Landesgesundheitsminister in Bonn Laumann besucht Bonner Demenzzentrum

Gesundheitsmin. Laumann imZentrum für Demenzforschung

Venusberg. Beim DZNE informierte sich NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann am Donnerstag über den neuesten Stand der Erforschung neurodegenerativer Erkrankungen wie beispielsweise Alzheimer oder Parkinson. In NRW leben 300.000 Erkrankte.

Was haben Demenzforschung und Spielekonsolen miteinander zu tun? Auf den ersten Blick vermutlich wenig. Sechs Xbox-Konsolen sind im Flur der klinischen Forschungsabteilung des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) auf dem Venusberg installiert. Mithilfe der in den Spielekonsolen integrierten Bewegungskameras werden erste Veränderungen im Gang von Patienten ermittelt. Wie das funktioniert, hat sich NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann am Donnerstag bei seinem Besuch der Forschungseinrichtung vorführen lassen. „Wir haben es bei Demenz mit einer Massenerkrankung zu tun“, sagte Laumann. Allein in NRW sind etwa 300 000 Menschen an Demenz erkrankt, bundesweit schätzungsweise 1,6 Millionen.

Der Minister informierte sich bei seinem Rundgang über die Arbeit des DZNE und die Strategien zur Erforschung neurodegenerativer Erkrankungen wie beispielsweise Alzheimer, Parkinson oder Amyotropher Lateralsklerose (ALS). Professor Thomas Klockgether, Direktor der klinischen Forschung des DZNE, führte ihn dabei durch die Labore der Grundlagenforschung und Bereiche der klinischen Studien. „Das Besondere am DZNE ist, dass wir das Problem Demenz auf allen Ebenen angehen“, erklärte Klockgether. Die räumliche Nähe und Kooperation mit dem Universitätsklinikum Bonn stelle den Standort heraus. Die Spielekonsolen im ersten Stock der Einrichtung zeichnen den Gang der Person dreidimensional auf und senden die Bilder zur weiteren Analyse an einen Computer. „Damit kann man früheste Veränderungen im Gangbild feststellen“, so Klockgether.

Kooperation mit Pharmaunternehmen

Den Experten geht es darum, Strategien zu entwickeln, neurodegenerative Erkrankungen frühzeitig zu erkennen. So könne bereits früh mit einer medikamentösen Behandlung begonnen werden, die das Fortschreiten der Demenz hinauszögern könne – aber auch um den Patienten die Möglichkeit zu geben, selbst Vorsorgen zu treffen. Stoppen oder gar heilen lasse sich Demenz bisher nicht. Laumann lässt sich an diesem Tag die einzelnen Stationen erklären, stellt Fragen und schreitet an den Bildern vorbei, die Patienten während einer Kunsttherapie gemalt haben.

Ein Stockwerk tiefer testet Eugenio Fava, Leiter der Technologie- und Service-Abteilung, potenzielle Wirkstoffe für neue Medikamente gegen die Veränderung von Nervenzellen. Dafür kooperiert das DZNE mit einem europäischen Pharmaunternehmen. In einer mehrere Quadratmeter großen Anlage laufen die Untersuchungen komplett automatisiert ab: Die Handgriffe übernimmt hier kein Wissenschaftler mehr, sondern ein Robotersystem. Mehrere Greifarme verteilen dabei Kleinstmengen der zu testenden Substanz auf Probenhalter mit Nervenzellen. Deren Reaktion auf die Wirkstoffe zeichnet dann ein Mikroskop auf. Einen Raum weiter demonstriert Hans-Ulrich Fried, Serviceleiter des Bereichs Mikroskopie, anhand von zwei Mäusegehirnen, wie ein Lichtblattmikroskop am Computerbildschirm ein 3 D-Abbild der Probe entstehen lässt. Mehr als 1000 Patienten haben im vergangenen Jahr an den klinischen Studien des DZNE teilgenommen.

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