30 statt 13 Millionen Euro

Kostenexplosion am Bonner Hauptbahnhof

BONN. Am Bonner Hauptbahnhof explodieren die Kosten. Wie die Deutsche Bahn mitteilte, wird die umfangreiche Sanierung knapp 30 Millionen Euro verschlingen. Bei Baubeginn im November 2016 waren Bahn, Bund und Nahverkehr Rheinland von 13 Millionen Euro ausgegangen.

Die Modernisierung des Bonner Hauptbahnhofs kostet mehr als das Doppelte des ursprünglich veranschlagten Preises. Wie die Deutsche Bahn (DB) auf Anfrage mitteilte, wird die umfangreiche Sanierung knapp 30 Millionen Euro verschlingen. Bei Baubeginn im November 2016 waren die DB und die Finanzpartner von Bund und Nahverkehr Rheinland (NVR) von 13 Millionen Euro ausgegangen.

Hallendach treibt Kosten hoch

Als Hauptgrund für diese Kostenexplosion nennt ein Bahnsprecher aus Düsseldorf die Sanierung des denkmalgeschützten, 130 Jahre alten Hallendachs. „Bei genauer Betrachtung haben die Restaurateure an vielen Stellen Risse festgestellt, die in der Vorplanung nicht abzusehen waren“, erklärte er. Die Beschädigungen seien teilweise so gravierend, dass bei der Aufarbeitung zusätzlich Statiker hinzugeholt werden müssten. Sie begutachten die Dächer ein weiteres Mal.

Auch die aktuellen Marktpreise in der Baubranche hätten zur Verteuerung geführt. „Sie liegen deutlich über dem bekannten Niveau aus der Vergangenheit“, erklärte der Bahnsprecher. Allerdings hat die DB auch den Sanierungsumfang im Laufe der Arbeit erweitert.

Der Sprecher nennt den „Austausch von Fahrtreppen und die Modernisierung des Hausbahnsteigs im Anschluss an die Arbeiten am Hallendach“ als Beispiel. Die Bahn habe sich entschlossen, neben der bereits erfolgten Kanal- und Abwassersanierung im Anschluss den Boden neu zu legen. „Das ergibt allerdings erst Sinn, wenn das Dach fertig ist.“

Die Freigabe des für den Zugverkehr derzeit gesperrten Hausbahnsteigs (Bahnsteig 1) sei für den Regionalverkehr weiterhin im ersten Quartal 2019 geplant. Der neue Boden werde im laufenden Betrieb eingesetzt. Die Bahn will die Modernisierung bis Ende 2019 abwickeln. Damit läge sie weiter im ursprünglich genannten Zeitplan. Eine weitere Sperrung von Bahnsteigen für den Zugverkehr sei nicht geplant.

Demontage erfolgt in sieben Abschnitten

Derzeit läuft die aufwendige Instandsetzung des Hallendachs. Die Demontage von Dachhaut, Trägerelementen und Stützen erfolgt in sieben Abschnitten. Die Bestandteile werden ins Ruhrgebiet gebracht und dort unter den Augen eines externen Güteprüfdienstes aufgearbeitet. Die Kernarbeit fällt also nicht am Bahnhof selbst an. Deshalb seien auch nicht regelmäßig Bauarbeiter vor Ort, erklärte die DB. Nach der Restaurierung werden die Teile wieder montiert und der nächste Abschnitt folgt. Der Bahnhof soll außerdem durch den Einbau neuer Lampen heller und freundlicher werden.

Die Kosten für die Modernisierung teilen sich DB, Bund und der Nahverkehr Rheinland zu jeweils einem Drittel. Die Zuschüsse laufen über das Projekt „1von150“, im Rahmen dessen die DB in Nordrhein-Westfalen bis 2023 insgesamt 150 Bahnhöfe auf Vordermann bringt.

Die stark gestiegenen Preise in der Baubranche gibt auch die Stadt Bonn als einen Hauptgrund für die Kostenexplosion in der Beethovenhalle an. Die laufende Sanierung und Erweiterung des denkmalgeschützten Gebäudes sollte ursprünglich 61,5 Millionen Euro kosten. Inzwischen liegt die Prognose bei rund 87 Millionen Euro.