Bücherverbrennung durch die Nazis

Mahnmal kommt auf den Markt

So könnten die Bronze-Lesezeichen auf dem Markt mit den Namen der Autoren, deren Bücher die Nazis verbrannten, aussehen.

BONN. Wolfgang Deuling wird im Mai 2013 mit seinem Wunsch nach einem Mahnmal zur Bücherverbrennung durch die Nazis vor 80 Jahren am Ziel angelangt sein. Der ehemalige Büroleiter des früheren SPD-Bundestagsabgeordneten Hans-Jürgen Wischnewski hatte die Initiative für das Mahnmal gestartet.

Dank der Landeszentrale für politische Bildung, die mehr als 50 000 Euro zur Verfügung stellt, und Einzelspenden von mehr als 100 Bonnern, die mittlerweile rund 15.000 Euro zusammengetragen haben, kann das Vorhaben jetzt verwirklicht werden.

Die Stadt wird sich angesichts ihrer klammen Haushaltslage nicht an den Kosten beteiligen. Rund 60.000 Euro sind nötig für das Mahnmal, für dessen Entwurf das Künstlerduo Andreas Knitz aus Ravensburg und Horst Hoheisel aus Kassel verantwortlich zeichnet. Mit den Künstlern hat die Stadt bereits einen Werkvertrag abgeschlossen.

Geplant ist, auf dem Marktplatz 60 bronzene Lesezeichen mit Titel und Namen der Autoren der von den Nazis verbrannten Büchern im Pflaster zu verlegen. Dort hatte im Mai 1933 die Bonner Studentenschaft zu einer Aktion mit der Bezeichnung "Kundgebung wider den undeutschen Geist" aufgerufen, um mit Professoren der Universität Bücher namhafter Dichter und Denker zu verbrennen.

Der Vorschlag der beiden Künstler beinhaltet deshalb auch eine Büchertruhe, die in den Platz eingelassen werden und Nachdrucke der Bücher aufbewahren soll, die 1933 verbrannt wurden. Sie soll immer wieder am 10. Mai geöffnet werden; einige der geächteten Bücher sollen dann an Bonner Schulen verteilt werden.

Das Mahnmal soll am Freitag, 10. Mai, im Alten Rathaus von Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch, Unirektor Jürgen Fohrmann, Astrid Mehmel von der Gedenkstätte für die Bonner Opfer des Nationalsozialismus sowie von Barbara Weidle vom Literaturhaus bei einer Gedenkstunde der Öffentlichkeit übergeben werden.

Das allerdings hat die Linksfraktion auf den Plan gerufen. "Wir begrüßen, dass das Erinnerungsmal rechtzeitig zum 80. Jahrestag der Bücherverbrennung realisiert werden kann", sagte deren Kulturexperte Jürgen Repschläger.

Nach Auffassung der Fraktion sollte die Einweihung des Denkmals auf dem Marktplatz in einer angemessenen und würdevollen Form und nicht weitab von der Öffentlichkeit im Rathaus begangen werden. Dazu gehöre ein in der Stadt wahrnehmbares Rahmenprogramm. So könnten etwa auf der Rathaustreppe Texte von Autoren, deren Werke verbrannt wurden, vorgelesen werden.

Eine musikalische Untermalung könnte daran erinnern, dass nicht nur Literatur, sondern auch Werke und Noten von Komponisten in Flammen aufgingen. "Es handelt sich schließlich nicht nur um die Einweihung eines Denkmals, sondern auch um den 80. Jahrestag der Bücherverbrennung, dies sollte von der Stadt Bonn als ein öffentlicher Akt der Erinnerungskultur begangen werden", so Repschläger, der dazu bereits eine Große Anfrage an den Kulturausschuss gestellt hat.