Mitarbeiterin klagt gegen Uniklinik

Macht dieser "Bunker" krank?

04.02.2014 VENUSBERG. Als die junge Frau (Name der Redaktion bekannt) 2003 bei den Uni-Kliniken auf dem Venusberg anfing, war sie gesund. Zwei Jahre später begannen die Beschwerden bei ihr, fingen mit Grippesymptomen an.

Heute ist die inzwischen 43-Jährige schwer krank und arbeitsunfähig, hat eine chronische Vergiftung, Muskel- und Nervenbeschwerden, eine Chemikalienunverträglichkeit und diverse Allergien. "Mein Körper kann nicht mehr richtig entgiften", sagt die Duisdorferin.

Doch wie hat sie sich das alles "eingefangen"? Die 43-Jährige ist sicher, dass sie jahrelang in einem mit Schadstoffen belasteten Gebäude gearbeitet hat - und das ausgerechnet in der Radiologischen Klinik und Strahlentherapie, wo sie an der Patientenannahme eingesetzt war.

""Ich habe fast fünf Jahre gebraucht, um darauf zu kommen, dass es das Gebäude ist", sagt sie. Vor zwei Jahren kündigte sie aus Verzweiflung. "Ich habe den Druck nicht mehr ausgehalten, denn ich bin als psychisch krank abgestempelt worden. Mir hat niemand geglaubt."

Aber macht dieser Flachbau in Holzbauweise aus den 70er Jahren, intern auch "Bunker" genannt, tatsächlich krank? Mit dieser Frage muss sich jetzt das Arbeitsgericht Bonn auseinandersetzen, denn dort hat die Duisdorferin Klage eingereicht und streitet mit der Uni um Schadenersatz und Schmerzensgeld. In einem Gütetermin am vergangenen Freitag wurde zwischen den Parteien keine Einigung erzielt. Die Klage wurde zugelassen und ein Kammertermin anberaumt, sagte ein Sprecher des Gerichts dem GA.

In der Auseinandersetzung muss auch der Vorwurf geklärt werden: Blieb die Uniklinik jahrelang untätig und verzichtete auf Messungen. obwohl doch gerade eine medizinische Einrichtung eine besondere Fürsorgepflicht an den Tag legen müsste? Der Rechtsanwalt der Universität hält die Klage für unbegründet.

Wer das fragliche Gebäude betritt, bemerkt einen muffig-öligen Geruch, wie er manchmal in Fertighäusern vorkommt. Aber ist das die Ursache? Die Uni hat den Bau 2008 auf Schimmelpilzbefall geprüft (negativ), ist aber dem Verdacht von Chloranisolen (Abbauprodukte von Holzschutzmitteln) nicht nachgegangen. Warum? Experten stufen diese Stoffe als nicht gesundheitsgefährdend ein und glauben auch nicht, Gerüche könnten solche Beschwerden auslösen, hieß es seitens der Uni. Deshalb habe man die Krankheit der Mitarbeiterin auf deren "individuelle gesundheitliche Disposition" zurückgeführt, erklärte Uni-Sprecherin Magdalena Nitz.

Doch die Betroffene sagt: "Die Untersuchungen waren der Uni einfach zu teuer." Und: Inzwischen seien auch andere Mitarbeiterinnen erkrankt. Die Uni habe sich jahrelang darauf zurückgezogen, sie - die 43-Jährige - müsse nachweisen, dass die Raumluft sie krank gemacht hat. "Das konnte ich natürlich nicht."

Inzwischen hat die Uni reagiert. Wie Nitz mitteilte, werde noch in diesem Monat ein Prüfungsinstitut aus Köln Messungen durchführen. "Und danach können Aussagen zur Schadstoffbelastung der Innenraumluft und zu den Auslösern/Quellen des gebäudespezifischen Geruchs getroffen werden." Außerdem werde ein Schadstoffkataster erstellt. Der Prozess wird im Mai fortgesetzt. (Rolf Kleinfeld)