Kurfürsten Bräu AG

Kurfürsten-Kölsch spaltete seine Heimatregion

BONN. Kein anderes Bier hat in den vergangenen Jahrzehnten seine Heimatregion so gespalten wie Kurfürsten. Es wurde gleichermaßen verehrt wie abgelehnt. Es wurde sogar verulkt: An Bonner Kiosken gab es Aufkleber zu kaufen mit der Aufschrift "Abends Kurfürsten, morgens Klo bürsten".

Und dennoch, Kurfürsten ist wie Haribo und Verpoorten eine Traditionsmarke und ein Stück erfolgreicher Bonner Industriegeschichte. Am Samstag wird das letzte Fass Kölsch angeschlagen.

Im Gasthaus "Zum Gequetschten" treffen sich noch einmal die Kurfürstenfans, um vom goldgelben Hopfensaft nach Bonner Brautradition Abschied zu nehmen. Einstmals Platzhirsch in den bönnschen Kneipen, wurde 2011 nur noch in 31 Wirtschaften in Bonn und Umgebung Kurfürsten-Kölsch ausgeschenkt. Zu wenig, um rentabel zu sein.

Das Mutterhaus, die Radeberger Gruppe mit Sitz in Frankfurt am Main, hat deshalb entschieden: Am 31. Dezember 2011 ist Schluss mit Kurfürsten. Damit endet in Bonn die 321 Jahre alte kurfürstliche Brautradition. Das Siechtum der Biermarke Kurfürsten setzte schon 1988 ein: Das Brauunternehmen nahm sein Altbier vom Markt, zwei Jahre später das Kurfürsten-Pils.

Die Bierbrauer an der Bornheimer Straße und vor allem das damalige Mutterhaus in Dortmund setzten fortan auf Kölsch. Was viele Bonner wurmte: Das rheinische Brauhaus wurde seit 1950 von westfälischen Pilstrinkern gesteuert. Damals wurde die Dortmunder Union Brauerei Hauptanteilseigner am Bonner Unternehmen.

1990 zählte Kurfürsten Bräu mittlerweile zur Brau und Brunnen AG in Dortmund - und die schickte als letzten Rettungsversuch zwei Biermanager aus Westfalen ins Rheinland. Heinz Wessely und Rudolf Mertens sollten samt einer Finanzspritze in Millionenhöhe das ehemalige Flagschiff wieder auf die Erfolgsspur lotsen.

Ein Strategiewechsel beim Marketing wurde eingeleitet. Neue Flaschen und Bierkästen wurden entworfen. Im Mai 1990 feierte Kurfürsten Bräu 300 Jahre Brauereirecht in Bonn. In der Gaststätte "Im Bären" traf sich die Prominenz und hörte den legendären Satz des damaligem Oberbürgermeister Hans Daniels: "Durch Bier wird Durst erst schön."

Nur zwei Jahre später mussten die Bier-Manager das Scheitern einräumen. Der Dortmunder Aufsichtsrat verkündete nach Millionenverlusten das Aus für das Jahr 1993. Die Produktion wurde nach Köln verlagert, der Vertrieb verblieb bis Ende der 1990er-Jahre in Bonn. Kurfürsten-Kölsch blieb als Marke jedoch erhalten.

Die Stadt Bonn handelte schnell: Für das 13.500 Quadratmeter große Brauerei-Grundstück an der Bornheimer Straße wurde bereits 1993 ein Architekten-Wettbewerb ausgerufen. 1994 stellte Friedrich Ebeling, Vorstandssprecher der Brau und Brunnen, den Siegerentwurf des Kölner Architektenbüros dt8 vor.

Danach sollte das Karree in einen geschlossenen Häuserblock mit Wohnungen und Büros umgebaut werden. Brau und Brunnen trat aber nicht mehr als Investor auf, sondern verkaufte das Gelände 1997 an ein Bonner EDV-Unternehmen, das dort seinen neuen Firmensitz aufbaute.