Bonner Köpfe

Martin Rothweiler: Im Dienst des Herrn auf Sendung

In seinem Bonner Studio: der katholische Medienmacher Martin Rothweiler.

In seinem Bonner Studio: der katholische Medienmacher Martin Rothweiler.

BAD GODESBERG. Papst Franziskus erinnert im Petersdom gerade an die Ausgegrenzten Südamerikas – und in seinem kleinen Bad Godesberger Fernsehstudio kommentiert Martin Rothweiler auch diese jährliche Messe zu Ehren der Gottesmutter von Guadelupe live für die deutschen Zuschauer.

„Lasst uns Ja sagen zum Leben und Nein zur Gleichgültigkeit, zur Ausgrenzung, zum Abschreiben von Völkern und Menschen als unbrauchbarer Ausschuss“, übersetzt Rothweiler mit Blick auf den Bildschirm und im Ohr die Kollegen von Vatikan TV.

Der 57-Jährige ist für Deutschland Programmdirektor und Geschäftsführer des katholischen Fernsehsenders EWTN (Eternal Word Television Network). Er hat diesen deutschen Kanal des weltweit größten katholischen Senders in 16 Jahren harter Arbeit aufgebaut. „Das Bonner Office ist immer noch unser Sitz, aber wir werden ihn 2017 wohl nach Köln verlegen, wo wir ja schon wesentlich arbeiten“, sagt Rothweiler. Er hat Philosophie und katholische Theologie in Bonn und Rom studiert. Das Thema Glaube und Vernunft habe ihn immer bewegt, sagt der Familienvater.

Doch zuerst arbeitete er für die „Deutsche Stiftung Denkmalschutz“ und im Fundraising. „Dann wollte ich meinen Glauben weitergeben. Das klingt zwar fromm. Aber so ist es“, sagt Rothweiler. Katholisches Fernsehen unabhängig von der Amtskirche wollte er machen. Beim Muttersender EWTN in den USA lernte er dessen Gründerin Ordensschwester Angelica als eine gar nicht moralinsaure Frau kennen. „I think you can do it“, habe ihm die Schwester mit auf den Weg gegeben. In ihrem Sinne, doch in der eher deutschen Variante packte Rothweiler seinen Plan an, ein katholisch-geerdetes Programm zu produzieren. Und zwar garantiert ohne die drei sonstigen TV-Stützen Werbung, Sex und Gewalt.

Die Aufbaujahre mit ihren Durststrecken lägen nun hinter ihm, seufzt der 57-Jährige, während sein Telefon schon wieder Sturm läutet. Von der Landesmedienanstalt bekam er eine bessere Sendelizenz. Rund um die Uhr bringt man nun Dokumentationen, Nachrichten, Kinder- und Jugendsendungen, Talk-Shows, Spielfilme und zu 20 Prozent Liturgien live: Heilige Messen aus dem Kölner Dom etwa oder vom Marienwallfahrtsort Kevelaer. „Dazu haben wir eine eigene Live-Berichterstattung.“ Kürzlich bei der Familiensynode moderierte „der Chef“ direkt aus Rom.

Zu Themen wie diesem laufen dann auch die Drähte der Präsenz in den sozialen Medien heiß. „Aber von Hasswellen bekommen wir eigentlich kaum etwas mit“, meint Rothweiler. Sein Sender hat mehr als 100 000 regelmäßige Zuschauer, Tendenz steigend. Die meisten kommen aus dem katholischen Kernbereich und leiden etwa darunter, dass Kirche immer mehr in die Fläche gehe und vor Ort keine Messe mehr anbiete, so Rothweiler.

Aber es schalteten auch viele zu, die auf der Suche nach Spiritualität und Lebenshilfe seien. Der Sender finanziere sich vor allem durch Spenden. „Ich weiß also gar nicht, wo wir nächstes Jahr stehen. Ich sehe es als Fügung, dass wir so erfolgreich sind“, meint der Chef. Zehn Mitarbeiter, einige in Teilzeit, beschäftigt er. Kooperationen pflegt er eventbezogen mit den Bistümern, Domradio, Vatikan TV und Bibel TV. „Und zwar nachdem ich mit dessen ebenfalls Godesberger Gründer Norman Rentrop einen Rodderberg-Spaziergang gemacht habe“, lacht Rothweiler.

Er ist weder der typische Macher noch der durchgeistigte Prediger, sondern sitzt lässig am Schreibtisch. Ist sein Programm wirklich unabhängig von der US-Zentrale, die im Wahlkampf Donald Trump 15 Minuten lang die Chance gab, Barack Obama und Hillary Clinton zu diffamieren? Das wurde als ausschlaggebend für die Trump-Stimmabgabe der meisten US-Katholiken gewertet. Im Interview sei es hauptsächlich um Abtreibung und Homo-Ehe gegangen und damit um Trump als das aus dieser Sicht für die Verantwortlichen „geringere Übel“, antwortet Rothweiler. Er wisse, dass das aus deutscher Perspektive schwer zu verstehen sei. Und betont dann: „EWTN Deutschland enthält sich politischer Eingriffe und steht unter keinem Druck.“