Bonner Architekten entwerfen Holzhäuser

Kubus-Haus statt Container für Flüchtlinge

Bonn. Zweigeschossige Kuben aus Holz als Flüchtlingsunterkünfte haben drei Bonner Architekten entworfen. Sie seien praktisch, behaglich – und viel kostengünstiger als die üblichen Metallcontainer, behaupten Jürgen von Kietzell, Oliver Schürzmann und Markus Thiel und nennen ihr neues Projekt kurz und witzig „Kuhbus“.

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. „Wir entwerfen und bauen relativ viel Wohnraum aus Holz, in der Regel sehr hochwertige Einfamilienhäuser“, berichtet Thiel. Sie haben ihr Architekturbüro im ehemaligen Karmeliterkloster in Pützchen. Als er im Fernsehen die vielen Flüchtlinge in den Turnhallen und kasernenartig angeordneten Containersiedlungen sah, habe er sich überlegt, ob es nicht auch temporäre Lösungen geben könnte, die menschenwürdiger sind.

Mit einem Spezialisten für energetisches Bauen seien erste Entwürfe entstanden, dann haben die drei Architekten die Idee verfeinert und mit Fertighausherstellern verhandelt, bis sie das Ergebnis erstmals Anfang des Jahres auf der Baufachmesse Deubau in Essen präsentierten.

Die Häuser bestehen aus Dreischichtplatten aus Fichtenholz. Die bis zu neun Zentimeter dicken Bauteile sind bis auf acht Prozent Holzfeuchte getrocknet, so dass sich später keine Risse mehr bilden können. Die Fassade besteht aus zusätzlich zementgebundenen Holzpressplatten, was die Häuser feuerfest und genauso langlebig macht wie Häuser in Massivbauweise, so die Architekten. „Ein Vorteil unserer Bauten ist, dass innen die Holzmaserung sichtbar bleibt. Eine behagliche, ruhige und warme Wohnatmosphäre ist gerade für traumatisierte Menschen wichtig“, meint Thiel.

Auswirkungen der Unterkünfte auf die Psyche der Bewohner

Eine Studie der Robert-Bosch-Stiftung weist darauf hin, dass sich Gemeinschaftsunterkünfte mit einem „kasernenartigen Charakter“ negativ auf Körper und Geist der Bewohner auswirke. Die Experten empfehlen dezentrale Unterbringungen, wo auch strukturelle Trennungen, etwa Minderjähriger von Erwachsenen, Männer von Frauen beziehungsweise Familien möglich sind.

„Unsere Kuben lassen sich in ihren Grundschnitten variabel konfigurieren und zugleich so flexibel anordnen, dass man sie praktisch auf jedem Grundstückszuschnitt aufstellen kann“, sagt Schürzmann. Die Architekten haben das exemplarisch auf einem Areal am Herz-Jesu-Kloster in Pützchen durchgespielt. Dort könnten 170 bis 192 Flüchtlinge in einem Kubus-Dorf untergebracht werden. In den durchgerechneten Kosten von knapp 2,7 Millionen Euro wären Erschließung und Anschlusskosten und sogar die individuellen kleinen Küchenzeilen inklusive.

Containersiedlungen gleicher Größe veranschlagte die Stadt Bonn bisher mit 3,5 bis fünf Millionen Euro. „Unsere Variante stellt jeder Bewohnergruppe oder Familie eine eigene Küche zur Verfügung. Das spart bei Betrieb der Anlage Geld gegenüber einer zentralen Großküche und versetzt die Menschen in Lage, selbst für sich zu sorgen“, so von Kietzell.

Häuser können wieder abgebaut werden

Die Bauteile würden komplett in Werkshallen vorgefertigt und vor Ort auf Wunsch entweder auf Betonfundamenten oder Stahlkonstruktionen montiert. Badezimmer werden wie Boxen in die Unterkünfte hineingestellt.

„Die Häuser können wieder demontiert werden, so dass nicht das Geringste auf dem Areal mehr zurückbleibt“, so von Kietzell. Vor allem ließen sich die Häuser durch einfache Ergänzungen zu Sozialwohnungen oder Studentenapartments umbauen. „Wenn sie als Flüchtlingsunterkünfte nicht mehr benötigt werden, können sie mit einfachen Mitteln aufgerüstet werden“, erklärt von Kietzell.

Die Architekten haben ihre Idee bereits an verschiedenen Stellen vorgestellt. Ein Vertrag „mit einer kleinen Gemeinde im Rhein-Sieg-Kreis“ stehe kurz vor der Unterschrift, bei der Stadt Bonn sei man auch schon vorstellig geworden. „Die Architekten haben die Möglichkeit, sich – wie jeder andere auch – auf die anstehenden funktionalen Ausschreibungen zu bewerben“, erläuterte Bonns Stadtsprecherin Monika Hörig.

„Die Idee finde ich nicht schlecht“, meint CDU-Fraktionsgeschäftsführer Georg Fenninger, der ebenfalls auf die geplante Ausschreibung hinweist, die der Bau- und Vergabeausschuss kommenden Donnerstag beschließen soll. Der Rat habe bewusst eine „funktionale Ausschreibung“ gefordert, damit sie möglichst offen gestaltet werden könne, was Architektur und Bauweise der Unterkünfte betrifft. Peter Kox und Angelika Esch (beide SPD) haben die konkreten Kuhbus-Pläne zwar noch nicht gesehen, finden es aber grundsätzlich begrüßenswert, dass die Unterkünfte zweigeschossig sind, weil dadurch mehr Fläche gespart werden könne. Kox: „Wir finden jede Lösung gut, die menschenwürdige und vernünftige Unterbringungen vorsieht.“