Streit mit Spaziergängern

Landesbehörde sperrt Waldwege im Melbtal erneut

Venusberg/Ippendorf. Wie geht das Katz-und-Maus-Spiel zwischen den Spaziergängern im Melbtal und dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) weiter? Nachdem Unbekannte die vom BLB aufgestellten Absperrungen beiseite geräumt hatten, stehen diese inzwischen wieder an alter Stelle.

Der BLB hat dabei aber indirekt zur Befriedung der Situation beigetragen, indem er nicht nur humorlose „Betreten-verboten“-Schilder aufgehängt hat, sondern inzwischen auch versucht, den Menschen den Sinn der Absperrungen zu erklären. „In Teilbereichen des Melbtals sind Gefahrenstellen (beschädigte Brücke und Treppe) auf den Wanderwegen aufgetreten“, ist auf auf den Schildern zu lesen. „Da der Wanderweg ab hier zwangsläufig zu diesen Gefahrenstellen führt, ist der Durchgang aus Sicherheitsgründen zurzeit leider gesperrt.“

Abhalten lassen sich davon aber längst nicht alle Spaziergänger im Wald. Unterhalb der Universitäts-Sportanlagen hat sich neben einer Holzabsperrung, die über den ganzen Weg reicht, schon ein kleiner Trampelpfad gebildet, der zeigt: Spaziergänger suchen sich ihre Wege selbst. Oder sie klettern einfach drüber. Denn so einfach lässt sich ein Waldstück nicht absperren, weil es zu weitläufig ist. Allerdings ist auch der Eindruck vorhanden, dass inzwischen weniger Menschen als früher im Melbtal unterwegs sind.

Einer, den das ärgert, ist zum Beispiel Karl-Heinz Rochlitz, für den der Weg unterhalb der Sportanlagen eine häufig genutzte Laufstrecke ist, die stets oberhalb (!) des Melbtals entlang führt. Deshalb widerspricht er der Darstellung des BLB: „Diesen Weg zu sperren, ist in keiner Weise nachvollziehbar“, schreibt er in einem Brief an die Behörde und bittet darum, diese Strecke möglichst rasch wieder freizugeben. Denn eine ernsthafte Unfallgefahr bestehe nur auf der wenige Dutzend Meter langen Treppe.

Was als nächstes passiert, bevor die Treppe nach der Frostperiode saniert wird, ist eine Klärung der Eigentumsfrage. Die Treppe im Wald gehört dem BLB, so wie auch zwei der acht maroden Brücken im Tal. Die Stadt Bonn hat eingeräumt, sie besitze im Tal eine Brücke, die auch entsprechend unterhalten werde. Aber was ist mit den restlichen fünf Brücken, die auch zum Teil in einem schlechtem Zustand sind und dringend saniert werden müssten?

Eigentumsverhältnisse bei Stadt angefragt

Die SPD hat deshalb eine entsprechende Anfrage gestellt und fragt die Stadt offiziell nach den Eigentumsverhältnissen im Melbtal. „Denn die bisherige Diskussion hat gezeigt, dass sich nicht alle Eigentümer ihrer Rechte und Pflichten bewusst sind“, begründen Herbert Spoelgen und Dörthe Ewald ihren Vorstoß. „Hier muss Klarheit geschaffen werden.“ So soll die Stadtverwaltung auch e beantworten, wem jeweils die Verkehrssicherungspflicht obliegt und wer für welche Abschnitte Sperrungen veranlassen kann.

Besonders die lange Treppe gegenüber des Ippendorfer Friedhofs lohnt es sich näher zu betrachten. Was der BLB als „Einbauten“ bezeichnete, hat eine lange Geschichte. Der Ippendorfer Heimatforscher Bernhard Berzheim führt in seinem Buch aus, dass die Holzbohlentreppe seit alter Zeit Engelsleiter oder Jungfrauenstieg hieß, in Mundart „Juffeletrepp“ oder auch „Jufferntrepp“. „Hier im lauschigen Tal versammelten sich früher die Ippendorfer Mädchen und erwarteten ihre Freier“, heißt es in dem Buch. „In alten Buchenbäumen findet man eingeschnittene Herzen mit den Initialen der Liebespärchen.“

Professor Wolfgang Alt vom Förderverein Poppelsdorfer Geschichte weiß in einem historischen Artikel über die Treppe zu berichten: „Sie ist spätestens im 18. Jahrhundert angelegt worden.“ Man könne aber davon ausgehen, dass schon ab dem 15./16. Jahrhundert die Nonnen des Klosters Engelthal den Wald genutzt und zum Aufstieg aus dem Melbtal die „Juffere-Trepp“ benutzt haben. Von dem Kloster hat übrigens auch der Bach seinen Namen erhalten. Auch eine Grundschule in Ippendorf trägt diesen Namen – Engelsbachschule.

Das Frauenkloster in der heutigen Engeltalstraße hatte jahrhundertelang weitreichenden Besitz von Wald- und Weideland, schreibt der Poppelsdorfer Heimatforscher Helmut Uessem. „Bezeugt ist, dass mindestens seit 1776 die Nonnen als Zugang regelmäßig die Jufferntrepp benutzt haben.“

Die weiter unten gelegene alte Melbtalbrücke aus Backstein sei schon vor 1848 gleichzeitig mit dem Gut Melb von privater Hand erbaut worden und konnte von der Trierer Straße über den Melbweg, den Nachtigallenweg kreuzend, früher hoch bis zur ehemaligen Casselsruhe auf dem Venusberg befahren werden. Die heutige, parallel verlaufende Robert-Koch-Straße war erst in den 1930er Jahren angelegt worden, berichtet Uessem.