Stagnation oder Fortschritt?

Kritik am Bonner Radverkehr polarisiert

Die Siegfried-Leopold-Strasse in Bonn ist eine sogenannte Fahrradstraße.

Die Siegfried-Leopold-Strasse in Bonn ist eine sogenannte Fahrradstraße.

Bonn. Das ehrliche Wort von Verkehrsdezernent Helmut Wiesner, Bonn sei von einer Fahrradhauptstadt meilenweit entfernt, schlägt hohe Wellen. Bürger Bund und Ratskoalition sehen dagegen Fortschritte.

Nachdem der Bonner Verkehrsdezernent Helmut Wiesner am Wochenende bei einer Diskussionsveranstaltung jahrzehntelange Fehlplanungen beim Bonner Radverkehr angeprangert hatte, beklagen einige Oppositionsfraktionen fehlende Entscheidungsfreude der aktuellen Ratskoalition. Beim Bundesförderprojekt Lead City für einen attraktiveren Nahverkehr seien Verbesserungen der Radinfrastruktur gar nicht berücksichtigt worden, so die SPD.

„Dieser Mut fehlte der Ratskoalition aus CDU, Grünen und FDP wie so oft. Das Ergebnis sind dann Entscheidungen, die zwar zwischen den Koalitionsfraktionen konsensfähig sind, für unsere Stadt aber eher als Bremsklotz wirken“, erklärte Gabi Mayer. Die SPD unterstütze nun eine Ausweisung der Kaiserstraße als Radstraße, eine fahrradfreundliche Lösung beim City-Ring und den vom ADFC vorgeschlagenen Ausbau von Fahrradrouten.

Auch der Linken-Stadtverordnete Holger Schmidt kritisiert die Koalition: „Es trifft schlicht zu, dass der Ratskoalition mit Beteiligung der Grünen für eine Verkehrswende jeglicher Elan fehlte.“ So sinnvoll einzelne Maßnahmen wie die Radrouten seien, „ohne konsequente auch räumliche Bevorzugung von ÖPNV sowie Fuß- und Radverkehr werden keine verkehrspolitischen Erfolge zu erzielen sein“, so Schmidt.

Die Sozialliberalen halten Stadtbaurat Wiesner vor, er verkenne seine eigene Verantwortung der jetzigen Situation. Zielführende Beschlussvorlagen lägen der Politik bislang nicht vor, erklärte Fraktionschef Felix Kopinski. Der verkehrspolitische Sprecher der Solis sieht auch bei der aktuellen Verkehrsplanung vor dem Hauptbahnhof „erhebliche Gefahrenpunkte für Radfahrer“, die den Bekundungen zur Fahrradhauptstadt widersprechen würden. Wiesner hatte bei der Diskussion erklärt, über das Ziel, Bonn bis 2020 zur Fahrradhauptstadt zu machen, könne er lediglich lachen.

Der Bürger Bund Bonn hält die Kritik Wiesners an politischen Entscheidungen der Vergangenheit dagegen für „wenig berechtigt“. Fraktionschef Marcel Schmitt nennt die Ausweisung von Fahrradstraßen, den Rückbau der Kennedybrücke auf eine Fahrspur pro Richtung und die Fahrradwege Adenauerallee und am Bertha-von-Suttner-Platz als positive Beispiele.

Die Koalition aus CDU, FDP und Grünen erklärte, einige Projekte wie die Ausweisung von Fahrradstraßen, die Anlage von Radschutzstreifen, Abstellanlagen und das Fahrradmietsystem seien bereits umgesetzt, aber auch sie wünsche sich eine schnellere Umsetzung für die Zukunft. Priorität hätte unter anderem die Umgestaltung der Kaiserstraße mit mehr Platz für Radler, eine Ost-West-Verbindung durch die Innenstadt zum Rhein und die Radpendlerroute von Bornheim über Alfter nach Bonn. Jamaika begrüße auch die Vorschläge des ADFC.