Stadt Bonn erhebt Vorwürfe Kosten für Beethovenhalle steigen auf 87 Millionen Euro

Die verhüllte Beethovenhalle: Zumindest die Sanierung von Fassade und Dach läuft nach Stadtangaben planmäßig.

Bonn. Die Kostenprognose für die Bonner Beethovenhalle steigt auf 87 Millionen Euro. Die Stadt wirft neben den Architekten auch der Bauleitung Mängel vor.

Die Kostenspirale an der Wachsbleiche dreht sich weiter: Vor anderthalb Jahren schätzte die Stadt Bonn den Sanierungsaufwand der denkmalgeschützten Beethovenhalle noch auf 61,5 Millionen Euro. Jetzt steht die Prognose bereits bei 87,2 Millionen, wie aus einer neuen Mitteilungsvorlage für den Stadtrat hervorgeht. Und die Arbeiten laufen noch lange weiter: Mit der Fertigstellung rechnet die Stadtverwaltung erst im Februar 2020 – mehr als ein Jahr später als ursprünglich geplant.

Die Kostenexplosion erklärt die Stadt unter anderem mit hohen Preisforderungen der beteiligten Firmen und unerwartetem Mehraufwand. Asbestsanierung der Luftschächte, Rohbauarbeiten, Restaurierung historischer Türen, technische Gebäudeausrüstung, Tragwerk, Objektplanung und Brandschutzberatung – in all diesen Bereichen seien Zusatzleistungen nötig geworden, so das Presseamt. Allein 233 000 Euro kostet, wie berichtet, ein Extraauftrag an den externen Projektsteuerer Drees & Sommer, der Aufgaben des Architektenbüros Nieto Sobejano Arquitectos GmbH schultern soll. Den Architekten wirft die Stadt mangelhafte Arbeit vor – ebenso wie der Bauleitung vor Ort, einem Subunternehmen, das die Architekten beauftragt hatten. Die Leistung der Bauleitung, schreibt die Stadt in einer Mitteilungsvorlage, sei „völlig unzureichend“. Die Mängel würden dokumentiert. „Mit Blick auf mögliche Regressforderungen“ sei bereits eine Anwaltskanzlei beauftragt worden.

Firmen erheben Nachtragsforderungen

Wegen des gestörten Bauablaufs haben laut Stadt mehrere Firmen Nachtragsforderungen über insgesamt 4,9 Millionen Euro aufgestellt. Diese würden von einem Gutachter überprüft. Man gehe aber davon aus, dass die Nachträge zumindest nicht in voller Höhe fällig würden, so das Presseamt. Erfahrungsgemäß seien solche Forderungen in der Baubranche nur schwer durchsetzbar.

In der aktuellen Kostenprognose von 87,2 Millionen Euro sind auch 2,1 Millionen für die Innenausstattung der Beethovenhalle enthalten – für Stühle im großen Saal, Büromöbel, technische Ausrüstung und das Mobiliar des Restaurants. Ein Spendenaufruf der Stadt für diesen Bereich hat offenbar nicht gefruchtet. „Eine auch nur teilweise Verringerung der Kosten durch Spenden ist nicht absehbar“, teilt die Verwaltung mit.

Die Probleme im Baugrund sind den Angaben zufolge weitgehend mithilfe einer Hochdruckinjektion in den Boden behoben. Das Studio als künftiger Orchester-Probenraum sei mit Mikrobohrpfählen unterfangen worden und solle nun ausgeschachtet werden. Die Betonsanierung am Dach und der Fassade läuft laut Stadt planmäßig. Im Spätsommer sollen, wenn alles glattgeht, die gewohnten Kupferplatten wieder auf das Dach der Halle kommen.

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