Rechenkünste

Mathe-Show an Bonner Gymnasium

Gert Mittring stellt den Schülern und Lehrern Mathematikaufgaben, die es in sich haben.

Gert Mittring stellt den Schülern und Lehrern Mathematikaufgaben, die es in sich haben.

Bonn. Rechenweltmeister Gert Mittring begeistert zum Abschluss von vier Workshops im Ernst-Moritz-Gymnasium. Schüler müssen schwierige Aufgaben lösen.

Gert Mittring blickt kurz auf die Uhr der Turnhalle G des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums. 12.59 Uhr. Zuvor hat Caroline dem elfmaligen Weltmeister im Kopfrechnen das Datum ihres letzten Geburtstags genannt: 25. April 2018. „Als nachträgliches Geburtstagsgeschenk sage ich dir jetzt, wie viele Sekunden du schon auf der Welt bist“, kündigt Mittring an. Blitzschnell zaubert das Bonner Rechengenie einige wenige Zahlen auf sein Flipchart und schon steht das Ergebnis fest: 347 615 500 Sekunden. Die auf dem Boden der Halle sitzenden Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 5 bis 9 sind verblüfft und applaudieren begeistert.

Die weltmeisterliche Mathe-Show bildet den Abschluss von vier Workshops mit Mittring, die seit dem Ende der Osterferien erstmalig im „Ema“ stattfanden. Eva, eine der Teilnehmerinnen aus der 7c, demonstriert eindrucksvoll die beliebteste Lektion der Workshops – das schnelle Ausrechnen der Wochentage von Geburtsdaten. Leo aus der 6b ist am 23. April 2006 geboren. „Du bist ein Sonntagskind“, verkündet Eva nach etwa einer halben Minute und erklärt danach souverän ihre Rechenschritte.

Weltmeister motiviert den Nachwuchs

Die Workshops mit dem Weltmeister haben die talentierte Schülerin sehr motiviert: „Das war einfach spannend. Dr. Mittring hat uns tolle Tricks beigebracht. Besonders interessant war das Aufzeigen von verschiedenen Lösungswegen.“ Letztere Erkenntnis kommt ihr auch bei ihrem Hobby, dem kreativen Programmieren von Computerspielen, zugute.

„Die Workshops passten bestens zu unserem mathematisch-naturwissenschaftlichen Konzept“, sagt der neue Schulleiter Lutz Hasbach, selbst Lehrer für Mathematik. Daniela Düßdorf und Jens Liebrich aus dem Kollegium haben das Projekt betreut. Teil des Finales ist auch ein 45-minütiger Test mit nach Schwierigkeitsgraden abgestuften Aufgaben auf elf Seiten – von Additionen über Kubikwurzeln bis zur Zerlegung von Primfaktoren. 570 Punkte können insgesamt erreicht werden. „Wen ihr 30 bis 50 Prozent schafft, könnt ihr ganz zufrieden sein“, sagt Mittring beim Austeilen der Testbögen.

In der Tat müssen 32 Jungen und 18 Mädchen, überwiegend aus den Klassen 7 und 8, einige harte Nüsse knacken. Ein Beispiel aus der Zerlegung in Primfaktoren: 790 614 (Lösung 2,3,3,3,11,11,11,11); und eines aus den Textaufgaben: Baustelle im Straßenverkehr. Die Baustelle ist drei Kilometer lang. Die maximal erlaubte Geschwindigkeit ist 80 Kilometer pro Stunde. Wie viele Sekunden vergehen, bis die Baustelle komplett durchfahren wurde? Das Fahrtempo ist konstant 80 Kilometer pro Stunde (Lösung 135 Sekunden). „Der Test war teilweise zu schwierig, aber die Workshops haben viel Spaß gemacht“, meinen Victor und Valentin.

„Ich möchte den Schülern vermitteln, dass Kopfrechnen Sinn und Spaß macht“, betont Mittring. Nächste Woche leitet der Bonner die Europameisterschaft im Kopfrechnen in Basel mit Teilnehmern aus zwölf Nationen.