"Barber Angels" in Bonn

Kostenloser Haarschnitt für Obdachlose

Die "Barber Angels Brotherhood" frisieren Obdachlose in den Räumen des Vereins für Gefährdetenhilfe.

Die "Barber Angels Brotherhood" frisieren Obdachlose in den Räumen des Vereins für Gefährdetenhilfe.

Bonn. „Barber Angels Brotherhood“ schneiden Obdachlosen und Bedürftigen kostenlos Haare und Bärte. Bundesweit besuchen die Friseure des Clubs „seit November 2016 jeden Monat Obdachlose und andere Bedürftige". Am Montag waren sie mit ihrer Aktion in Bonn zu Gast.

„Apostel Honesty“ (Ehrlickkeit) steht in großen weißen Buchstaben auf der schwarzen rockerähnlichen Kutte von Sylvia Gleich. Daneben das Logo der „Barber Angles Brotherhood“ mit den Utensilien des Barbierhandwerks beschützt von den Flügeln eines Himmelsboten. In der um die Hüfte gebundenen schwarzen Tasche stecken Scheren und Kämme.

Auf einem Tisch neben dem Klappstuhl für die Kunden liegen Bürsten, Föhn und ein Mittel für eine Shampoohaube. Die 46-jährige Friseurin aus Mönchengladbach ist eine der fünf frisierenden Engel die 40 Obdachlosen und Bedürftigen ihm Haus des Vereins für Gefährdetenhilfe (VfG) drei Stunden lang kostenlos die Haare schneiden und den Bart stutzten.

Frisör Claus Niedermeier aus Biberach an der Riß hat die Barber Angels nach einem TV-Bericht über frierende Obdachlose im November 2016 gegründet.

Mit seiner Idee begeisterte er auch seine Kollegen Sylvia und Ulrich Gleich, die er von einem gemeinsamen Lehrgang her kennt. Zur Anwendung bei der Aktion in Bonn kommt ein durchschnittlich 30 Minuten dauernder Faconschnitt: Nacken frei, Seiten schmal, oben länger.

Apostel Sylvia ist begeistert von ihrer Bonner Klientel: „Ich trage das Herz auf Zunge, bin offen und ehrlich. Bei unserer Premiere in München waren die Menschen eher skeptisch und verschlossen. Einfach toll wie sich die Bonner offenbaren. Manche Schicksale gehen einem unter die Haut.“

So das von Jens, der in der halben Stunde mit nichts hinter dem Berg hält und offen über sein Leben am Abgrund redet. 35 seines 56 Jahre währenden Lebens hing er an der Nadel. 25 Jahre hat er wegen Drogenhandels und Beschaffungskriminalität im Knast verbracht.

Seit einem Jahr kommt er nach einer Therapie zum VFG, um sich im Rahmen der Entgiftung behandeln zu lassen. „Hier wird mir sehr geholfen. Ich will raus aus meinem Elend. Es ist sehr schwer, aber ich will das unbedingt schaffen“, erzählt Jens.

Die Aktion der Barber Angels findet er großartig. „Es ist sehr angenehm, sich mal wieder von einer Frau die Haare schneiden zu lassen“, lobt Jens die Arbeit von Engel Sylvia, dem das Kompliment ein dankbares Lächeln ins Gesicht zaubert. Auch Gatte und Kollege Ulrich Gleich ist über die große Resonanz im bald 40 Jahre bestehenden Bonner Verein sehr erfreut: „Wir stehen alle viel näher am Abgrund als wir glauben. Ich weiß um die Höhen und Tiefen des Lebens und bin dankbar, anderen helfen zu können. Lob ist unser Lohn“, sagt das Gründungsmitglied.

Gründer Claus Niedermeier sieht sich auf der Sonnenseite des Lebens und verpflichtet, etwas zurückzugeben - vor allen den Menschen, die auf der Schattenseite stehen. „Die Nächstenliebe ist unser Motor. Wir wollen den Menschen wieder Würde und Selbstbewusstsein geben“, sagt der katholische Christ.

Dem kann die Troisdorferin Lissi Kövari ,die bei Niedermeier in die Lehre gegangen ist, nur zustimmen: „Es ist ein großartiges Gefühl, zu erleben wie Obdachlose wieder ein wenig Würde empfinden.“ So geht es auch Jens nach einem kurzen Blick in den Spiegel: „Wunderbar.“