Kommentar zur Beethovenhalle Lehren aus dem Desaster

Bonn. Bei der Beethovenhalle dürfte die politisch sensible Grenze von 100 Millionen Euro locker fallen, meint GA-Redakteur Andreas Baumann.

Unerbittlich tickt der Millionen-Zähler. Bei der Beethovenhalle passiert genau das, was der deutsche Steuerzahler bundesweit gewöhnt ist, sobald die öffentliche Hand saniert oder neu baut. Die Kosten steigen und steigen. Bonn hat das Pech, auch noch unter besonders misslichen Umständen zu leiden: Wegen des Baubooms können die Fachfirmen der Stadt mehr oder weniger Mondpreise diktieren. Und es scheint ungewöhnlich starke Mängel in der Arbeit des Architektenbüros zu geben, dem die Planung des Projekts obliegt. Sagt zumindest die Stadt. Überprüfen lässt sich das kaum, weil die Kommune den Auftragnehmern einen Maulkorb umgehängt hat.

Im zuständigen Projektbeirat nannte Stadtdirektor Wolfgang Fuchs jetzt leichtsinnigerweise die Zahl „150 Millionen“ – ganz so, als wäre nicht er es, der die politische Verantwortung für die umstrittene Sanierung trägt. Ganz so teuer wird das Projekt hoffentlich nicht, aber die politisch sensible Grenze von 100 Millionen Euro dürfte locker fallen. Da hilft es auch nichts, dass die Stadtverwaltung auf zwölf Millionen Euro Fördermittel verweist. Neben fünf Millionen Euro von der Sparkasse Köln-Bonn für den Studioumbau sind das vor allem Bundesgelder – Steuerzahlermillionen also.

Ändern lässt sich am finanziellen Desaster Beethovenhalle nicht mehr viel. Aber lernen können Verwaltung und Stadtrat daraus. Es ist ein Paradebeispiel für die unkalkulierbaren Risiken einer Sanierung alter Gebäude, vor allem unter Denkmalschutz. Diese Erfahrung sollte in die kommenden Entscheidungen einfließen: Wenn es um die Zukunft der Oper, des Frankenbads oder der Stadthalle Bad Godesberg geht.

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