Interview mit Konzertveranstalter Ernst-Ludwig Hartz

Kunst!Rasen verlängert bis 2021

Fünf Jahre Kunst!Rasen liegen hinter Ihnen. Sie haben eine Menge großer internationaler Namen nach Bonn geholt. Bob Dylan, Lou Reed hat eines seiner letzten Konzerte in Europa in Bonn gegeben, CSN, Chicago, Deep Purple und überhaupt die Classic Rock Reihe. Das Konzept hat sich in den letzten beiden Saisons etwas geändert. Warum?

Hartz: Ich muss mich auch danach richten, was unser Publikum sehen mag – und die deutschen Künstler sind in den letzten Jahren immer stärker geworden. Darauf muss ich natürlich reagieren und versuchen, die interessanten Acts nach Bonn zu holen.

Das ist natürlich ein Trend!

Hartz: Ja, aber man muss aufpassen und eine Mischung anbieten. Und das ist nicht ganz einfach.

Ist das Bonner Publikum vielleicht doch ein anderes als das Kölner?

Hartz: Definitiv. Die Bonner sind schwieriger zu erreichen. Das hat sicherlich auch mit dem großen Gratisangebot zu tun, das es in Bonn gibt und was nicht gerade förderlich ist für Bezahlkonzerte.

Keine Classic Rock Night dieses Jahr: Hatte das mit zeitlichen und Dezibel-Beschränkungen zu tun?

Hartz: Nein, natürlich wäre es schön, wenn wir etwas lauter spielen könnten, aber es gab diesen Sommer in unserem Zeitfenster keine passenden Künstler für die Classic Rock Night. Ich arbeite an einer neuen Ausgabe für 2018. Aber es stimmt: Es gab viele Stimmen, denen dieses Jahr der Rock gefehlt hat. Diese Zielgruppe war nicht da.

Es hatte also nichts mit der Lautstärke zu tun?

Hartz: Nein. Natürlich gibt es jedes Jahr Künstler, die sagen, mit diesen Beschränkungen kann ich nicht auftreten. Aber internationale Bands wie Dream Theater, Alice Cooper oder Deep Purple sind so professionell, dass sie sich danach richten. Da gibt es keine Diskussionen. Die haben wir meistens mit deutschen Tontechnikern. Natürlich wäre es hilfreich, wenn wir bei den besonders seltenen Ereignissen nicht dieses starre Festhalten an der Lautstärke und der 22 Uhr-Beschränkung hätten.

Es gibt in der Musikbranche derzeit eine Diskussion über die Zukunft von Festivals und die Höhe der Eintrittspreise. Wie sehen Sie das?

Hartz: Als ich im Sommer 1987 angefangen habe, Festivals zu veranstalten, gab es eine Handvoll Festivals in Deutschland – heute sind es Hunderte. Viele kleine Gemeinden und Städte haben erkannt, dass Festivals auch aus wirtschaftlicher Sicht für die Region interessant und wichtig sind. Ich wundere mich, dass sich einige Leute über die angeblich so hohen Ticketpreise auf dem Kunst!Rasen beschweren. Spielt aber ein Künstler in Köln, wird jeder Preis bezahlt und darüber nicht gesprochen.

Die Eintrittspreise ergeben sich vor allem aus Höhe der Gage und Ausgaben für Infrastruktur. Und die Gagen schießen immer weiter in die Höhe. Sägen die Künstler da nicht auch am eigenen Ast?

Hartz: Nein, durch die große Anzahl an Veranstaltungen/Festivals in Deutschland können sie sich die besten Angebote aussuchen. Es sind immer zu wenig Headliner unterwegs – somit steigen dann auch die Preise. Und die Kosten für Infrastruktur, Technik und so weiter steigen auch jedes Jahr.

Zurück zum Kunst!Rasen. Wie sehen die Perspektiven aus?

Hartz: Wir haben ja Gottseidank erstmalig einen Fünf-Jahresvertrag und deshalb endlich auch eine gewisse Planungssicherheit. Ich arbeite fleißig am Programm für 2018 und habe sogar schon Angebote für 2019.

Können Sie schon Namen nennen?

Hartz: Leider nein. Ich denke, im September können wir die ersten Namen bekanntgeben.

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