Kommentar zu Leerstand im Bonner Viktoriakarree

Misstrauen gegenüber dem Investor wächst

Von dem Aus für „Blow Up“ ist auch Klaus-Dieter Warnke betroffen, der über dem Lokal wohnt und jetzt ebenfalls ausziehen muss.

Von dem Aus für „Blow Up“ ist auch Klaus-Dieter Warnke betroffen, der über dem Lokal wohnt und jetzt ebenfalls ausziehen muss.

Bonn. Den Mietern war zwar lange genug bekannt, dass sie ausziehen müssen. Was jetzt folgt, sieht nach provokanter Leerstandspolitik aus, meint GA-Redakteurin Lisa Inhoffen.

Die gute Nachricht: Das Gezerre um das Bonner Szenelokal „Blow Up“ hat offensichtlich ein gütliches Ende gefunden. Und wenn es stimmt, dass der Pächter doch noch neue Räume gefunden hat und Bonn diese Lokalität mit Kultcharakter erhalten bleibt, umso besser. Die schlechte Nachricht: Mit dem Auszug des „Blow Up“ schreitet der Leerstand im Viktoriakarree weiter voran. Das Viertel zwischen Rathaus und Universität verkommt leider immer mehr zu einem Schandfleck. Das kann eigentlich auch nicht im Sinne eines Unternehmens wie Signa sein.

Damit keine Zweifel aufkommen: Als Eigentümerin hat die Signa-Holding selbstverständlich das Recht, befristete Mietverträge in ihren Gebäuden nicht weiter zu verlängern. Und den betroffenen Mietern war auch lange im Voraus bekannt, wann sie ausziehen mussten. Somit hätte sich auch der „Blow Up“-Pächter eigentlich schon längst um eine neue Bleibe kümmern können – so wie es die anderen Mieter ja auch getan haben.

Obgleich man sich schon fragt, warum das Unternehmen den bisherigen Geschäftsinhabern nicht wenigstens so lange den Verbleib ermöglicht hat, bis die Bürgerwerkstatt getagt hat und klar ist, wohin die Reise im Viktoriakarre gehen wird. Und das wird nicht vor Mitte, eher sogar Ende nächstens Jahres der Fall sein.

Vor diesem Hintergrund ist der Vorwurf der provokanten Leerstandspolitik nicht von der Hand zu weisen. Das ohnehin schon große Misstrauen vieler gegenüber der Holding, die auf ihrer Internetseite von „hohen unternehmensinternen Rechts-, Verhaltens- und Ethikstandards“ spricht und in der Bürgerwerkstatt als Besitzerin eines Gros der Gebäude in dem Karree sicherlich eine gewichtiges Wort mitzureden hat, wird dadurch nur noch größer. Man darf gespannt sein, ob, wann und wie Signa-Vorstand Christoph Stadlhuber sein Versprechen wahr macht, die leerstehenden Geschäftsräume schnell wieder mit Leben füllen zu wollen.