Bürgerinitiative und Grüne protestierten Meßdorfer Feld wird nicht angetastet

Landwirtschaftlich genutzt ist das Feld, und im Hintergrund ist schon die Bebauung am Hermann-Wandersleb-Ring erkennbar.

Endenich/Duisdorf. Der Planungsausschuss beschließt nach Gutachten und Bürgerprotesten: Industrie und Gewerbe auf der Freifläche sind keine Option. Klimaanalyse zeigt, dass das Areal eine ausgleichende Wirkung fürs Stadtklima hat.

Hoch waren die Wellen geschlagen, als ein Gutachten im Auftrag der städtischen Wirtschaftsförderung im vorigen Jahr zum Ergebnis kam: Eine Fläche von 15 Hektar auf dem Meßdorfer Feld am Hermann-Wandersleb-Ring könne noch bebaut werden. Die Gutachter hatten sich auf die Suche nach Gewerbe- und Industrieflächen in Bonn gemacht, die dringend benötigt werden.

Doch jetzt wurden die Aussagen revidiert. Der Planungsausschuss beschloss in seiner jüngsten Sitzung, dass eine solche Idee nicht in Frage kommt. Insbesondere die Grünen hatten sich vehement dagegen gewehrt.

„Die Recherche macht zwar vor allem das massive Flächenproblem deutlich, dem sich die Stadt bei ihrer weiteren Entwicklung gegenüber sieht“, sagt deren Planungssprecher Hardy Lohmeyer. „Aber die im Gutachten beschriebenen Flächen auf dem Meßdorfer Feld sind heute aus gutem Grund Landschaftsschutzgebiet. Für uns ist es keine Option, diese Flächen umzuwidmen.“ Das würde zu Lasten von Luft- und Lebensqualität – auch für die Innenstadt – gehen und den Zielen einer nachhaltigen kommunalen Entwicklung widersprechen, der sich Bonn verschrieben hat.

Frischluftlieferant für Bonn

Nachdem das Gutachten bekannt wurde, hatten die Alarmglocken bei jenen geklingelt, die das Meßdorfer Feld schützen und erhalten wollen. Es gibt zwar auch einen Ratsbeschluss, das Gelände nicht anzutasten, aber die Bürgerinitiative für die Erhaltung des Meßdorfer Felds war gewarnt. Denn die Verwaltung will eine „politische Befassung mit Potenzialflächen“ vorschlagen, hieß es.

„Diese Information hat die Bürgerinitiative sehr schockiert“, sagte deren Sprecher Rudolf Schmitz seinerzeit. „Von einer industriellen Zone auf dem Meßdorfer Feld war bisher nie die Rede.“ Die genannte Fläche von 15 Hektar sei sogar ein Drittel mehr als das gesamte Gebiet „Am Bruch“ – also der erste und der geplante zweite Bauabschnitt der Grünen Mitte zusammen genommen. Schmitz' Meinung steht deshalb fest: „Eine solche gewerbliche Nutzung wäre für das Meßdorfer Feld eine Katastrophe, von der ansteigenden Lärm- und Verkehrsbelastung ganz zu schweigen.“ Überhaupt sei es sehr befremdlich gewesen, dass die Bürger nur über die Presse von solchen gravierenden Entwicklungen erfahren hatten.

Wie wertvoll das Feld für Freizeit und Klima ist, wissen nicht nur die vielen Spaziergänger dort. In einer neuen Klimaanalyse, die von der Stadt im Juni vorgestellt worden war, zeigte sich, dass das Meßdorfer Feld eine ausgleichende Wirkung im Stadtklima hat und als Frischluftlieferant auch für die umliegenden Stadtteile wichtig ist.

Vermeidung von Hitzestress

Wie die Stadt Bonn mitteilte, soll die Klimaanalyse künftig als Planungsgrundlage zur Vermeidung von Hitzestress dienen. Sie ist Teil des Forschungsprojekts Zures, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird und Grundlagen erarbeiten soll, wie Städte und Gemeinden sich auf den fortschreitenden globalen Klimawandel einstellen können.

Die Ergebnisse dieser Klimaanalyse werden für Bonn in zwei Karten dargestellt – einer Klimaanalysekarte für den Tag und einer für die Nacht. Die Auflösung von zehn mal zehn Metern sei für eine gesamtstädtische Analyse außergewöhnlich hoch, teilte die Stadt mit. Die Klimaanalyse bezieht sich auf eine windstille, sommerliche Hochdruckwetterlage.

Besonders die seitlichen Täler des Kottenforstes seien wichtige Kaltluftlieferanten für die Stadt. In den dicht bebauten und versiegelten Bereichen in der Bonner Innenstadt und den Stadtbezirkszentren von Beuel und Bad Godesberg sei die Wärmebelastung dagegen am stärksten. Die Randbezirke mit aufgelockerter Bebauung seien hingegen deutlich kühler.

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