Zentralkomitee der deutschen Katholiken

Mehr als nur Veranstalter der Katholikentage

Stefan Vesper steht in der zum ZdK gehörenden Kapelle, die er und seine Mitarbeiter als Kraftquelle betrachten.

Stefan Vesper steht in der zum ZdK gehörenden Kapelle, die er und seine Mitarbeiter als Kraftquelle betrachten.

BAD Godesberg. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) vertritt die Interessen der in der Kirche aktiven Laien. Es hat seinen Sitz in einer Villa in Friesdorf.

Der Blick aus Stefan Vespers Bürofenster reicht hinüber bis zur Godesburg auf der einen Seite und zur Silhouette des Siebengebirges auf der anderen. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hat seinen Sitz in einer alten Fabrikantenvilla am Hang des Venusbergs in Friesdorf, und die moderne Malerei hinter dem Schreibtisch des nach dem Präsidenten Thomas Sternberg obersten Vertreters der deutschen katholischen Laien kontrastiert auf interessante Weise mit der an die deutsche Romantik erinnernden Kulisse.

Irgendwie versinnbildlicht Vespers Dienstsitz die Spannungen, der die katholische Kirche ausgesetzt ist. „Es ist Bewegung in der Kirche“, sagt der Generalsekretär des ZdK. Es gebe wieder eine stärkere Verbindung zwischen Kirchenleitung und der Lebenspraxis vieler Katholiken, findet der promovierte Religionspädagoge. Vesper ist seit September 1999 Generalsekretär des ZdK. Zuvor leitete der 60-jährige Vater zweier Töchter die Internationale Arbeitsstelle für Erwachsenenbildung (IAE) in Brüssel.

Was sind die Hauptaufgaben des ZdK?

„Oft werden wir ‚nur’ als Veranstalter der Katholikentage wahrgenommen“, sagt Vesper. „Dabei sind unsere Aufgaben natürlich um Einiges vielfältiger. Als höchster Zusammenschluss der in der katholischen Kirche aktiven Laien wirken wir an der gesellschaftlichen und politischen Meinungsbildung in der Bundesrepublik mit.“

Man begreife sich als Mitgestalter des kirchlichen Lebens und Stimme der Laien: „Ich sehe unsere wichtigste Aufgabe darin, auch in der Gesellschaft und Politik die Stimme der katholischen Laien zu sein und unsere Ansichten öffentlich zu vertreten“, so Vesper weiter. Gemeinsam mit den katholischen Verbänden, Organisationen und den diözesanen Räten verstehe sich das Zentralkomitee als eine starke Säule des politischen Katholizismus.

Die Themenfelder seien dabei so vielfältig, wie die Kirche und die Gesellschaft sind, reichten von der Rente bis zum Frieden und Familie, von Bildungs- und Kulturfragen bis zur Flüchtlingsproblematik. Dabei ist das Komitee weltweit einzigartig: „Eine ähnliche Organisation werden sie in keinem anderen Land finden“, so Vesper: „Die Organisationstruktur fußt auf drei Säulen. Die erste bilden die Vertreter der katholischen Verbände, die zweite jeweils drei Personen aus jeder Diözese, die die Regionen vertreten und die dritte besteht aus Einzelpersönlichkeiten wie herausragenden Politikern oder Wissenschaftlern.“

 

Warum und für wen ist diese Arbeit wichtig?

„Unser Staat lebt von der aktiven Beteiligung seiner Bürgerinnen und Bürger. Das ZdK vertritt hier das Engagement der katholischen Christen, die die Welt aus ihrem Glauben heraus mitzugestalten wollen“, skizziert Vesper die Bedeutung der Arbeit der katholischen Laien.

„Das Zentralkomitee ist aber auch der Ort, an dem sich Katholiken ihre Meinung zu Fragen der kirchlichen Entwicklung bilden und sie gemeinsam vertreten. So setzen wir uns zum Beispiel für den Diakonat der Frau und für wiederverheiratete Geschiedene ein.“ Die innerkirchlichen Themen dienten aber immer auch dem Einsatz für die Gesellschaft.

Die Bandbreite reicht dabei von der Inklusion bis zum Prostitutionsgesetz. „Erst im letzten Jahr haben wir eine Erklärung gegen die organisierte Suizidbeihilfe abgegeben“, so der Generalsekretär. Daneben sieht sich das Komitee als Sprachrohr der innerkirchlich Engagierten – vom Pfarrgemeinderat bis zum Diözesanrat.

Wo liegt der Schwerpunkt der Arbeit im Moment?

„Nach dem erfolgreichen 100. Katholikentag in Leipzig haben schon wieder die Vorbereitungen zum 101. Katholikentag in Münster 2018 begonnen“, erläutert Vesper und stellt fest, dass die Planung und Durchführung dieser Katholikentage eben doch selbstverständlich ein ganz wichtiger Teil der Arbeit seiner Organisation seien. Im Herbst werde sich das ZdK dann mit der gesetzlichen Neugestaltung der Altersversorgung, insbesondere der Rente befassen. „Außerdem bereiten wir im Jahr des Reformationsjubiläums ein großes ökumenisches Fest in Bochum vor.

Wer finanziert die Arbeit?

Das ZdK finanziert sich aus den Beiträgen der Mitgliedsorganisationen und Zuschüssen der Deutschen Bischofskonferenz.

Warum ist das ZdK in Bonn?

Das Generalsekretariat hat seinen Sitz seit den 1950er Jahren in Friesdorf. „Wichtig war und ist die Nähe zu den Zentralen der katholischen Institutionen und Verbände wie zum Beispiel der Bischofskonferenz, die sich besonders im Westen und Süden der Bundesrepublik befinden, und die Nähe zum politischen Betrieb, der nach wie vor einen Schwerpunkt in Bonn hat“, so Vesper. Eines Tages würde er zudem gerne einen Katholikentag nach Bonn holen.