U-Bahn am Hauptbahnhof

Kritik an neuen Schildern an Haltestelle in Bonn

Bonn. Die U-Bahn-Haltestellen am Bonner Hauptbahnhof haben eine neue Beschilderung. Diese ruft bei Fahrgästen Kritik hervor. Die Schrift sei zu klein und die spiegelnde Oberfläche mache sie schwer lesbar.

Otto Schröder kennt sich im Hauptbahnhof aus, der gebürtige Bonner braucht die neue Beschilderung an den U-Bahn-Haltestellen nicht, um sich zurechtzufinden. Wäre das nicht der Fall und würde er auf die Beschilderung angewiesen sein, wäre er von den neuen Infotafeln, die die Bonner Stadtwerke dort aufgehängt haben, nicht begeistert, gerade jetzt, da er sich mit Krücken fortbewegen muss. Die Schrift darauf findet er zu klein. „Es ist nicht so schön, wenn man erst hingehen muss, um das lesen zu können.“ Das gelte besonders für die Hinweistafeln, die über den Treppenaufgängen angebracht sind.

Eine ältere Kölnerin, die auf die U-Bahn wartete, konnte dem nur zustimmen. Aus gut zehn Metern Entfernung konnte sie nicht mehr gut lesen, worauf die grauen Tafeln hinweisen. „Und vor allen Dingen blendet das ein bisschen“, meinte sie. „Das könnte man ein bisschen anders machen.“ Die Schilder waren GA-Leserin Johanna Stein aufgefallen. Es seien zwar viele Informationen und Wegweiser hinzugekommen. „Allerdings hat man für diese Schilder eine Schriftgröße gewählt, die so klein ist, dass man sie schon aus einigen Metern Entfernung nicht mehr entziffern kann.“

Auch sie bemängelt die reflektierende Oberfläche der Beschilderung. „Hängt diese unter einer Lampe, so spiegelt sich das Licht sehr stark darin und macht das Ablesen einzelner Zeilen unmöglich.“ Sie frage sich, „ob diese Beschilderung im Sinne des demografischen Wandels und der Barrierefreiheit überhaupt vertretbar ist“. Schon sie als „Normalsehende“ habe Probleme, die Schrift aus einiger Entfernung zu entziffern. „Wie muss es da erst jemandem gehen, der sehbehindert ist oder an einem Grauen Star leidet?“

Beschilderungskonzept mit Behindertengemeinschaft abgestimmt

Die Schriftgröße für die Hinweise auf den Schildern wurde einheitlich gewählt, da auf beiden Seiten unterschiedlich viele Informationen aufgedruckt werden mussten. „Das glänzende Format resultiert aus der aufgebrachten Anti-Graffiti-Beschichtung“, teilt SWB-Pressesprecher Michael Henseler auf Anfrage mit. Diese, erklärt er, schütze den Lack vor Schmierereien und vor Aufklebern. „Die können aktuell ohne großen Aufwand und ohne Rückstände einfach wieder abgezogen werden. Das wäre bei einer matten Version nicht der Fall.“

Man sei aber dankbar für Hinweise zu Problemstellen und werde Optimierungsmöglichkeiten prüfen. „SWB Bus und Bahn hat das gesamte 'Beschilderungskonzept' für den U-Bahn-Bereich des Bonner Hauptbahnhofs mit der Behindertengemeinschaft Bonn intensiv abgestimmt“, so Henseler. Johannes Wiedemann von der Behindertengemeinschaft Bonn bestätigt eine grundlegende Zusammenarbeit. „In diesem Zusammenhang haben wir 2015 auch die Grundsätze eines weitergehenden Beschilderungskonzeptes anhand einer Präsentation besprochen“, teilt er mit.

Verabredet sei gewesen, dieses Konzept zunächst an einer Haltestelle zu realisieren und dann gemeinsam mit Betroffenen vor Ort Dinge wie Schriftgröße und Erkennbarkeit zu begutachten. „Der Ablauf wurde aber in den Folgejahren von den SWB geändert und das Konzept ohne diese Überprüfung in die Praxis umgesetzt.“ In den allermeisten Fällen seien die Ergebnisse zufriedenstellend gewesen. „Die konkrete Situation der Schilder über den Verbindungstreppen der Bahnsteige am Hauptbahnhof halten wir auch für verbesserungsfähig hinsichtlich Schriftgröße und Blendfreiheit“, so Wiedemann. „Mit den SWB sind wir diesbezüglich im Gespräch.“