Bonn-Center

Mülltrennung XXL im alten Hochhaus

Die Tage des Bonn-Centers sind gezählt: Im Hof sind bereits Bagger unterwegs. Drinnen dominieren leere Gänge, nachdem nun auch die letzten Mieter ausgezogen sind. Zerstörte Türschlösser zeugen von den Übungen von Bundespolizei und GSG 9.

Die Tage des Bonn-Centers sind gezählt: Im Hof sind bereits Bagger unterwegs. Drinnen dominieren leere Gänge, nachdem nun auch die letzten Mieter ausgezogen sind. Zerstörte Türschlösser zeugen von den Übungen von Bundespolizei und GSG 9.

Bonn. Zwei Arztpraxen waren die letzten Mieter im Bonn-Center, seit Anfang des Monats ist das Hochhaus leer. Nur ein Portier bewacht das 18-stöckige Gebäude, das einmal eine der ersten Adressen Bonns war.

Die langen Flure wirken nicht wie eine gespenstische Bauruine – dafür ist ihr Zustand noch zu gut – nur eben sehr, sehr einsam. Fahrstühle und Licht funktionieren noch. Sie werden bald abgeschaltet, denn die Entkernung des Gebäudes geht schnell voran. Arbeiter sind damit beschäftigt, tonnenweise Verwertbares auszubauen – Mülltrennung XXL. Am Ende bleibt ein Gerippe aus Beton und Stahl, das ebenfalls recycelt wird.

Die Büros im Bonn-Center waren nicht mehr zeitgemäß, die Decken zu niedrig, der Brandschutz schwierig. „Als wir das Gebäude 2014 gekauft haben, stand es schon zu 70 Prozent leer“, sagt Thomas Leise, Senior Investment Manager der Firma Art Invest, bei einem Besuch auf der Baustelle. Die Firma aus Köln hat sich entschieden, das Bonn-Center abzureißen. „Wir prüfen sowohl den herkömmlichen Rückbau als auch eine Sprengung“, sagt Leise. „Natürlich gibt es Staub und Lärm, aber wir versuchen, die Auswirkungen für die Anwohner so gering wie möglich zu halten.“

Maximal 100 Meter hoch soll der Turm des neuen Gebäudeensembles werden. Fertige Entwürfe oder Architekturansichten gibt es noch nicht, das Büro JSWD Architekten als Köln hat gerade mit den Planungen begonnen. „Wir möchten den Standort als Auftakt zum Bundesviertel erhalten und hier ein neues, offenes Quartier schaffen“, erklärt Leise auf dem Dach des Bonn-Centers.

Der Ausblick ist auch aus einer Höhe von bisher 60 Metern grandios: zu Füßen liegen das ehemalige Kanzleramt und das Palais Schaumburg, Post-Tower und Langer Eugen heben sich von der Siebengebirgskulisse ab. Ob es beim Hochhaus-Neubau am Ende wirklich die mit der Stadt Bonn abgestimmten maximal 28 Stockwerke werden, hängt auch von der künftigen Nutzung ab. Kleiner als Langer Eugen (115 Meter) und Post-Tower (162,5 Meter) wird der Turm auf jeden Fall bleiben.

Wer unten im ehemaligen Hof des Bonn-Centers steht, erlebt das Bauwerk aus der Maulwurfsperspektive. Das soll sich mit dem neuen Gebäudeensemble ändern, dass auf Straßenniveau angehoben wird und Durchgänge und Verbindungen in die Nachbarschaft ermöglichen soll. Das alte Bonn-Center sei ein „städtebaulicher Autist mit Barrierewirkung“ gewesen, findet Stadtplaner Thomas Leise.

Die kleinen Bürozellen und die langen Flure dienten zuletzt der Bundespolizei und der GSG 9 als Übungsplatz. Aufgebrochene Türen und Farbpatronen zeugen davon, dass es hier richtig zur Sache ging. Nur eine einsame Hydrokultur wirkt von alldem unberührt.

Die geringe Leerstandsquote in Bonn hat Art Invest bewogen, am Bundeskanzlerplatz zu investieren. Die zentrale Lage sei hoch attraktiv. Es werde immer über das Thema Wohnen geredet, aber irgendwo müssten die Leute auch arbeiten, so Leise.