Fertigstellung 2021

Kosten für Neubau der Viktoriabrücke gestiegen

Bonn. Nach dem Abriss der östlich gelegenen Hälfte der Viktoriabrücke ist jetzt der Startschuss für den Neubau des Brückenteils erfolgt. Die Fertigstellung ist für Ende 2021 geplant. Teurer wird der bisher auf 24,6 Millionen Euro geschätzte Bau auf jeden Fall: Wie hoch, ist noch unklar.

Die Viktoriabrücke als äußerst wichtige Verbindung zwischen dem Bonner Norden und der Süd- sowie der Weststadt wird immer mehr zum Nadelöhr: Auf der östlich gelegenen Seite startet jetzt nach anderthalbjährigen Abbrucharbeiten der Neubau des ersten Brückenabschnitts. Auf der gegenüberliegenden Seite behindert seit einigen Wochen zusätzlich eine Kanalbaustelle den Auto- und Fahrradverkehr.

Dort muss der Kanal zwischen Thoma- und Bornheimer Straße saniert werden. Im August sollen der Stadt Bonn zufolge allerdings diese Bauarbeiten abgeschlossen sein. Mit der Fertigstellung der neuen Viktoriabrücke rechnet die Stadt nach jetzigem Stand Ende 2021. Ob dieser Termin eingehalten werden kann, ist indes fraglich. Im Zuge des Neubaus ist auch eine Rampe von der Viktoriabrücke aus stadteinwärts zum neuen Kreisel an der Ecke Thoma᠆straße/Alter Friedhof geplant, um künftig die Bornheimer Straße vom Autoverkehr zu entlasten. Die Bornheimer Straße soll nach Fertigstellung der Viktoriabrücke umgestaltet und verkehrsberuhigt werden. Die Verkehrsplaner rechnen für diesen Abschnitt damit, dass sich der Verkehr auf der Bornheimer Straße um bis zu 70 Prozent reduziert, wenn der Durchgangsverkehr wegfällt.

Vergeben wurde jetzt Vize-Stadtsprecher Marc Hoffmann zufolge das „Hauptbaulos“. Es umfasst den Neubau des Brückenoberbaus für die Ostseite und anschließend den Abriss und Neubau der Westseite. Die Firma wolle mit diesen Maßnahmen noch im April beginnen, sagte Hoffmann. Die nun beauftragten Arbeiten lägen mit 2,3 Millionen Euro allerdings über den bisherigen Schätzkosten. Diese und weitere Mehrkosten verursachten eine Überschreitung der ursprünglichen Schätzkosten von 24,6 Millionen Euro (Stand: Februar 2016) – zum Beispiel verursacht vor allem durch den aufwendigeren Entwurf der neuen Brücke, der sich im Gestaltungswettbewerb durchgesetzt hatte, sowie die statischen und sonstigen Erfordernisse für den nicht in der Grundkalkulation berücksichtigten Lichtbaldachin. „Die genauen Kostensteigerungen werden derzeit zusammengestellt und für eine Vorlage an die Politik verarbeitet“, so Hoffmann weiter.

Wird der Zeitplan eingehalten?

Ob der zeitliche Rahmen für die Fertigstellung der Brücke eingehalten werden könne, hänge wesentlich vom Einhalten der für 2019 von der DB bewilligten Sperrpausen und dem Erreichen der für 2020 zwar beantragten, aber noch nicht von der DB bestätigten Sperrpausen ab. Hoffmann: „Das kann natürlich zu Verschiebungen führen. Nach heutigem Stand ist der Termin aber zu halten.“ Alles in allem liefen die Bauarbeiten recht reibungslos. „Das ist bei dieser hochkomplexen und zu einem Großteil fremdgesteuerten Maßnahme alles andere als selbstverständlich.“

Wie berichtet, muss die 1949 errichtete und 1963 verbreiterte Viktoriabrücke komplett abgerissen und neu gebaut werden, weil ihre Tragfähigkeit nicht mehr gewährleistet ist. Seit 2010 ist sie für den Schwerlastverkehr gesperrt. Seit Beginn der Abbrucharbeiten fließt der Verkehr halbseitig auf einer Spur in jede Richtung. Radfahrer und Fußgänger teilen sich den leicht verbreiterten Bürgersteig auf der westlichen Seite in beide Richtungen.

Autofahrer sind genervt

Durch die zusätzlichen Kanalbauarbeiten kommt es in jüngster Zeit an der Ecke Bornheimer Straße (stadtauswärts) oftmals zu brenzligen Situationen, haben Leser dem GA berichtet. Das Problem: Der alte Kanal liegt zwischen der alten Rampenwand der Viktoriabrücke und der ersten Verbreiterung der Rampe. Aufgrund der Verbreiterung hätte er künftig einen Teil der Brückenlast und des darüber rollenden Verkehrs tragen müssen, erklärte Markus Schmitz vom Presseamt. Dafür sei der Kanal statisch aber nicht ausgelegt. Deshalb müsse er nun neben die erweiterte Brücke verlegt und dort neu gebaut werden. Eine Alternative wäre gewesen, die erweiterte Rampe auf Bohrpfähle zu gründen, die bis unter den Altkanal führen. Die Stadt habe beide Alternativen geprüft und sich für den Neubau entschieden, da dieser wirtschaftlicher sei.

Von der Baustellensituation rund um die Viktoriabrücke sind nicht nur viele Autofahrer genervt. Frank Frenser, Sprecher der Bonner Feuerwehr, räumt ein, dass diese Situation auch für die Feuerwehr schwierig sei. Aber: „Unsere Rettungswagenfahrer sind alle sehr ortskundig. Sie wählen deshalb vor allem zur Rushhour andere Routen.“ Bisher sei es deswegen jedenfalls noch zu keiner Notsituation gekommen.