Seilbahn auf den Venusberg

Kritik der Öffentlichkeit nimmt zu

Die kuppelbare Zehner-Kabinenbahn in Ankara verbindet über vier Stationen den Stadtteil Sentepe mit dem Zentrum. FOTO: LEITNER ROPEWAYS

Die kuppelbare Zehner-Kabinenbahn in Ankara verbindet über vier Stationen den Stadtteil Sentepe mit dem Zentrum. FOTO: LEITNER ROPEWAYS

BONN. Nach dem Bürgertreffen am 5. Oktober zur Machbarkeit einer Seilbahn auf den Venusberg wird das Online-Diskussionsforum der Stadt etwas stärker genutzt. Rund 130 Meinungen und etwa ebenso viele Kommentare sind seitdem eingegangen.

Zum Vergleich: Nach dem ersten Treffen am 22. Juni waren es 31 Meinungen und 32 Kommentare bis Mitte September. Noch etwas anderes fällt auf: Seit das von der Stadt beauftragte Gutachterbüro Verkehr, Städtebau und Umweltschutz GmbH Anfang Oktober mögliche Trassenverläufe zwischen UN-Campus und Venusberg mit möglicher Anbindung ins Rechtsrheinische vorgestellt hat, werden die Einträge und Bemerkungen zunehmend negativ. Wie der GA am Dienstag berichtete, hatte auch das Bonner Umfrageinstitut Infas nach der Akzeptanz einer Seilbahn gefragt: Nur 36 Prozent der 802 befragten Bürger signalisierten Zustimmung für ein solches Projekt.

Auf dem städtischen Bürgerportal ist die Rede von „städtebaulichem Wahnsinn“, „Bürgerverarsche“ und von einem neuen „Pleitegeier“, der Bonn heimsuchen würde, sollte die Machbarkeitsstudie den Bau einer Seilbahn für wirtschaftlich halten und es zu einem entsprechenden Ratsbeschluss kommen. Ein namenloser Gast schreibt: „Die Probleme der Anwohner des Venusberges werden lediglich auf andere Stadtteile verschoben und sogar noch vergrößert.“

Ein anderer befürchtet: „Man spart das Geld an anderen Strecken wieder ein, durch weniger dichte Taktung, Streichung von Bussen und Bahnen.“ Für direkte Anwohner denkbarer Trassen sind die Verschattung durch Gondeln über ihren Häusern und die Einblicke auf die Terrasse durch Seilbahnfahrer ein Problem. Moderator Heiner Monheim, den die Stadt mit der Organisation der Bürgerbeteiligung betraut hat, wird als „Moderator, der den ,Bürgerdialog' aussetzt, weil es zu viele Stimmen dagegen gibt“ bezeichnet.

Nach dem ersten Bürgerdialog waren etwa zwei Drittel der Beiträge (auch über Fragebögen der Dialog-Besucher) positiv oder neutral, der Rest negativ. Der Trend hat sich umgekehrt. Ein Befürworter sieht den Bürgerdialog folgendermaßen: „Es ist hier wie in der realen Welt. Wer dafür ist, sagt nicht viel, und wer dagegen ist, schreit am lautesten. Und wenn dann doch mal einer für die Seilbahn ist, kommen direkt die Gegner und reden denjenigen schlecht oder schreiben direkt zynische Kommentare.“

Unter den Pro-Rednern sind auch welche, die sich als Anwohner zu erkennen geben und einen Nutzen in einer Seilbahn sehen. Die Stadt hat Anfang der Woche angekündigt, dass sie die für 3. November terminierte Bürgerveranstaltung auf unbestimmte Zeit aussetzt. Als Reaktion auf zunehmenden Gegenwind will die Verwaltung diese Verschiebung nicht verstanden wissen. „Wir haben bei der letzten Dialogveranstaltung gemerkt, dass die Bürger viele Fragen gestellt habe, die der Gutachter noch nicht beantworten kann“, so Vize-Stadtsprecher Marc Hoffmann.

Das seien etwa Fragen zu den Kosten, zum genauen Bahnsystem oder zur Kabinengröße. Ein weiteres Treffen ergebe keinen Sinn, ohne auf diese Fragen Antworten liefern zu können.