Unwetter

Land unter im Bonner Stadtarchiv

Bonn. Norbert Schlossmacher ist sichtlich erschüttert. Vor vier Stunden watete er im Keller des Stadtarchivs im Stadthaus noch knöcheltief im Wasser. "Das ist eine Katastrophe. So etwas habe ich hier noch nie erlebt", sagt der Leiter des Stadtarchivs am späten Nachmittag.

Der Starkregen am Mittag hatte ein stillgelegtes Kanalrohr, das aus einer Kellerwand über zwei Bücherregale herausragt, wieder in Gang gesetzt. "Das Wasser schoss aus dem Rohr wie eine Fontaine. Es war nicht aufzuhalten", schildert Schlossmacher den Moment, als er mit seiner Stellvertreterin Yvonne Leiverkus in böser Vorahnung die Tür zum Keller aufschloss.

Acht Paletten mit völlig durchnässten Bücher mussten Schlossmacher und seine Kollegen aus den Regalen räumen. "Darunter sind alte Bildbände und historische Reiseberichte aus der Region", sagt der Archivar. Sie wurden ins Außenmagazin des Stadtarchivs in Sicherheit gebracht.

Jetzt sollen sie in einem speziellen Verfahren tiefgefroren, langsam aufgetaut und getrocknet werden. "Dieses Verfahren verhindert, dass sich Schimmel bildet", erklärt Schlossmacher. Die Gefrieranlagen stelle der Landschaftsverband bereit.

Noch kann Schlossmacher keine Schadenshöhe nennen. Sicher ist: So massiv wie dieses Mal hat es das Stadtarchiv noch nie erwischt. Kummer durch Wasserschäden sind Schlossmacher und seine Kollegen aber gewohnt. "Bisher tropfte es immer durch die Decke", sagt er.

Das war auch in den oberen Räumen der Fall. Dort mussten die Mitarbeiter ebenfalls Regale ausräumen und trockenwischen. Hart traf es auch den Raum der Archivwerkstatt. Dort zeugen Pfützen vom Wassereinbruch. "Leider ist auch ein Computer zerstört", bedauert der Hausherr.

Schlossmacher ist froh, dass der Schaden schnell bemerkt wurde. Und dass sich auch spontan Kollegen aus der Stadtverwaltung eingefunden haben, um beim Trocknen und Saubermachen zu helfen. "Es sind sogar zwei Kollegen vom Landschaftsverband zu uns gestoßen und haben fleißig mitgewischt", berichtet der Archivar.

Er hofft, dass er bald samt dem Archivbestand in die ehemalige Pestalozzischule umziehen kann. Dort könnte, wie berichtet, das Archiv neben dem Stadtmuseum und der Gedenkstätte für die Nazi-Opfer eine neue Bleibe finden. Die Chancen stehen gut: Der Kulturausschuss hat in seiner jüngsten Sitzung einer Zusammenlegung der drei Institutionen in der Schule einstimmig empfohlen.