bei der Sanierung eines Krankenhauses.

Mit mehr als 900 Kilo im Gepäck geht es zunächst mit dem Bus nach Frankfurt und von dort über Istanbul mit dem Flieger nach Kathmandu. Von der nepalesischen Hauptstadt bringt uns ein alter amerikanischer Schulbus dann in die Region Chitwan, über die Hauptroute nach Indien. "Wir sind locker über 35 Stunden unterwegs", sagt Jan Olbrich. Der Hauptorganisator und Leiter des Projekts kennt die Strecke und die Strapazen, die mit der Reise verbunden sind. Mit einigen der engagierten Jugendlichen war er schon 2013 in der Region, um in einem Krankenhaus zu helfen.

Diesmal haben sie sich noch mehr vorgenommen und mit mir Verstärkung besorgt. Auf was und wen sich die etwas anderen Pfadfinder da eingelassen haben, wird sich in Nepal noch zeigen. Aber ich bin jedenfalls hoch motiviert, Ziegelsteine zu schleppen und eine zerstörte Grundschule im Dorf Khalikola wiederaufzubauen.

"Du musst aber auch beim Klohäuschen helfen", warnt mich Nico Kriegsmann. Der 22-jährige Student ist nicht nur einer meiner Zeltmitbewohner in unserem Camp in Tandi, sondern auch Baumeister der Latrine, die direkt am Ratnanagar Hospital entstehen soll. Am Krankenhaus selbst wird unter Leitung von Matthias Bauer gestrichen und renoviert. Dass Mättes, wie ihn alle nennen, in Bonn einen Malerbetrieb leitet, wird uns helfen.

"Ich freue mich total auf diese Aufgabe und will mit allen zusammen in drei Wochen ein schönes Ergebnis erreichen", sagt der 30-Jährige. Um alle Vorhaben im von Erdbeben im Frühjahr schwer zerstörten Land zu meistern, braucht es nicht nur Muskelkraft, sondern auch Material. Dabei verzichten die Scouts bewusst darauf, alle nötigen Werkzeuge und Lebensmittel mitzunehmen. Denn viele der Einheimischen leiden als Folge der Katastrophe gerade auch darunter, dass große Hilfsorganisationen alles nach Nepal bringen, auch Reis und andere Produkte, die die Nepali selbst anbauen.

Dennoch kommt zum Privatgepäck einiges, was wir in die rund 150 Kilometer von Kathmandu entfernte Region mitnehmen. Zu jeder Kiste gibt es eine Liste. "Ohne diese Excel-Welt wäre das ein großes Chaos", sagt Olbrich, der vor seinem Laptop steht und jedes Teil, das in der Kiste landet, detailliert und abgewogen in die Tabellen notiert. Darunter sind Medikamente, die unter anderem für das Krankenhaus bestimmt sind, an dem auch die Schweizer Hilfsorganisation Shanti Med Nepal arbeitet. Sie kooperiert seit einigen Jahren mit Scouting Bonn. Mit den Medikamenten soll die Bevölkerung in Dörfern versorgt werden.

Neben einigen Werkzeugen und Malersachen, die an Ort und Stelle nicht vorhanden sind, kommen auch Fußbälle und drei Trikotsätze mit ins Gepäck. Die sind für zwei Fußballspiele bestimmt, die während der drei Wochen stattfinden sollen. Zum einen spielen wir gegen ein Schulteam der weiterführenden Novodaya School, auf deren Gelände in Tandi wir auch unser Zeltlager aufschlagen werden. Hinzu kommt ein Match gegen Schüler der Little Flower School im benachbarten Bharatpur. "Die Nepali sind schon ganz wild auf diese Spiele", berichten einige der Scouts, die schon vor zwei Jahren dabei waren und "wie bei einem Staatsempfang" hofiert wurden. Kathi Axtmann sieht sich schon als Cheerleader an der Außenlinie stehen und mit Pompons jubeln. "Das wird ein Spaß", ist sie sicher. Und der gehört bei einer solchen Reise auch dazu.

Wer zum guten Gelingen des Projekts in Nepal beitragen und spenden möchten: Scouting Bonn e.V., Stichwort: Nepal 2015,  IBAN: DE54 3705 0198 1929 9206 58

Reportage-Blog aus Nepal

GA-Volontär Fabian Vögtle arbeitet bei den Projekten mit. Von seinen Erlebnissen und Eindrücken aus der Region Chitwan schreibt der 28-Jährige einmal die Woche im General-Anzeiger. Ist ausreichend Strom vorhanden, wird er täglich, auch mit Fotos, in einem Blog aus Nepal berichten: www.nepal15.ga-bonn.de