Mitgliederversammlung Mieterbund sorgt sich um den Wohnungsbau in Bonn

Bonn/Region. Die Frage, wie für genügend und vor allem bezahlbare Wohnungen in Bonn gesorgt werden kann, beschäftigt den Deutschen Mieterbund angesichts steigender Einwohnerzahlen in der Bundesstadt.

Die Sorge um ausreichende und bezahlbare Wohnungen angesichts steigender Einwohnerzahlen in Bonn, der bevorstehende 100. Geburtstag und Vorstandswahlen standen bei der Mitgliederversammlung des Deutschen Mieterbundes (DMB) Bonn/Rhein-Sieg/Ahr auf der Tagesordnung. Der Verein hat derzeit circa 22.000 Haushalte als Mitglieder, teilte Vorsitzender Bernhard von Grünberg mit. Die Mitgliederzahl sei konstant. Die finanzielle Lage des Vereins bezeichnete er als gut. Die Einführung von anspruchsvollen Computersystemen habe zwar viel Geld gekostet, sie habe jedoch auch die Wartezeit beim Beratungsangebot drastisch verbessert. Außerdem sei geplant, neben der reinen Telefonberatung künftig auch Skype-Beratung anzubieten, kündigte von Grünberg an.

Ein heißes Thema ist derzeit der Bonner Mietspiegel. Wurde er bisher einvernehmlich mit der Stadt Bonn und der Eigentümergemeinschaft Haus&Grund alle zwei Jahre fortgeschrieben, so hat sich Haus&Grund von der jüngsten Fortschreibung des Mietspiegels, der am 7. Juni vom Rat beschlossen werden soll, distanziert (der GA berichtete). Der Mietspiegel sei fehlerhaft, hatte sich die Eigentümergemeinschaft von einem Gutachter attestieren lassen.

Von Grünberg hatte dagegengehalten und auf einen eigenen Gutachter verwiesen, der den Mietspiegel als korrekt bezeichnet habe. Das wiederum hat Haus&Grund auf den Plan gerufen. In einer Pressemitteilung erklärt Haus &Grund nun: Es gebe nach Aussage von von Grünberg selbst kein schriftliches Gutachten, weil der Mieterbund die Kosten eines solchen Gutachtens gescheut habe. Insofern gebe es bestenfalls eine mündliche Stellungnahme. „Diese ist uns allerdings inhaltlich völlig unbekannt, so dass wir hierzu bisher auch keine Stellung nehmen konnten“, so Haus&Grund.

Bevölkerungszahl wird bis 2030 um 15 Prozent wachsen

Auf GA-Nachfrage erklärte von Grünberg: „Das ist eine Unverschämtheit. Unser Gutachter hat sich intensiv gegenüber uns und der Stadt Bonn mündlich zum Mietspiegel geäußert und ihn für korrekt erklärt.“ Weil Haus &Grund sich darauf nicht eingelassen habe, habe man aus Kostengründen auf die Verschriftung der Stellungnahme verzichtet. Haus &Grund dazu: „Sobald auch der Mieterbund endlich ein echtes, schriftliches Gutachten vorlegt, werden wir dieses selbstverständlich prüfen und dann auch ausführlich dazu Stellung nehmen. Insofern geht der Vorwurf von Herrn von Grünberg weit an der Sache vorbei.“

Unabhängig von dieser Auseinandersetzung versucht der Mieterbund einen Mietspiegel für den gesamten Rhein-Sieg-Kreis durchzusetzen – bisher ohne Erfolg. Von Grünberg: „Was in Berlin für 3,5 Millionen Bewohner klappt, sollte doch für Bonn zusammen mit dem Rhein-Sieg-Kreis möglich sein.“

Große Sorge bereitet dem Mieterbund die Entwicklung des Wohnungsmarktes. Bis 2030, so von Grünberg in seinem Bericht, wird die Bevölkerungszahl in Bonn um 15 Prozent wachsen, was 45.000 mehr Menschen oder 22.500 zusätzliche Wohnungen bedeute. Und dabei seien Zuzüge aus dem Ausland oder Umland noch nicht mit eingerechnet. „Im nächsten Jahr wird der Mieterbund 100 Jahre. Unser Ziel ist, die Wohnungspolitik stärker in die Öffentlichkeit zu bringen“, sagte von Grünberg und deutet Überlegungen an, mit der Stadt eine Wohnungsbaugenossenschaft zu gründen.

Bei den obligatorischen Vorstandswahlen wurden von Grünberg im Amt als erster Vorsitzender und Peter Kox als Vize bestätigt. Michael Schleicher übernahm den zweiten Posten des stellvertretenden Vorsitzenden von Harald Eichner. Außerdem gehören dem Vorstand an: Günter Damm, Katja Dörner, Harald Eichner, Michael Faber, Petra Grebing und Angelika Wahrheit.

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