Bonner Münster

Krippe zeigt nicht nur heile Welt

Streit, Diebstahl, Elend und Ignoranz: Die neue Krippe im Bonner Münster entspricht nicht dem traditionellen Bild einer Kirchenkrippe, sondern soll aufrütteln und nachdenklich machen. FOTO: STEFAN KNOPP

Streit, Diebstahl, Elend und Ignoranz: Die neue Krippe im Bonner Münster entspricht nicht dem traditionellen Bild einer Kirchenkrippe, sondern soll aufrütteln und nachdenklich machen.

BONN. Die neue Stadtkrippe will provozieren: Sie zeigt eine "unheile Stadt", in der sich vor der schönen Bonner Kulisse die Töpferin mit dem Gemüsehändler streitet, während eine Frau von dessen Stand einen Apfel klaut.

Man sieht einen Mann, der eine Frau schlägt, einen Migranten mit abgelehntem Asylantrag, Prostitution und einen Priester, der einem Obdachlosen den Rücken zuwendet, ihn nicht wahrnimmt oder gar ignoriert - auch in der Kirche ist nicht alles heil.

Ganz rechts in der Ecke sieht man eine Person, die das alles mit ansieht und sich die Haare rauft. "Das ist Johannes der Täufer", erklärte Stadtdechant Wilfried Schumacher gestern bei der Eröffnung der Stadtkrippe im Münster, die zum zweiten Mal kein traditionelles Bild mit Felsen und Stall darstellt.

"Sie zeigt die nackte Wahrheit", sagte Pressesprecher Reinhard Sentis. "Die Schönheit der Stadt, aber auch das, was im Zwischenmenschlichen alles unheil sein kann." Johannes sieht das alles, und laut Sentis wird er für die weitere Gestaltung der Krippe noch eine Rolle spielen.

Denn die Krippe wird wieder jede Woche ein anderes Aussehen haben: Das geht im Detail los - aus dem Lehmklumpen, an dem die Töpferin arbeitet, wird zum Beispiel ein Gefäß -, zeigt sich aber besonders in den Figurenkonstellationen. Viel wollten Schumacher und Sentis nicht verraten. Nur so viel: Es kommen Figuren wie der Straßenmusiker namens Beethoven und eine Caritas-Pflegeschwester hinzu.

Seit letztem Jahr sind sechs neue Figuren hinzugekommen, die von Bonnern gestiftet wurden. Besagte Töpferin hatte Beate Muser beigesteuert. Die Figuren wurden in Oberammergau geschnitzt und in Bonn von Ehepaar Krimhild und Josef Feikes aus Endenich detailverliebt eingekleidet. Neu in der Kulisse ist die Kreuzkirche, laut Schumacher eine Anregung von Besuchern im letzten Jahr, die man gerne aufgenommen hatte.

Die Stadtkrippe soll aufrütteln und nachdenklich machen. Daneben gibt es bis Heiligabend ein umfangreiches Programm unter dem bekannten Motto "Das Beste kommt noch". Neu sind die "Nachtschwärmer"-Gottesdienste an allen Adventssonntagen ab 21 Uhr mit Musik. Heute, Samstag, wird ab 18 Uhr der Advent und das neue Kirchenjahr eingeläutet.

Am Sonntag, 30. November, spielt das Große Blasorchester des Kardinal-Frings-Gymnasiums ab 16 Uhr. An den darauffolgenden Sonntagen gibt es zur gleichen Uhrzeit "Musik zum Advent". Am Samstag, 20. Dezember, singt die Chorgemeinschaft Sankt Marien ab 21 Uhr. Das Münster schließt am Mittwoch, 24. Dezember, um 12.30 Uhr seine Tore bis 21.45 Uhr, um 23 Uhr beginnt dann die Christmette. Das Programm geht noch bis 11. Januar 2015 weiter.

Info

Das Programm liegt im Bonner Münster aus und kann auf www.das-beste-kommt-noch.de eingesehen werden