Versammlung in der Innenstadt

Mai-Kundgebung und Demos in der Bonner Innenstadt

Der DGB-Kreisvorsitzende Bernd Weede sprach auf dem Bonner Marktplatz.

Der DGB-Kreisvorsitzende Bernd Weede sprach auf dem Bonner Marktplatz.

Bonn. Während der DGB-Kreisvorsitzende Bernd Weede auf dem Bonner Marktplatz sprach, sammelten sich die Befürworter eines bedingungslosen Grundeinkommens auf dem Platz vor dem Frankenbad.

"Die Jugend von heute riecht nach Shampoo, sie ist sauber geworden. Ein stiller Teich aus glatter Tugend." In der Pause zwischen der Begrüßungsansprache von DGB-Kreisverbandschef Bernd Weede und dem darauffolgenden Podiumsgespräch richtete die 21-jährige Poetry Slammerin Ella Anschein einen kritischen Blick auf das Politikverständnis ihrer Generation. Und in der Tat: Auf den ersten Blick waren auf der Maikundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes am Dienstag auf dem Bonner Marktplatz Menschen unter 40 deutlich in der Minderheit.

Und das, obwohl die Themen mit Sicherheit Generationen-übergreifend waren: In seiner Begrüßungsrede schlug Weede thematisch zunächst den großen Bogen von der Benachteiligung von Frauen im Beruf über die aktuelle Islam-Diskussion bis hin zu den Tarifverhandlungen der Zeitungsredakteure, denen in den Medien nur geringe Aufmerksamkeit geschenkt werde. Im anschließenden Podiumsgespräch ging es dann schwerpunktmäßig um Bonner Themen: Soziales Wohnen, Kinderarmut und die Situation in den Bonner Schulen und Kitas sowie der Verkehr in der Stadt waren die Themen in dem von Rainer Bohnet moderierten Dialog zwischen Weede und Sibylle Clement vom städtischen Personalrat für Grundschullehrer, Ulrich Hamacher vom Diakonischen Werk und Alina Kobold von der Auszubildendenvertretung der Telekom AG.

Keine klassische Maidemo mehr

Auch wenn sie nicht die Mehrheit stellten; unter den Teilnehmern der Kundgebung fanden sich durchaus auch Menschen aus Anscheins Generation: Man stehe hinter den Werten der Gewerkschaftsbewegung und sei auf den Marktplatz gekommen um sich zu vernetzen, erläuterten Sabine Sedlaczek und Paula Gottmann. Die beiden 20-Jährigen sind in der 2017 gegründeten Kleinpartei "Demokratie in Bewegung" aktiv.

Gegen halb eins stießen dann rund 150 Teilnehmer eines von Linken-Politiker Jürgen Repschläger angemeldeten Demonstrationsszugs zu der Versammlung und hier war die jüngere Generation offensichtlich stärker repräsentiert: Man habe mit Bedauern zur Kenntnis genommen, dass die klassische Maidemonstration ja bereits seit zwei Jahren nicht mehr vom DGB organisiert werde, erzählten Felix und Miran von der Bonner Jugendbewegung. Der FSJler und der Student sind auch bei der Verdi-Jugend aktiv und hatten sich mit anderen Gruppierungen aus dem linken und dem gewerkschaftlichen Umfeld zusammengetan. "Der erste Mai ist ja traditionell der Tag der Arbeiter und es kann doch nicht sein, dass es an diesem Tag keine Gewerkschaftsdemo mehr gibt", so die beiden.

Kundgebung am Frankenplatz

Deutlich unter vierzig lag das Durchschnittsalter der Teilnehmer der zweiten Maikundgebung auf dem Frankenplatz: Für ein bedingungsloses Grundeinkommen demonstrierte hier eine bunt gemischte Schar von ebenfalls rund 150 Teilnehmern: Weil der DGB das Grundeinkommen ja nicht unterstütze, sei man hierher und nicht zum Marktplatz gekommen, erklärten Eva und Johannes: Die beiden glauben, dass sich die Arbeitswelt sehr stark wandeln werde. Daher sei das Grundeinkommen ein Ansatz, Teilhabe auch ohne Lohneinkommen zu gewährleisten.