Kommentar zum Umbau des Verteilerkreises

Kreisel mit Risiken

Der Verteilerkreis am Potsdamer Platz mit seinen fünf Zu- und Abfahrten. Links unten der Autobahnzubringer.

Der Verteilerkreis am Potsdamer Platz mit seinen fünf Zu- und Abfahrten. Links unten der Autobahnzubringer.

Bonn. Der Landesbetrieb Straßen NRW holt elf Jahre alte Pläne der Stadt aus der Schublade und plant, den Verteiler am Potsdamer Platz zu einem Turbokreisel umzubauen. Der Bau birgt durchaus auch Risiken, kommentiert Philipp Königs.

Der Ausbau des Verteilerkreises ist sicherlich ein nachvollziehbarer Eingriff in den Straßenverkehr an einem Bonner Knotenpunkt, den täglich Zehntausende Fahrzeuge passieren. Zumal er einen besseren Verkehrsfluss in Aussicht stellt in einer Zeit, in der die Autofahrer sich auf deutlich längere Durchfahrtszeiten in Bonn während einer straßenbauintensiven Zeit einstellen müssen und die Ausfahrt Tannenbusch teils gänzlich wegfallen wird. Der Bau birgt aber auch durchaus Risiken. Der Radius wird nicht erheblich vom heutigen abweichen.

Fünf recht dicht beieinanderliegende Ein- und Ausfahrten steuert dieser Verteiler. Die geplante zweispurige Einfahrt über den westlichen Lievelingsweg, die den von der Autobahn kommenden Fahrzeugen Vorfahrt gewähren müssen, ist schon heute eine heikle Stelle. Im Oberbergischen hat die dortige Verwaltung wegen der Zunahme von Unfällen in einem Turbokreisel „Berliner Kissen“ vor die Einfahrten bauen lassen, um die Autos zu einer langsameren Fahrt zu zwingen. Der Zebrastreifen für Fußgänger und Radfahrer am Heinrich-Böll-Ring ist gegenwärtig nur mit größter Vorsicht sicher passierbar. Durch eine zweite Einfahrtsspur wird es kaum besser.

Im deutschen Straßenraum existieren bis dato deutlich weniger Turbokreisel als beispielsweise in den Niederlanden oder in Frankreich, wo es schon lange rund geht. Die Autofahrer hierzulande haben weniger Erfahrung. Es wird darauf ankommen, deutlich mit Schildern und Markierungen zu arbeiten, damit der Verkehr sich vor dem Kreisel richtig einfädelt. Das Grundprinzip lautet: Wer auf der linken Spur in den Turbokreisel einfährt, bleibt länger im Verteiler als der Autofahrer auf der rechten Spur. Weil es zu Unfällen beim Spurwechsel kam, hat die Stadt dieser Tage am Trajektkreisel einen Fahrstreifen in Richtung Bad Godesberg abmarkiert. Dort fährt kein Auto mehr. Aus Fehlern hat sie in diesem Fall gelernt.