Kunst!Rasen in Bonn

Konzert-Macher prüfen Gemeinnützigkeit

BONN. Der Kunst!Rasen als gGmbH? Also als gemeinnützige Gesellschaft? "Das überlegen wir derzeit ernsthaft", so Martin J. Nötzel, der gemeinsam mit Konzertveranstalter Ernst-Ludwig Hartz die Open-Air-Reihe in der Gronau durchgeführt hat. "Das ist doch eine Idee, die leben will. Hier geht es doch längst nicht mehr um Hartz und Nötzel, sondern um die Zukunft der Kultur in Bonn."

Den beiden Initiatoren des Kunst!Rasens schwebt offenbar eine ähnliche Konstruktion wie bei den Internationalen Beethovenfesten Bonn gGmbH vor. Aufgrund ihrer Gemeinwohlorientierung werden solchen Gesellschaften besondere Steuervergünstigungen gewährt, dürfen indes keine Gewinne machen beziehungsweise müssen diese für den gemeinnützigen Zweck verwendet und dürfen grundsätzlich nicht an die Gesellschafter ausgeschüttet werden.

Eine andere Überlegung ist die Gründung eines Fördervereins Kunst!Rasen. Im Internet liegt bereits eine Unterstützerliste aus (www.kunstrasen-bonn.de). "Wir begrüßen alles, was diese Sache fördert", so Stadtsprecherin Monika Hörig. Die Auswertung des Urteils des Kölner Verwaltungsgerichts dauere unterdessen noch an, so Hörig.

Wie berichtet, hat das Gericht die Baugenehmigung für die Open-Air-Reihe im vergangenen Sommer für "rechtswidrig" gehalten. Hörig: "Wir prüfen alle Facetten, um positiv festzustellen, welchen Spielraum uns das Urteil für weitere Veranstaltungen zulässt. Gleichzeitig wollen wir untersuchen, ob wir gegen das Urteil in Berufung gehen." Für die Veranstalter drängt indes die Zeit, denn die Künstler für die nächste Sommersaison müssten so langsam gebucht werden.

"Die Stadt steht hinter dem Konzept", macht Hörig klar. Wie berichtet, hatte die Stadt bereits das Geld für die Lärmmessungen per Dringlichkeitsentscheidung zur Verfügung gestellt - "um die noch verbleibenden für die Bundesstadt Bonn wichtigen Veranstaltungen nicht zu gefährden".

In der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses wurde außerdem der Antrag von CDU und Grünen einstimmig beschlossen, zu prüfen, unter welchen Bedingungen eine Förderung des Kunst!Rasens möglich ist. Dazu müssen die Veranstalter indes die Finanzsituation des Projekts Kunst!Rasen offenlegen.

Nach GA-Informationen hat die Klage der Anwohner wegen der Konzerte die Kartenverkäufe der letzten Konzerte um bis zu 20 Prozent gesenkt, was einem Verlust von rund 100.000 Euro entspricht. Die Politik will die Konzertreihe aber unbedingt erhalten. Daher soll die Verwaltung darstellen, welche Unterstützung seitens der Stadt möglich und sinnvoll ist, damit die Veranstaltung langfristig auf ein tragfähiges finanzielles Fundament gestellt werden kann.

Gleichzeitig wird eine Änderung des Bebauungsplans angestrebt. Intern wird in Fraktionen auch überlegt, ob sich das Areal dafür eignet, als dauerhafter Veranstaltungsort ausgewiesen zu werden. "Doch dafür müsste die Stadt ordentlich Geld in die Hand nehmen", so ein Stadtverordneter, der nicht genannt werden will. "Macht sie das aber, dann müssten wir die Open-Air-Reihe ausschreiben."

Für Nötzel und Hartz steht jetzt zunächst die Benefizveranstaltung in der Beethovenhalle an, um Verluste aus der Brandnacht zu kompensieren. Die Halle sollen sie von der Stadt kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. "Wir prüfen derzeit, wie wir das ermöglichen können", sagte Stadtsprecherin Hörig.

Benefizabend

Der Benefizabend für den Kunst!Rasen, unter anderen mit Wolfgang Niedecken und Konrad Beikircher, findet am Freitag, 20. Dezember, in der Beethovenhalle statt. Organisiert wird er von Beikircher: "Die haben tolle Konzerte im Sommer in der Rheinaue auf die Beine gestellt, aber unter anderem wegen der vielen teuren Auflagen der Behörden mit einem Defizit abgeschlossen, und nun hat's auch noch gebrannt, und die Buden, Tische und so weiter im Wert von rund 100 000 Euro sind in Rauch aufgegangen. Da muss man zusammenstehen", begründet Beikircher sein Engagement. Außerdem "müssen wir zusammenhalten: von Oper bis Brotfabrik, von Philharmonie bis Kunst!Rasen, wir sind EINE Kultur und da stehen wir Schulter an Schulter".