Die ehemalige Barbarakapelle

Leben hinter Kirchenmauern

Ippendorf. Jeder, der von Lengsdorf nach Ippendorf will, fährt genau darauf zu und kennt dieses historische Gemäuer, auf dem die Jahreszahl 1866 steht: Es ist die frühere Barbarakapelle, die seit langem nicht mehr für kirchliche Zwecke genutzt wird, sondern in privater Hand ist.

. Nahezu unbemerkt feiert sie jetzt ihr 150-jähriges Bestehen, daran erinnert der SPD-Stadtverordnete Herbert Spoelgen, der auch Mitglied im Unterausschuss Denkmalschutz ist. In einem Beitrag zur Ippendorfer Ortsgeschichte hat er jetzt die Stationen des ehemaligen Gotteshauses nachgezeichnet.

Sie war lange dem Verfall preisgegeben, vom Abriss bedroht und wurde im Ort als Schandfleck angesehen. Um die Eintragung als Denkmal entspann sich ein Streit, der erst vor Gericht entschieden wurde. Und eine Zeit lang galt sie als nicht vermarktbar, bis Heinz-Jürgen Bauer 1989 auf die Immobilie aufmerksam wurde. „Wir suchten damals ein Haus“, erzählt der Unternehmer. Aber das Wohnhaus hinter der Kapelle war angeblich nur 90 Quadratmeter groß. „Für uns mit zwei Kindern zu klein“, so Bauer rückblickend.

Tatsächlich aber waren es 115 Quadratmeter, und das Dachgeschoss konnte noch ausgebaut werden. Bauer griff zu und wohnt seither auf 140 Quadratmetern – ohne die 97 Quadratmeter große Ex-Kapelle, die er damals „im Paket“ wohl oder übel mit übernehmen musste und die heute als Wohnzimmer dient.

Die sakrale Vergangenheit lässt sich dennoch nicht leugnen, nicht nur wegen der drei Rundbögen und zwei Säulen, die beide Kapellenschiffe voneinander trennen. Es gibt einen kleinen Hausaltar, Heiligenfiguren auf dem Sims, Kerzen und Kreuze. Dunkles Holz dominiert den Raum, der von einer Wohnlandschaft, einem Schreibtisch und einem langen Holztisch eingenommen wird. Neben dem Fernsehgerät steht eine Krippe.

„Den Hausaltar haben wir auf dem Pfarrfest in Röttgen preiswert ersteigert“, berichtet Bauer. Die kleine, schmale Ex-Sakristei zwischen Kapelle und Wohnhaus dient als Bügel- und Wäschezimmer. Längst hat sich der Hausherr an sein exklusives Wohnzimmer gewöhnt, das er jeden Tag nutzt, denkt aber noch mit Schauern an den Umbau zurück. „Das war ein riesiger Aufwand, wir haben drei Jahre auf einer Baustelle gelebt. Als ich das erste Mal in die Kapelle kam, habe ich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, da lag vom Autoreifen bis zum Kotflügel und altem Schutt alles herum.“ Der Müll musste entsorgt werden, der Boden wurde um 1,30 Meter angehoben, „sonst hätten wir gar nicht aus den Fenstern gucken können.“

Das Haus wurde gegen Feuchtigkeit gesichert, die Außenmauern ausgebessert und gestrahlt, innen wurde der Raum auf Vordermann gebracht und mit hellen Fliesen versehen. Allerdings hat sich der Denkmalschutz zu einem Drittel an den Umbaukosten von 150 000 Mark beteiligt. Als alles fertig war, wurde der Raum vom örtlichen Pfarrer gesegnet.

Der Vorteil des alten Gebäudes liegt auf der Hand. Die 55 Zentimeter dicken Mauern lassen kaum ein Geräusch von der viel befahrenen Röttgener Straße durch. Man habe damals aber mit den Denkmalschützern gestritten, weil diese keine Fenster mit Doppelverglasung genehmigen wollten, berichtet der 55-Jährige. „Dann hätte man die Heizkosten nicht bezahlen können“, so Bauer. Letztendlich setzte sich der Eigentümer durch, baute neben einer Fußbodenheizung auch einen Kachelofen ein.

Wenn er Gäste empfängt, sitzen diese jedoch meist nicht im Wohnzimmer. Hinter dem Haus hat sich der passionierte Jäger in dem ehemaligen Kohlenlager und Pferdestall eine gemütliche Jagdhütte mit Sitzgruppen und Bar eingerichtet. Einen Wunsch für die Kapelle hat er gleichwohl. Er habe gehört, dass das alte Taufbecken noch in einem Privatgarten steht. „Wenn ich etwas Zeit habe, will ich mich darum kümmern, dass dieses Becken in die Kapelle zurückkehrt.“

Wer die Kapelle von außen betrachtet, wird jedoch getäuscht. Die beiden Holztüren sind Attrappen, da geht's nicht mehr rein, die Eingänge sind zugemauert. Auch die Fenster im Obergeschoss dienen nur der Optik, auch dahinter ist es zugemauert. Zutritt gibt's nur durch die Toreinfahrt neben der Kapelle. Und obwohl ein solches Objekt Begehrlichkeiten weckt, hat es in all den Jahren nie einen Einbruch gegeben. Bauer: „Da passen unsere beiden Jagdhunde gut auf.“