Wissenschaftliche Kooperation mit China

Konfuzius-Institut kommt nach Bonn

Die Universität Bonn, hier das Hauptgebäude am Hofgarten, arbeitet eng mit dem neuen Institut zusammen.

Die Universität Bonn, hier das Hauptgebäude am Hofgarten, arbeitet eng mit dem neuen Institut zusammen.

BONN. Ein chinesisches Kulturinstitut wird an der Brühler Straße in enger Zusammenarbeit mit der Universität eröffnet. Die Leitung teilen sich ein chinesischer Direktor und eine deutsche Direktorin.

Man spricht Chinesisch: Um die Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft zwischen China und Deutschland zu stärken, wird kommenden Donnerstag ein Konfuzius-Institut in Bonn eröffnet. Dort sollen China-relevante Themen in Form von Podiumsdiskussionen und Ringvorlesungen aufgegriffen, vor allem aber interkulturelles Wissen und die chinesische Sprache vermittelt werden.

Den Anstoß dazu gab das Rektorat der Universität Bonn. Hinter dem Institut steht ein Verein, dem acht Professoren aus unterschiedlichen Fachbereichen der Uni angehören. Die Einrichtung ist ein sogenanntes An-Institut, gehört also nicht zur Universität, ist aber eine wissenschaftlich assoziierte Institution. Träger ist der Verein, in dessen Vorstand sowohl chinesische als auch Bonner Wissenschaftler sitzen. Die Leitung wird ebenfalls ein chinesischer und eine deutsche Direktorin übernehmen.

Die Konfuzius-Institute verbreiten sich seit Beginn des neuen Jahrtausends rasant über den gesamten Globus und sind mittlerweile in mehr als 100 Ländern vertreten. Allein 19 Einrichtungen bestehen bereits in Deutschland, meist eng an Hochschulen angebunden. Oft werden sie mit den deutschen Goethe-Instituten verglichen, allerdings werden sie gemeinsam mit lokalen Partnern wie der Uni Bonn vom Büro für chinesische Sprachausbildung (Hanban) betrieben, das dem Zentralen Propaganda-Department der Kommunistischen Partei Chinas unterstellt ist.

Teilweise gibt es Kritik an den Instituten, teilweise stoßen sie aus diversen Gründen auch auf breitere Ablehnung, etwa in den Vereinigten Staaten oder in Indien. Ulrich Delius, Asienreferent der Gesellschaft für bedrohte Völker in Göttingen, kritisierte etwa 2014: „Wir erleben das in sehr vielen Konfuzius-Instituten, dass systematisch eigentlich alle heiklen Punkte ausgeblendet werden.“

Lobna Jamal, Referentin von Stephan Conermann, Prorektor für Internationales der Uni Bonn, sagt jedoch: „Wir kennen die Kritik, haben die Konzepte der bestehenden Institute in Deutschland analysiert und keine Zensur auch bei heiklen Themen festgestellt. Wir werden dafür sorgen, dass nichts gelehrt wird, was nichts mit unseren Vorstellungen von Lehre und Forschung zu tun hat.“

Der Bonner Professor Ralph Kauz, Vorstandsvorsitzender des Vereins hinter dem künftigen Institut, ergänzt: „Die Einrichtung ist ein kultureller Gewinn für Bonn und steht allen Interessierten offen. Wir können über alles reden.“ Bedenken entgegnet Kauz: „Auch in China gibt es von deutscher Seite aus zahlreiche ähnliche Einrichtungen, etwa von der Konrad-Adenauer-Stiftung.“

Das Konfuzius-Institut wird im Unigebäude an der Brühler Straße 7 untergebracht. Die Räume stellt die Uni zur Verfügung. Der Betrieb wird zum kommenden Wintersemester aufgenommen. Von den rund zehn Stellen sei bis dato noch keine besetzt, sagt Jamal. Neben dem Hanban-Büro ist die langjährige Bonner Partner-Uni Beijing Language and Culture University beteiligt.