Kommentar zu Radabstandhaltern

Lösungen sind gefragt

Bonn. Der Abstandhalter fürs Rad ist ein gutes Beispiel für pragmatische Lösungen. Denn Ansätze für mehr Sicherheit der Verkehrsteilnehmer, vor allem derjenigen ohne Knautschzone lassen schon viel zu lange auf sich warten.

Rezo und die Klima-Kids haben es vorgemacht: Die Zivilgesellschaft muss sich endlich stärker selbst um die Themen kümmern, die uns auf den Nägeln brennen. Viel zu lange haben wir uns darauf verlassen, der Staat oder „die da oben“ könnten es alleine richten. Was dabei herauskommt, kann man in Bonn in vielen Feldern besichtigen: Gutachten, umfassende Konzepte, Arbeitskreise. Alles gut gemeint und allumfassend durchdacht. Aber eben auch dazu angetan, möglichst niemandem auf die Füße zu treten, schon gar nicht den größten Schreihälsen. Der Verkehr tritt derweil auf der Stelle.

Der Abstandhalter fürs Rad ist ein gutes Beispiel für pragmatische Lösungen. Es wäre ein Erfolg, wenn Kurierdienste, die Post oder weitere Unternehmen mit Diensträdern rasch ein paar Dutzend ordern, damit die Idee zügig auf die Straße kommt und die staugeplagten Autofahrer daran erinnert, dass einige Meter Vorsprung keine Blessuren Anderer oder Schlimmeres rechtfertigen. Dass die Polizei die Idee nicht für wichtig hält, bedarf keines Kommentars.

Allerdings darf darüber das Grundproblem nicht aus dem Blickfeld rücken. Bonn fehlen auf wichtigen Verbindungen Fahrradstraßen oder breite Radwege mit zuverlässigem Standard – vor allem in Ost-West-Richtung. Auch ein millionenschwerer Ausbau der Wege in der Rheinaue, wo kein einziger Autofahrer protestierend hinter den Bäumen hervorzuspringen droht, wird daran kein Jota ändern. Das ist eher ein ärgerliches Ablenkungsmanöver vom Stillstand.

Stadtrat und Verwaltung müssen stattdessen endlich die harten Nüsse knacken – die viel zu enge Pop-Unterführung etwa, die Rathausgasse oder die störenden Behelfsampeln an der Kreuzung Oxfordstraße/Belderberg. Sie müssen dort neue Prioritäten setzen, wo es auch wehtut. Gerade die Grünen konnten in der Verkehrspolitik lokal wenig Profil entwickeln. Immerhin sitzen sie seit vier Jahren in einer Koalition mit CDU und FDP im Alten Rathaus. Nennenswerte verkehrspolitische Akzente außer dem Fahrradverleihsystem sind in dieser Zeit nicht gelungen.