Vorwurf gegen frühere Patres in Bad Godesberg

Missbrauchsopfer des Aloisiuskollegs kämpft gegen Verjährung

Ako-Haupteingang an der Elisabethstraße.

Ako-Haupteingang an der Elisabethstraße.

Bad Godesberg. Ein Missbrauchsopfer des Aloisiuskollegs hatte sich, anders als zunächst von der Staatsanwaltschaft vermeldet, doch mehrfach an die Strafverfolgungsbehörden gewandt. Die Generalstaatsanwaltschaft und das Oberlandesgericht verwerfen nun Beschwerden.

Im Fall des Ex-Schülers des Aloisiuskollegs (Ako), der schwere Missbrauchsvorwürfe gegen zwei frühere Patres erhebt, hat die Bonner Staatsanwaltschaft frühere Angaben korrigiert: Der Betroffene habe sich seit November 2016 doch mehrfach an Strafverfolgungsbehörden gewandt, so Behördensprecher Sebastian Buß. Erst erstattete der Mann in seiner Heimatstadt Strafanzeige gegen die Jesuitenpatres, die ihn in den Jahren 1980 bis 1983 gemeinschaftlich missbraucht haben sollen. Einen dritten Pater zeigte er wegen gefährlicher Körperverletzung an.

Der Fall wurde an die Staatsanwaltschaft Bonn abgegeben. Die stellte das Verfahren 2016 wegen Verjährung ein. Dagegen legte der Betroffene Widerspruch ein und erklärte: Für Missbrauch gelten seit 2013 neue Verjährungsfristen bis zu dreißig Jahren. Diese Beschwerde wies im Februar 2017 der Kölner Generalstaatsanwalt als unbegründet ab mit der Begründung: In dem Fall sei die Verjährung schon vor Inkrafttreten der Gesetzesänderung eingetreten.

Anwältin sieht besondere Schwere der Taten

Das aber bestritt die Anwältin des Betroffenen im März per Antrag auf gerichtliche Entscheidung nochmals: Aufgrund der Schwere der Taten müsse die längste Verjährungsfrist von 30 Jahren gelten. Das verwarf Ende März das Oberlandsgericht Köln aus formalen Gründen: Im Antrag fehle die erforderliche Sachverhaltsschilderung. Der Betroffene berichtet dem GA, er habe dem Ako Anfang 2010, als der Missbrauchsskandal ausbrach, die Taten schriftlich mitgeteilt, aber nie eine Antwort erhalten. Ako-Schulleiter Manfred Sie-burg erklärt dazu, man wisse nichts davon, dass dieses Schreiben im Ako angekommen sei. Aber das Kolleg sei tief erschüttert über die sich in den Vorwürfen abzeichnende neue Dimension der Vergehen.

Betroffener fühlt sich stigmatisiert

„Ein Opfer hat nicht den Drang, nochmals seine Täter aufzusuchen“, erklärt der Betroffene selbst. Er sei nach 2010 erst einmal nur froh gewesen, „dass ich das alles überlebt habe“. Doch er leide weiter unter den Folgen des Missbrauchs. „Ich kann oft nicht mehr klar denken, geschweige denn vernünftig laufen, habe Panikattacken, Blackouts, Schweißausbrüche, Albträume und Magenprobleme. In allen Situationen des Lebens habe ich Probleme, Beziehungen mit anderen Menschen einzugehen.“ Und er fühle sich stigmatisiert. Seit Ende 2016 kämpft der Mann um Anerkennung als Opfer. Wegen des aktuellen Falls eines möglichen sexuellen Übergriffs durch einen Ako-Lehrer habe er sich entschieden, auch an die Öffentlichkeit zu gehen: „Das muss am Ako endlich mal aufhören.“

Einer der beiden Patres, die den Betroffenen damals nackt fotografiert, gemeinschaftlich bis zur Ohnmacht gewürgt und inklusive Penetration vergewaltigt haben sollen, ist der 2010 verstorbene Internats- und Schulleiter Pater Ludger Stüper, dem bislang Taten zur Last gelegt wurden, die er allein begangen haben soll. Der 2007 verstorbene zweite Jesuit war von 1952 bis 1955 Präfekt und von 1969 bis 1995 Lehrer am Ako. In der Zeit dazwischen soll er sich dem Zinsmeister-Aufklärungsbericht von 2011 zufolge „sexueller Übergriffe“ am Jesuitenkolleg Büren schuldig gemacht haben. Für seine Jahre am Ako verzeichnet der Bericht strafbare Körperverletzungen.

Ab 1995 war der Pater Bundeskaplan einer großen katholischen Jugendorganisation. Der dritte Pater, dem gefährliche Körperverletzung vorgeworfen wird, lebt heute hochbetagt in einem Heim in Köln.