Ratssitzung in Bonn

Misstöne um Dirk Kaftans Künstlerbudget

Das Bonner Beethoven Orchester und seine Finanzierung sind immer wieder Thema im Stadtrat.

Das Bonner Beethoven Orchester und seine Finanzierung sind immer wieder Thema im Stadtrat.

26.02.2016 Bonn. Mit der Auswahl Dirk Kaftans als neuen Generalmusikdirektor (GMD) ab 2017 sind alle Ratsmitglieder zufrieden. Trotzdem gab es noch kurz vor der Ratsitzung am Donnerstagabend, als die Verwaltung einmütig den Auftrag zum Vertragsabschluss mit Kaftan erhielt, einige Dissonanzen.

Es geht wieder mal ums Geld. Und um die unterschiedlichen Interessenlagen der Kultur- und der Finanzpolitiker.

Letzteren ist insbesondere das künstlerische Budget des GMD in Höhe von 800.000 ein Dorn im Auge. Es sollte – wie so viele andere Sachkosten der Verwaltung – in der mittelfristigen Finanzplanung drastisch gekürzt werden. Doch daraus wird nichts, denn laut Ratsbeschluss ist dieses Budget nun fester Bestandteil der Vertragsverhandlung, die Kulturdezernent Martin Schumacher mit Kaftan zum Abschluss bringen soll.

Die Kulturpolitiker hatten sich durchgesetzt. Ihr Zugeständnis an die Haushälter: Schumacher soll das vorgesehene Einsparvolumen an anderer Stelle in seinem Haushalt erzielen. „Das wird schwierig“, sagte er auf GA-Nachfrage. Denn immerhin geht es um bis zu 350.000 Euro, um die das derzeitige künstlerische Budget in Höhe von 800.000 Euro in den kommenden Jahren nach und nach gekürzt werden sollte.

Aus dem Topf finanziert der GMD unter anderem Ersatz für erkrankte Musiker, zusätzlich benötigte Chöre, CD-Aufnahmen und vieles mehr. Nach Auffassung von Schumacher sind die 800.000 Euro ohnehin nur knapp bemessen. Er verwies darauf, dass der amtierende GMD Stephan Blunier zunächst ein Budget von mehr als einer Million hatte. Das sei inzwischen auf 890.000 Euro abgesenkt worden.

„Wer das Beethoven Orchester als Kulturbotschafter der Beethovenstadt in diesem Zuschnitt will, darf das Budget nicht weiter kürzen“, warnte er. Abgesehen davon werde beim Orchester auch ordentlich gespart: So seien die Reduzierung von 106 auf 100 Stellen und ein niedrigeres Gehalt für den GMD in spe ebenfalls Eckpunkte des neuen Vertrags.

Laut nichtöffentlicher Beschlussvorlage sieht der Vertragsentwurf für Kaftan ein Grundgehalt von 150.000 Euro Brutto bei mindestens 40 Dirigaten im Jahr vor. Zum Vergleich: Blunier verdient deutlich mehr, bei einer Verpflichtung von 20 Dirigaten.

Alle müssten ihren Sparbeitrag leisten

Zu den Kritikern dieses Vertragsentwurfs gehört Finanzausschussvorsitzender Werner Hümmrich (FDP). Dennoch stimmte auch seine Fraktion als Partner der Jamaika-Koalition der Vorlage zu. „Ich bin schließlich auch Kulturfreund und davon überzeugt, dass Herr Kaftan ein guter Mann ist“, sagte er. Um ihn gehe es bei dem Streit auch nicht.

„Bei der geplanten Kürzung des künstlerischen Budgets handelt es sich nicht, wie einige Kulturleute meinen, um ein Versehen. Wir haben uns damals die Posten sehr genau angesehen und sind überzeugt, dass man auch an dieser Stelle noch einiges einsparen kann“, betonte er. Schließlich müssten alle bei der angespannten Haushaltslage ihren Sparbeitrag leisten. Anderes sei den Bürgern nicht zu vermitteln.

Daher hätte Hümmrich die 800.000 Euro gerne unter Haushaltsvorbehalt gestellt. Ins gleiche Horn stößt Johannes Schott vom Bürger Bund. Wie Jürgen Repschläger (Linke) ärgert er sich, dass Schumacher mit Kaftan den Vertrag abschließen darf, ohne vorherige Rückkoppelung mit dem Rat. „Wir diskutieren über Büchereischließungen und das Aus für das Deutsche Museum, und hier wird ein Freibrief ausgestellt.“

Kaftan äußert sich nicht

Für SPD-Fraktionschefin Bärbel Richter rächt sich, dass Jamaika- mit der „Rasenmähermethode“ sparen wolle. Sie fordert im konkreten Fall eine genaue Auflistung über die Ausgaben des GMD. „Wir wollen aber auch wissen, welche Einnahmen erzielt werden, etwa durch CD-Aufnahmen.“

Georg Fenninger (CDU) und Tim Achtermeyer (Grüne) geben sich eher gelassen. Die Sachkosten-Konten der Verwaltung seien pauschal gekürzt worden, „dabei ist auch der Titel des Generalmusikdirektors hineingeraten“, erklärte Fenninger. Er und Achtermeyer gehen davon aus, dass Schumacher den Sparbeitrag an anderer Stelle decken wird.

„Es betrifft ja auch erst den kommenden Doppelhaushalt“, sagte Achtermeyer. Kaftan selbst will sich mit Verweis auf die laufenden Vertragsverhandlungen nicht äußern. (Lisa Inhoffen)