Test bei Pützchens Markt

Mehr Sicherheit auf Großveranstaltung dank Kameraballon

Vorstellung des Forschungsprojekts Monica auf Püma

Vorstellung des Forschungsprojekts Monica auf Püma

Bonn. Forscher testen auf Pützchen den Einsatz von Kamera-Technologien für Großveranstaltungen. Aus dem Probelauf könnte eine Dauereinrichtung werden. Bei einem Vorfall konnte das Gerät schon helfen.

Pützchens Markt im Jahr 2022: Dichtes Gedränge vor einem Biergarten, Panik bricht aus. Mithilfe von „Monica“ weiß die Einsatzleitung in der Sonderwache, wo sich welche Sicherheitskräfte auf dem Kirmesgelände befinden und wohin die Menschen am schnellsten in Sicherheit gebracht werden können.

Dieses Szenario könnte sich tatsächlich so abspielen, sollten Polizei und Stadt Bonn künftig auf „Monica“ zurückgreifen können. Noch befindet sich das europäische Forschungsprogramm in der Erprobungsphase. Voraussichtlich 2019 endet der Probelauf. Danach muss die Europäische Union (EU) über eine eventuelle Vermarktung und einen Verkaufspreis entscheiden.

Und was verbirgt sich hinter „Monica“? Wissenschaftler entwickeln im Rahmen des Forschungsprogramms technische Lösungen für mehr Sicherheit bei Großveranstaltungen. So wollen die Forscher des Projektkonsortiums unter Leitung des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik FIT in Sankt Augustin die Großkirmes unter anderem dazu nutzen, die Personendichtenmessungen per Kamera weiter zu verbessern.

Bei Messungen auf der Markt- und der Friedensstraße werden Algorithmen eingesetzt, die die auf den Kamerabildern dargestellten Menschen zählen. Und wie bewährt sich „Monica“? Malik Dine von der Stadt Bonn: „Bei einem Vorfall am Samstag konnten wir den Sicherheitskräften mit unserer Technik helfen.“

15 Millionen Euro Förderung

Auch die Ergebnisse des ersten Praxistests der Technologie bei Rhein in Flammen im Frühjahr fließen in die Entwicklung ein.

Zusätzlich ist am Kirmesmontag über dem Marktgelände ein mit einer Kamera ausgestatteter Heliumballon zum Einsatz gekommen, der Daten aus der Vogelperspektive liefern soll. Außerdem im Fokus: eine technische Lösung zur Koordinierung der Einsatzkräfte von Stadtordnungsdienst, Feuerwehr, Sicherheits- oder Sanitätsdiensten. Ziel ist es, sie schneller zu Not- oder Streitfällen zu lenken. Für „Monica“ werden einige von ihnen mit GPS auf dem Gelände geortet. Mithilfe einer digitalen Lagekarte der Veranstaltung, die die jeweiligen Aufenthaltsorte anzeigt, kann dann gezielt der Mitarbeiter, der ihm am nächsten ist, zum Einsatzort geschickt werden.

Grundsätzlich gilt: Alle bei „Monica“ ermittelten Daten werden unter Beachtung des geltenden Datenschutzrechts in NRW wissenschaftlich erhoben, ausgewertet und aufbereitet.

An dem Forschungsprojekt unter der Leitung des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik FIT in Sankt Augustin sind insgesamt 29 europäische Partner beteiligt, darunter die sechs Städte Bonn, Kopenhagen, Hamburg, Leeds, Turin und Lyon. Das 2017 gestartete Projekt erprobt und entwickelt speziell an die Anforderungen ausgewählter Großveranstaltungen in den teilnehmenden Städten angepasste Lärmminderungstechnik, Sicherheits- und Servicesysteme. „Monica“ wird von der Europäischen Kommission mit rund 15 Millionen Euro gefördert. Die Stadt Bonn erhält bis zu 450.000 Euro an Fördermitteln.

Stephanie Clemens-Krämer vom Ordnungsamt der Stadt Bonn erklärte am Montag, dass die Sicherheitsstandards auf der Kirmes schon sehr hoch seien. Man aber prüfen wolle, ob „Monica“ im praktischen Einsatz diese Standards noch verbessern kann. „Wir werden das bis 2019 verfeinerte Computerprogramm auch beim nächsten Pützchens Markt einsetzen. Dann endet der Testlauf“, so Malik Dine.

Weitere Informationen zu „Monica“ unter monica-project.eu