GA-Serie Bonner Köpfe

Ludwig Verbeek ist ein Rebell der alten Schule

„So wie es ist, so kann es noch lange bleiben“, sagt Ludwig Verbeek zufrieden.

„So wie es ist, so kann es noch lange bleiben“, sagt Ludwig Verbeek zufrieden.

Bonn. Ludwig Verbeek ist Lyriker und Lehrer. Bei der deutschen Sprache ist er kompromisslos, die Rechtschreibreform ist ihm ein Graus und Anglizismen benutzt er nicht.

Ein Rebell ist er geblieben. Und einer, der nicht jedem „Mainstream“ folgt. Pardon, Anglizismen würde Ludwig Verbeek niemals benutzen. „Schrecklich“, ärgert sich der 80-Jährige und schüttelt den Kopf. „Bei Sprache bin ich kompromisslos.“

Streitbar ist er, aber versöhnlich. „Ich lasse mich nicht in eine politische Ecke drängen, obwohl ich immer eindeutig Position beziehe.“ Die Rechtschreibreform ist ihm beispielsweise ein Graus, „über G 8 will ich gar nicht erst anfangen“, meldet sich der langjährige Lehrer in ihm zu Wort. „Ich schreibe so, wie ich es gelernt habe. In meinem Regal steht ein Duden von 1990 und darin schlage ich nach.“ Ludwig Verbeek – Lyriker, Schriftsteller, Bonner mit Herz und Verstand, ehemaliger Lehrer und eben ein Rebell der alten Schule.

Kunst und Literatur von klein auf genossen

Mit Literatur und Kunst ist er aufgewachsen. Mutter Helma Verbeek-Cardauns schrieb Romane, Erzählungen und Gedichte, der Großvater war Chefredakteur einer Tageszeitung und Vater Albert Kunsthistoriker und später Rheinischer Landeskonservator. „Das Künstler-Gen liegt in unserer Familie“, lächelt der 80-Jährige. Denn auch Sohn und Tochter sind journalistisch und künstlerisch aktiv. „Ich habe meine Leidenschaft wohl weitergegeben.“ Zur Familie gehören außerdem vier Enkel im Alter von einem Monat bis 23 Jahren.

Mittlerweile hat Verbeek zwölf Gedichtbände sowie zwei Prosabände veröffentlicht. „Vieles ist jedoch noch unveröffentlicht“, erzählt er bei einem Besuch in seinem Haus am Brüser Berg. Täglich ist er im nahe gelegenen Kottenforst unterwegs. Diese Spaziergänge inspirieren ihn. „Manchmal komme ich zurück und habe ein fast fertiges Gedicht im Kopf. Manchmal dauert es Monate, bis ich zufrieden bin.“

Vor den Bomben ins Siebengebirge geflohen

Nachdem die Familie in Köln ausgebombt worden war, ging Mutter Helma Verbeek-Cardauns mit Klein-Ludwig ins Siebengebirge (die vier Geschwister wurden erst später geboren). „An diese Zeit habe ich nur gute Erinnerungen“, sagt der über die Grenzen Bonns hinaus bekannte Essayist. „Ich hatte wirklich eine tolle Kindheit.“ Untergebracht war die kleine Familie in der Villa Schaaffhausen, „neben uns wohnte der Chauffeur von Kardinal Frings“. Zu Hause gab es lediglich drei Regeln, die befolgt werden mussten: Zum Mittag- sowie zum Abendessen musste er pünktlich daheim sein und natürlich zur Schule gehen. „Ansonsten konnte ich machen, was ich wollte.“ Es ging durch Wälder und über Felsen, gemeinsam mit Freunden schmolz er alte Bleirohre ein, in der heimischen Badewanne führte er eine Knallgasexplosion durch. Auch wenn Mutter Helma beim Anblick des Badezimmers und des löchrigen Schlafanzuges ihres Jungen wohl nicht erfreut war.

Nach dem Abitur am Siebengebirgsgymnasium studierte Verbeek Germanistik, Anglistik, Geografie, Psychologie und Kunst in Bonn. Zunächst unterrichtet er an zwei Gymnasien. „Ich war zu progressiv und eckte überall an“, erinnert er sich. Ein Rebell eben. „Aber die Schüler haben mich geliebt.“ Von 1971 bis 2003 lehrte er dann Englisch und Deutsch am Abendgymnasium. Dort fühlte er sich wohl. „Ich habe es geliebt, Erwachsene zu unterrichten und mit ihnen auf Augenhöhe zu kommunizieren. Ich war ein guter Lehrer“, ist er sich sicher. Von 1977 bis 1979 gehörte Verbeek zudem der Fachkommission für den Zweiten Bildungsweg in Nordrhein-Westfalen an.

Sechs Jahre lang Herausgeber von "Die Kribbe"

1961 wurde sein Hörspiel „Ich fahre die Reikjaveneta“ im Rahmen des „Studium Universale“ der Universität Bonn uraufgeführt. Von 1977 bis 1983 gab er die Kulturzeitschrift „Die Kribbe“ heraus. Verbeek ist Mitglied des Verbandes Deutscher Schriftsteller, dessen Bonner Bezirksgruppe er mitbegründete und viele Jahre als Vorsitzender leitete. Anlässlich seines 80. Geburtstags wird Verbeek sein neues Buch „Im Spiegel der Sprache“ an diesem Samstag, 26. Januar (ab 18 Uhr), bei einer Lesung in der Röttgener Buchhandlung. Reichsstraße 53, vorstellen. „Lesungen sind mein Lebenselixier. Dabei fühle ich mich besonders wohl. Wahrscheinlich habe ich auch noch ein Schauspieler-Gen, das dabei hervorkommt“, amüsiert er sich.

Ruhe wird er sich in Zukunft nicht gönnen. Viele Ideen schwirren noch in seinem Kopf. „Ich hoffe, dass ich noch lange bei klarem Verstand bin und mich geistiger und körperlicher Gesundheit erfreue. So wie es ist, so kann es noch lange bleiben“, wünscht er sich.