Vor 30 Jahren

Lady Di gewinnt die Herzen der Bonner

Bonn. Rund 8.000 Menschen feiern vor 30 Jahren, am 2. November 1987, auf dem Bonner Marktplatz den britischen Prinzen Charles und Prinzessin Diana.

Jubel auf dem Bonner Markt am frühen Nachmittag des 2. November 1987: Der britische Thronfolger Prinz Charles und seine bezaubernde Gattin Diana besuchen die Bundeshauptstadt und gewinnen im Nu die Herzen der Bonner. Stundenlang haben die Menschen hinter den Absperrgittern gewartet, um den königlichen Auftritt mitzuerleben. Pünktlich um 14.40 Uhr rollt die Staatskarosse mit dem Wappen des Prince of Wales vor der Freitreppe des Alten Rathauses an. Oberbürgermeister Hans Daniels begrüßt seine Gäste mit einem Blumenstrauß. 8.000 Schaulustige klatschen, jubeln und schwingen Bonn-Fähnchen.

Im Mittelpunkt des Interesses steht Prinzessin Diana. Die GA-Reporterinnen Marianne Antwerpen und Regina Krieger beschreiben Lady Di: „Der kniekurze, schwarze, enge Rock brachte ihre langen Beine besonders gut zur Geltung, zur leuchtendroten, hochgeschlossenen Rips-Jacke trug sie ein kesses rotes Hütchen im Matrosenlook auf den blonden Locken.“ Die Zuschauer haben sich mit Fotoapparaten und Blumen ausgestattet. Die Royal Air Force Band aus Mönchengladbach-Rheindalen spielt „Magnificent men in their flying machines“ eigens für Prinz Charles, der auch Kommandant der Royal Air Force School in Lincolnshire ist und an diesem Tag das Flugzeug des Prinzenpaars eigenhändig von Berlin nach Bonn geflogen hat.

Kompliment an die Stadt

Im Gobelinsaal überrascht Prinz Charles mit einer Dankesrede an seine Bonner Gastgeber in fließendem, fast akzentfreien Deutsch. Er gratuliert der fast 2.000 Jahre alten Stadt Bonn „zu ihrem langen Leben“, lobt die Hauptstadt dafür, sich ihre menschliche Dimension bewahrt zu haben. Und er würdigt die gerade 40 Jahre alte Städtepartnerschaft mit Oxford – augenzwinkernd aus der Warte des Cambridge-Absolventen. Das Prinzenpaar verewigt sich im Goldenen Buch der Stadt Bonn und pflegt charmanten Smalltalk. Diana plaudert angeregt mit Stadtdirektor Dieter Diekmann. Oberbürgermeister Hans Daniels überreicht Beethovenmusik, die auch schon Urururgroßmutter Victoria zu schätzen gewusst habe.

Ein Raunen geht durch die Menge der 8.000 vor dem Alten Rathaus, als Prinz Charles spricht – vom ersten bis zum letzten Satz auf Deutsch. „Die Bonner verstanden diese königliche Aufmerksamkeit als Kompliment an ihre Stadt“, schreiben die GA-Reporterinnen Antwerpen und Krieger. Beim Rundgang über den Markt ist von der angeblichen Ehekrise des Paars nichts zu merken: Lady Di versprüht mädchenhaften Charme, drückt mit schwarzer Handschuhhand viele Bonner Hände, nimmt Blumen und Komplimente entgegen. „You are so beautiful“, schwärmt eine junge Frau und drückt Charles einen Kuss auf die Wange. „Schöne Grüße an Mama Elizabeth“, tragen viele Bonner dem Prinzen auf.

Bis in die Sternstraße stehen die Schaulustigen: Von Litfasssäulen und  Fensterplätzen winken die Fans und rufen „Hello“. „Das ist der glücklichste Tag in meinem Leben“, schluchzt eine Hausfrau. Eine andere Frau ergänzt selig: „Ein richtiger König! Nein, dass ich das erlebe!“ Ein kleines Mädchen macht Lady Di das wertvollste Geschenk: Es überreicht der Prinzessin feierlich seine Lieblingspuppe.