Stadttor Bonn-Beuel

Markantes Portal und Lärmschutzwall in Beuel

Beuel. Das „Stadttor Bonn-Beuel“ nimmt Gestalt an. Insgesamt entstehen an der Ecke Sankt Augustiner/Niederkasseler Straße 328 Wohnungen in drei Bauabschnitten. Viele sind schon verkauft - ein Zeichen für den enorm hohen Wohnungsbedarf in Bonn.

Brombeeren waren Jahrzehnte mehr oder weniger der einzige Ertrag auf dem brachliegenden Gelände an der Ecke Sankt Augustiner Straße (B 56)/Niederkasseler Straße (L 16). Obgleich das Areal wegen seiner exponierten Lage am Ortseingang zu Beuel zweifellos zu Größerem bestimmt war. Nach mehreren Anläufen verschiedener Investoren baut dort seit 2015 der deutsche Bauträger Bonava das „Stadttor Bonn-Beuel“. Die Pläne hat der Bonner Architekt Jan van Dorp entworfen. 328 Wohneinheiten sind geplant.

Als Rainer Krippendorff 1981 nach Beuel zog, „war das alles Dorf“. Richtung Schwarzrheindorf gab es Feld, Wald, Wiesen und wuchernde Brombeerhecken. „Jetzt wächst es zusammen“, sagt der Vorsitzende des Bürgervereins von Schwarzrheindorf und Vilich-Rheindorf. Zwei Anmerkungen sind ihm wichtig: „Dieses Baugebiet liegt im Ortsteil Vilich-Rheindorf, das soll nicht vergessen werden!“ Und auch die zweite ist eine historische Reminiszenz. „Wir haben uns dafür eingesetzt, dass die Adresse der neuen Häuser zur Niederkasseler Straße hin „Am Köppekreuz“, lautet, denn das ist der hergebrachte Name.“

Das alte Köppekreuz (Köppe steht für Kuppe) stand ursprünglich an der Kreuzung Niederkasseler/Sankt Augustiner Straße, wurde nach deren Umbau Richtung Kommentalweg versetzt und musste auch dort wegen der umfangreichen Baumaßnahme weichen. „Wenn alles fertig ist, soll das Köppekreuz wieder aufgestellt werden“, sagt Krippendorff.

77 Mietwohnungen in Kürze vergeben

Seit Anfang März 2015 Bagger auf dem insgesamt 15 000 Quadratmeter großen Areal anrückten, geht es schnell vorwärts. Der erste Bauabschnitt – der mittlere von dreien – an der L 16 auf einer 3690 Quadratmeter großen Fläche ist bereits fertiggestellt; vier Mehrfamilienhäuser mit 77 Mietwohnungen. Bonava hat die Immobilie unterdessen an Industria Wohnen verkauft. Binnen kurzer Zeit waren alle Wohnungen vergeben.

Der Grundstein für sechs Mehrfamilienhäuser im zweiten Bauabschnitt direkt an der Ecke Sankt Augustiner/Niederkasseler Straße wurde Ende August 2016 gelegt. Dort entstehen 43 Eigentumswohnungen, 79 Businessapartments, 36 Mietwohnungen und fünf exklusive Penthousewohnungen. „Der Produktmix ist Ergebnis einer eingehenden Markt- und Zielgruppenanalyse“, erläutert Bonava-Projektleiter Daniel Korschill.

Also stellte der Investor folgende Überlegung an: Die Ecke Augustiner/Niederkasseler Straße ist stark befahren, die Lärmemission relativ hoch. Welche Architektur wird dort den Bedürfnissen der Bewohner gerecht? Architekt van Dorp hat zur Straße hin Ein-Zimmer-Appartments wie einen Gürtel um die Eigentumswohnungen herum gelegt. „Zielgruppe für die möblierten Appartments sind aber nicht Studenten, sondern Pendler, denn da besteht Bedarf in Bonn“, erläutert Korschill.

 

"Einsteigerimmobilie" für Anleger

Zugleich wurden die Apartments als „Einsteigerimmobilie“ für Kapitalanleger auf den Markt gebracht. Sie gingen weg wie die vielzitierten warmen Semmel. Die 79 Apartments sind fast alle verkauft – und auch schon vermietet. „60 Prozent der Kapitalanleger kommen aus Bonn und Umgebung“, weiß Korschill. Auch die anderen Wohnungen sind fast alle vergeben. „Teils haben Interessenten vom Blatt gekauft, da der Rohbau noch nicht fertiggestellt ist. Das spricht für den Standort und zeigt die starke Nachfrage.“

Die Planung des dritten Bauabschnitts mit 88 Eigentumswohnungen steht, der Bauantrag ist gestellt. Auch hier gibt es bereits Interessenten. Wie es aussieht, wird die Rechnung der Bonava-Manager aufgehen. Korschill wundert sich immer noch, dass das Areal so lange brachlag. „Das ist ein wunderbarer Wohnstandort. Ich bin immer wieder begeistert von den kurzen Wegen und der hervorragenden Infrastruktur. Mit der Bahn fahre ich eine Station und bin in Bonn. Warum hat zuvor niemand dieses Potenzial gehoben?“

Kurz gefasst gab es in der Vergangenheit mindestens drei Bremsklötze. Der erste waren nicht mehr zeitgemäße Bebauungspläne, denen ein rechtswidriger Baubauungsplan folgte. Der zweite war ein Nutzungskonzept mit Ärztehaus und Lebensmittler. Das lehnte die Politik ab. Der dritte waren vertrackte Eigentumsverhältnisse auf dem Areal, die ein Investor unter einen Hut bringen musste, und die Verkehrserschließung. Seit den 1990er Jahren diskutierten Politik und Bevölkerung die Entwicklungsmöglichkeiten, seit 2013 ist Bonava im Spiel.

Plan für eine "markante Begrüßungsecke"

Der Architekt Jan van Dorp ist weitaus länger in das Projekt involviert. Er hatte schon 2009 statt eines nicht vermarktungsfähigen runden Verwaltungsbaus auf dem Eckgrundstück ein Planungskonzept entwickelt, das Wohnnutzung an dieser Nahtstelle vorsah. „Aus unzähligen Varianten entstand die markante Begrüßungsecke – ein achtgeschossiger Baukörper, der städtebaulich die nördliche Eingangssituation Beuels definiert“, erläutert van Dorp.

Das geplante Hochhaus ist durch einen transparenten Glaskörper aufgelockert. „Es ist die Idee eines archaischen Faustkeils, der sich gegen den Straßenlärm erhebt und einen Schutzwall für das dahinterliegende Viertel bietet“, erläutert van Dorp. „Die Architektur muss den Geist des Ortes aufspüren. Ein Eingangstor, das Begrüßungsportal, muss freundlich und durchlässig wirken. Deswegen das große, gläserne, halbrunde Treppenhaus.“ Unterdessen sind drei von acht Geschossen gebaut. 2018 soll das Eingangstor fertig sein.