Landgericht Bonn

Missglückter Einbruch führt Mann auf Anklagebank

In 80 Prozent der Fälle gelingen Einbrüche laut Polizei durch das Aufhebeln der Fenster.

Symbolfoto.

Bonn. Sechsmal ist ein Obdachloser in Wohnungen eingebrochen. DNA-Spuren wurden ihm zum Verhängnis. Jetzt muss der 36-jährige Mann sich vor dem Landgericht Bonn verantworten.

Das hatte er sich wohl etwas anders vorgestellt: Während ein Einbrecher versuchte, die Wohnungstür einer Erdgeschosswohnung in der Mackestraße zu öffnen, machte ihm der Bewohner höchstpersönlich auf. Kurz standen sich der verhinderte Dieb und der verdutzte Wohnungsinhaber Auge in Auge gegenüber. Als der Bewohner mit der Polizei drohte, flüchtete der ungebetene Gast durch den Garten und über eine Mauer. In der Hektik soll er sogar sein „Fluchtfahrzeug“ vor dem Haus zurückgelassen haben: Er hatte sein Fahrrad nämlich extra so geparkt, dass er den in einer Sackgasse gelegenen Tatort damit schnell hätte verlassen können.

Fünf vorausgegangene Einbrüche waren wohl von größerem Erfolg gekrönt, dennoch muss sich der 36-jährige Bonner ohne festen Wohnsitz demnächst wieder einmal vor dem Bonner Landgericht verantworten. Die Anklage lautet auf Wohnungseinbruchdiebstahl. Bei seinen erfolgreicheren Diebeszügen soll der einschlägig und erheblich vorbestrafte Täter in mindestens drei Fällen auf Kipp stehende Fenster zum Einbruch genutzt haben.

Am zweiten Einbruchsort, einem Einfamilienhaus in Poppelsdorf, sollen sogar gleich zwei Fenster auf diese Art offen gestanden haben: Am ersten soll der mutmaßliche Täter zunächst ein Fliegengitter zerschnitten haben, um Zutritt zu erlangen. Weil ihm das zu mühsam erschien, wich er auf das ebenfalls auf Kipp stehende Fenster einer Abstellkammer aus.

Alle Fälle, die dem Mann aktuell zur Last gelegt werden, sollen sich zwischen Juli und September vergangenen Jahres zugetragen haben: Begonnen hat die Serie mit dem Einbruch in eine Souterrainwohnung in Ippendorf. Hier soll der Dieb neben einem Computer mit Zubehör auch einen wertvollen Markenkopfhörer sowie Mode- und Silberschmuck erbeutet haben.

Auch bei den folgenden Einbrüchen in Poppelsdorf, in der Altstadt sowie in Castell und ein weiteres Mal in der Mackestraße soll der Dieb insbesondere bei Apple-Produkten immer wieder gerne zugeschlagen haben. Ein weiterer Laptop der Marke sowie ein iPad und eine Apple-Watch wurden als gestohlen gemeldet. Außerdem soll er von einer Digitalkamera über Laptops und eine Spielkonsole weitere Elektronikprodukte, aber auch Bargeld entwendet haben. Der Gesamtschaden soll sich auf knapp 5000 Euro belaufen.

Zum Verhängnis wurden dem mutmaßlichen Täter schließlich seine vorangegangenen Taten und der missglückte Einbruch in der Mackestraße: Zum einen konnten an den Tatorten sichergestellte DNA-Spuren offenbar dem Mann zugeordnet werden. Und zum anderen konnte der Wohnungsinhaber sich recht gut an den spontanen Besuch erinnern.