Kommentar zum Nahverkehr in Bonn

Krempelt die Ärmel hoch!

Der Eingang zur SWB-Zentrale.

Der Eingang zur SWB-Zentrale.

Bonn. Um den Nahverkehr in Bonn ist es schlecht bestellt. Die Stadtwerke Bonn sollten Fahrgästen, die kreativ mit den Missständen umgehen, dankbar sein, kommentiert Dylan Cem Akalin.

Die Bus- und Bahnverbindungen in dieser Stadt sind die gefühlt schlechtesten in Deutschland. Im Preissegment liegen wir hinter Hamburg, Lübeck und Nürnberg auf dem vierten Platz des teuersten ÖPNV der Republik. Wer den Personennahverkehr der Bundesstadt regelmäßig nutzt, weiß, dass es keinen Tag ohne Ausfälle und Verspätungen klappt. Wenn gar mal Großveranstaltungen wie der Bonn-Marathon am vergangenen Sonntag anstehen, scheinen die Bonner Stadtwerke komplett überfordert. An den Haltestellen der Linie 66 gab es gerade mal den Hinweis, dass die Bahnen nicht die Kennedybrücke queren. Abfahrtszeiten? Fehlanzeige.

Apropos Fehlanzeige. Auch die Infoanzeigen sind etwas für Spielertypen unter den Fahrgästen. Bahnen, die angeblich gleich die Haltestelle anfahren, kommen nicht, Abfahrtszeiten sind eher Richtwerte.

Bei Fahrgästen wie Jens Peters, die dieses Trauerspiel mit kreativem Sarkasmus quittieren, müssten sich die Stadtwerke eigentlich bedanken, statt ihnen mit Anzeige zu drohen, weil durch das einfallsreiche Plakat „Klebeschäden“ entstanden seien. Was anderes fällt den SWB also nicht ein? Wie wär's mit einer Dauerentschuldigung bei ihren Kunden, die trotz des miesen Angebots immer noch in Busse und Bahnen einsteigen, die noch dazu in bemitleidenswertem Zustand sind?

Mal im Ernst. Die SWB Bus und Bahn haben nicht nur ein Imageproblem. Der Verkehrsdienstleister wird seinem Anspruch, Tausende von Menschen sicher, pünktlich und zuverlässig zu befördern, nicht gerecht. Die Kritik wird von Nutzern schon seit Jahren geäußert. Passiert ist bis heute leider nichts. Dazu gehört auch eine zeitgemäße Anpassung des gesamten Netzangebots, wie beispielsweise eine Direktverbindung vom ICE-Bahnhof in Siegburg zu den Arbeitsplatzschwerpunkten im ehemaligen Bundesviertel bis nach Bad Godesberg über Beuel und die Südbrücke. Krempelt endlich mal die Ärmel hoch.