Verein MediNetzBonn

Medizinische Versorgung für Flüchtlinge in Bonn

Helfer in der Not: Sigrid Becker-Wirth und Axel Gerschlauer vor dem Oscar-Romero-Haus.

Helfer in der Not: Sigrid Becker-Wirth und Axel Gerschlauer vor dem Oscar-Romero-Haus.

BONN. Der Verein MediNetzBonn kümmert sich um die Versorgung von Geflüchteten und Menschen ohne Papiere. Unterstützt wird er dabei vom Verein der Bonner Kinder- und Jugendärzte.

Schock für eine schwangere Syrerin: Obwohl ihr Mann in Bonn lebt, wird sie einem Flüchtlingslager in Niedersachsen zugewiesen. Nur dort soll sie die erforderlichen medizinischen Vorsorgeuntersuchungen erhalten. Doch der Verein MediNetzBonn weiß Rat und vermittelt die Frau an eine Gynäkologin in Bonn. Gleichzeitig bemüht sich eine Anwältin darum, dass die Schwangere in die Bundesstadt zu ihrem Mann umziehen kann. Dies ist nur ein Fall aus der Arbeit der Medizinischen Beratungs- und Vermittlungsstelle für Flüchtlinge im Oscar-Romero-Haus. Sie kümmert sich um Menschen ohne Papiere, die in Deutschland kein Recht auf medizinische Versorgung haben. Fünf bis zehn Geflüchtete kommen jeden Montag zwischen 17.30 und 19 Uhr in die Sprechstunde. Im vergangenen Jahr baten insgesamt 363 Flüchtlinge um Hilfe.

Die ehrenamtlichen Berater von MediNetzBonn vermitteln die Patienten mit Hilfe eines Überweisungsscheins an einen kooperierenden Arzt oder Heilberufler. „Die Ärzte arbeiten unentgeltlich“, erläutert Vorsitzende Sigrid Becker-Wirth vom Vorstand. „Der Verein bezahlt die Medikamente, Laborkosten oder Impfstoffe, Krankenhausaufenthalte und Geburten.“

Mittlerweile arbeiten gut 70 ärztliche Praxen mit mehr als 80 Ärzten ehrenamtlich mit MediNetzBonn zusammen – darunter auch acht Kinderärzte. Der Verein der Bonner Kinder- und Jugendärzte Bonn unterstützt die medizinische Versorgung der kleinen Patienten ohne Papiere, zum Beispiel durch Schutzimpfungen oder bei Erkrankung. Der Vorsitzende des Bonner Vereins der Kinder- und Jugendärzte, Axel Gerschlauer, meint: „Wir sehen, wie pragmatisch, unkompliziert und schnell sich MediNetz um die Kinderversorgung kümmert.“

Nicht nur Ärzte im Einsatz

Deshalb unterstützt der Verein die Arbeit der medizinischen Beratungsstelle nicht nur durch ehrenamtliche praktische Arbeit, sondern auch finanziell mit einer Spende über 1500 Euro. Kinderarzt Gerschlauer meint, dass jeder Arzt sich ohne großen Aufwand für die Versorgung von Flüchtlingen ohne Papiere einsetzen könnte: „Das ist nur ein Bruchteil unserer Arbeit und fällt gar nicht ins Gewicht. Das kann jede Praxis problemlos leisten.“ Denn MediNetz sitzt als Aussteller des Überweisungsscheins als eine Art Puffer zwischen Patient und Arzt und achtet darauf, dass die einzelnen Praxen nicht überlastet werden.

Zum Netzwerk von MediNetz gehören neben den Ärzten mittlerweile auch psychologische Therapeuten, Hebammen, Logopäden, Physiotherapeuten, Anwälte, Dolmetscher und Seelsorger. Fünf Bonner Krankenhäuser, zwei Sanitätshäuser und fünf Laboratorien helfen ebenfalls. Sigrid Becker-Wirth ist froh, dass so viele Ärzte und Heilberufler in Bonn ihre Arbeitszeit unentgeltlich zur Verfügung stellen.

Es könnten aber mehr sein: „Zurzeit suchen wir dringend noch einen weiteren Orthopäden und einen Gastroenterologen aus Bonn“, sagt Sigrid Becker-Wirth. „Außerdem freuen wir uns als unabhängiger Verein natürlich über jede Spende.“ Allein die Kosten für die Regelimpfungen für ein Kind zwischen dem Alter von sechs Wochen bis zum Schuleintritt betragen rund 1 000 Euro. Gut angelegtes Geld, wie Becker-Wirth findet: „Wir setzen uns dafür ein, dass alle Kinder geimpft werden und die medizinischen Vorsorgeuntersuchungen bekommen.“

Kontakt zu MediNetzBonn: Die Medizinische Beratungs- und Vermittlungsstelle für Flüchtlinge ist im Oscar-Romero-Haus, Heerstraße 205, untergebracht. Sprechstunde montags von 17.30 bis 19 Uhr: 02 28/69 52 66, E-Mail: medinetz@ila-bonn.de www.medinetzbonn.de .